Handelsblatt-Check
Baubranche: Positive Ausirkungen kommen zu spät

Die Regierung verpulvert Milliarden für ein Strohfeuer. Das befürchten zumindest Experten der Baubranche. Grundsätzlich befürworten sie zwar die Finanzspritze. Doch eine sinnvolle Verteilung sehe anders aus.

BERLIN. Die Bauwirtschaft fürchtet, dass das Zehn-Milliarden-Programm der Bundesregierung für Kindergärten, Schulen, Universitäten und kommunaler Infrastruktur sich als Strohfeuer entpuppt. Zwar loben Gewerkschaften und Arbeitgeber das Programm grundsätzlich. "Wir könnten mit der staatlichen Hilfe in der Tat ein wichtiger Schlüssel zur Bewältigung der Folgen der Finanzkrise werden. Denn von Bauinvestitionen profitiert die gesamte Wertschöpfungskette auf dem deutschen Binnenmarkt", sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie dem Handelsblatt.

Doch löst das zweite Konjunkturprogramm alte Ängste in der Branche aus, dass der Staat in absehbarer Zeit wieder an Investitionen spart. "Unsere größte Sorge ist, dass die Bundesregierung zur alten Stop-and-go-Politik bei der Bauförderung zurückkehrt", warnt Knipper. Wenn es laufe wie nach der Wiedervereinigung, dann sei für die Bauwirtschaft nichts gewonnen. Damals löste der Bund mit einem gigantischen Investitionsprogramm für die neuen Länder einen Bauboom aus, der anschließend in eine lange, tiefe Flaute der Branche mündete.

Genau das könnte sich nun wiederholen. Denn das Programm ist bis 2010 befristet und wird über die höchste Neuverschuldung seit Bestehen der Bundesrepublik finanziert. Deshalb ist die Angst groß, dass der Bund schon ab 2011 die Zeichen wieder auf Haushaltskonsolidierung stellt und viele Kommunen erneut sparen werden. Knipper erwartet daher, dass zahlreiche Unternehmen ihre Kapazitäten erst gar nicht ausbauen werden, weil sie das Ende der öffentlichen Bauförderung ja schon absehen können.

In der Branche wird auch nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der staatlich angeregten Baunachfrage in einem Anstieg der Baupreise verpuffen könnte. Sie waren im vergangenen Jahr wegen der weltweit explodierenden Rohstoffnachfrage stark gestiegen, sind aber inzwischen wieder deutlich gesunken. Hier hängt alles davon ab, dass das Investitionsvolumen sinnvoll verteilt wird. Am liebsten wäre es der Bauwirtschaft, wenn die ersten kleineren Aufträge bereits in den nächsten Wochen kämen. Die größeren sollten dann ab dem zweiten Halbjahr folgen und möglichst weit ins Jahr 2011 reichen. Zudem müssten Länder und Kommunen darauf achten, dass alle Teile der Bauwirtschaft möglichst gleichmäßig ausgelastet würden. Denn noch sitzt die Branche auf einem komfortablen Auftragspolster aus dem Winterhalbjahr 2008, das erst zur Jahresmitte abgearbeitet sein dürfte. Erst danach droht die Flaute im privaten Hochbau, zunächst beim Wirtschaftsbau, dann aber auch beim Wohnungsneubau. Beim Wohnungsbestand wird eine stabile Entwicklung erwartet, auch wegen der Wärmesanierungsprogramme aus dem ersten Konjunkturpaket.

Eine solche zielgenaue Koordinierung von Ländern und Kommunen grenzt allerdings an die Quadratur des Kreises. In den meisten Ländern gibt es bislang noch gar keine Pläne, für welche Projekte in welchen Kommunen der Geldsegen aus Berlin eingesetzt werden soll. Es könnte daher gut sein, dass das Gros der Investitionen trotz der beschlossenen Erleichterungen im Vergaberecht wegen zu langer Vorlaufzeiten erst 2010 getätigt wird. Fürdie Baubranche wäre dies das Worst-Case-Szenario. Denn dann müsste sie womöglich ihre Kapazitäten im zweiten Halbjahr erst einmal zurückfahren.

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