Handelsblatt Businessmonitor
Manager offener für die AfD als Gesamtbevölkerung

Schmuddelkind AfD? Eine Umfrage zeigt: Die Wirtschaft hat weniger Vorbehalte gegen die Partei als die Gesamtbevölkerung. Viele Führungskräfte halten die AfD bereits für regierungsfähig. Chef Lucke überrascht das nicht.
  • 43

BerlinIn der Wirtschaft sind die Vorbehalte gegen die euroskeptische Partei AfD geringer als in der Gesamtbevölkerung. In einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Top-Managern verorten 62 Prozent sie im demokratischen Spektrum, 31 Prozent sehen sie eher am rechtsradikalen Rand angesiedelt. Dies zeigt der Handelsblatt Businessmonitor, für den das Meinungsforschungsinstitut Forsa 654 Führungskräfte in deutschen Unternehmen befragt hat.

AfD-Chef Bernd Lucke zeigte sich wenig überrascht von den Ergebnissen der Umfrage. „Die AfD hatte schon immer besonders gute Ergebnisse bei Menschen mit hoher ökonomischer Bildung gehabt“, sagte er dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Allerdings lassen die jüngsten Wahlerfolge nicht darauf schließen, dass wir bei der Gesamtbevölkerung generell auf besonders große Vorbehalte stoßen“, fügte der Europaabgeordnete hinzu.

Unter allen Wahlberechtigten hält dagegen nur eine Minderheit von 29 Prozent die euroskeptische Partei AfD für eine normale demokratische Partei, 40 Prozent meinen, sie befinde sich am rechtsradikalen Rand.

Nach dem Einzug der AfD in das Europaparlament und drei Landtagen erwarten demnach 63 Prozent der Manager, dass sie 2017 auch den Einzug in den Bundestag schaffen wird. Allerdings fänden dies nur 22 Prozent der befragten Führungskräfte gut, während 74 Prozent diese Aussicht weniger gut oder sogar schlecht fänden. Immerhin ein Drittel der Führungskräfte hält die neue Partei bereits für regierungsfähig: 33 Prozent sagen, CDU und CSU sollten mit eine Koalition mit der AfD bilden.

Für besonders wirtschaftskompetent halten sie die AfD dabei offensichtlich nicht: Der Aussage „Die AfD kann anstelle der FDP die Interessen der Unternehmen und des Mittelstands in der Politik vertreten“, stimmten nur 12 Prozent der Führungskräfte zu, während 85 Prozent dies verneinten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Handelsblatt Businessmonitor: Manager offener für die AfD als Gesamtbevölkerung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Manager sind per se etwas eigenständiger und medienunabhängiger als die durchschnittlichen Konsumenten der durch die Altparteien gelenkten Massenmedien. Dann besteht ja auch Hoffnung, dass das Handelsblatt allmählich an seine Klientel denkt und künftig weniger tendenziöse Anti-AfD-Beiträge bringt. Aber auch die Gazetten und Sender für bildungsfernere Schichten haben die Rechnung ohne die Wähler gemacht: inzwischen merkt auch der Letzte, wie die Boulevardmedien gleichzeitig gegen die AfD hetzen und die faktischen riesigen Probleme für die gesamte Bevölkerung (Kriminalität, "Flüchtlinge", Ausplünderung Deutschlands durch die EU etc.) verharmlosen oder ausblenden - Phänomene, die sie aber selbst täglich in Deutschland erleben und erleiden müssen - und schlussfolgern korrekt, dass, wer ihnen nicht das wahre Bild der Wirklichkeit vermittelt, auch in Bezug auf die AfD lügen wird - und wählen sie gerade deshalb. Ich gehe davon aus, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl > 20% und entweder auf Platz 3 oder 2 liegen wird.

  • Wenn man den grösseren Teil der Stimmberechtigten abziehen könnte, die infolge ihrer Indoktrination oder weil sie nicht autochthone Deutsche sind, den Medieneinflüssen der "Political correctness" folgen, dann würden AfD und CSU um die Mehrheit im nächsten Bundestag wetteifern und das wäre - wie sagte Herr Wowereit - gut so.

  • Lucke muss sehr aufpassen, dass er sich nicht vergaloppiert. Es gibt genügend Themen, die von den etablierten Parteien nicht mehr besetzt werden. Wenn die AfD sich aber lediglich um die Klientel der Großverdiener kümmert, wird sie so enden, wie die FDP. Mindestlohn ist z.B. Geschichte. Das trägt eher zur Entlastung des Staatshaushalts und der Sozialversicherungsträger bei. Die AfD sollte sich viel mehr um das Zurückfahren versicherungsfremder Leistungen kümmern, damit die Sozialversicherungsbeiträge zugunsten aller abgesenkt werden können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%