Handelsblatt.com-Leser vergeben Noten
Merkels Kabinett bleibt sitzen

Seit einem Jahr ist die Regierung Merkel nun an der Macht. In diesem einen Jahr hat sie es geschafft, die Sympathien der Leser von Handelsblatt.com vollkommen zu verspielen: Wir hatten gefragt, welche Noten Sie den Kabinettsmitgliedern geben. Herausgekommen ist im Schnitt ein mangelhaft. Nur ein einziger Minister hat sich auf eine gute Drei retten können.

DÜSSELDORF. Vernichtend ist die Kritik, die die Leser an der großen Koalition üben: „Jeder Hausbesetzer geht mit seiner Hütte besser um, als diese Regierung mit dem Staat. Hausbesetzer kümmern sich in der Regel einfach nicht um 'ihr' Haus – diese Regierung ist dabei, auch noch die letzten tragenden Wände einzureißen“, schreibt ein anonymer Diskutant. Und Leser Werner Pütz schreibt im Handelsblatt.com-Forum: „Der Koalitionsvertrag ist für die Regierung ein Korsett, welches niemendem passt. Jedes Regierungsmitglied bemüht sich, in diesem Korsett gut auszusehen. Aber auch der beste Schauspieler wirkt darin nur als traurige, manchmal lächerliche Figur.“

Entsprechend schlecht fällt die Note aus, die die Leser der Bundesregierung als Team gegeben haben: eine 4,85 (Stand 9:30 Uhr) – also gerade mal ein mangelhaft. Das deckt sich auch mit dem Schnitt aus den Einzelnoten der Kabinettsmitglieder. Hier kommt eine 4,68 heraus.

Jeder Lehrer dürfte ob einer Klasse mit einem solch üblen Notenschnitt verzweifeln. Da kann auch der einzige Lichtblick unter den Ministern wenig herausreißen: Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ihm haben die Leser eine 2,89 gegeben. Der nächstbeste – Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) – erhält lediglich eine 3,61.

Von wirklicher Zufriedenheit mit den Leistungen Steinmeiers ist bei den Leserkommentaren allerdings nichts zu spüren. Klaus Ermecke schreibt: „Es besteht in Deutschland die verhängnisvolle Tendenz, die Außenminister völlig zu überschätzen. Leute bekommen gute Noten, bloß weil sie (auf Steuerzahlers Kosten) in der Welt herumgereist sind und sich mit ausländischen Potentaten getroffen und wohlfeiles Zeug geredet haben. Das einzig legitime Kriterium zur Beurteilung eines deutschen Außenministers ist jedoch, inwieweit er in der Lage gewesen ist, deutsche Interessen durchzusetzen. Das Ergebnis: Steinmeier: Fehlanzeige.“

Kanzlerin knapp über Schnitt

Die Kanzlerin schneidet immerhin besser als der Schnitt, dürfte mit einer 4,45 ihren Eltern aber auch keine Freude machen. Leser Günter Haberland sagt über Angela Merkel: „Statt zu führen moderiert sie nur.“

Immerhin ist ihr 5. Platz um Längen besser als der von Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD), der mit seiner Note von 5,15 auf dem 12. von 16 Plätzen landet. Leser Arne meint, den Grund für das schlechte Abschneiden zu kennen: „Der Mann blockiert den notwendigen Umbau im Land.“

Das Ende der Rangliste belegt ausgerechnet eine Ministerin mit einem Schlüsselressort: Ulla Schmidt (SPD), zuständig für Gesundheit, erreicht lediglich eine 5,58 – also ein ungenügend, was im Schülerleben höchst selten vorkommt. Die Verbitterung über die Gesundheitsreform sitzt tief, was sich auch in den Kommentaren zeigt. Ein Leser schreibt: „Schade, daß es nicht noch 'sehr ungenügend' gibt.“

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