Handelsblatt Deutschland-Dinner
Braucht Deutschland noch die FDP?

Philipp Rösler kämpft um das Überleben der FDP – auch beim Deutschland-Dinner des Handelsblatts. In Düsseldorf sprach der FDP-Chef über Fehler der Liberalen und nahm Stellung zu der Frage, ob er auch Kanzler kann.
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DüsseldorfMan darf getrost davon ausgehen, dass das Leben von Philipp Rösler derzeit nicht gerade reich an positiven Überraschungen ist. Und vielleicht freut sich der FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister deshalb besonders, als am Donnerstagabend beim Deutschland-Dinner des Handelsblatts Event-Manager Jonas Neubauer auf ihn zukommt, um ihm einen großen Korb mit Lakritzen zu überreichen. Rösler hatte in einer Talkshow verraten, dass er eine Schwäche für diese nordische Leckerei hat. „Deshalb habe ich ihm gleich drei Kilo gekauft“, sagt Handelsblatt-Leser Neubauer, der offenkundig Spaß an seiner eigenen Überraschung hat. Und selbst Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart wird angesichts der großen Auswahl an Naschereien kurz neidisch.

Ansonsten aber, daran lässt Steingart keinen Zweifel, möchte er nicht mit Rösler tauschen. „Braucht Deutschland noch die FDP?“, will er von deren Chef wissen, und 350 Handelsblatt-Leser im Festsaal des Düsseldorfer Maritim-Hotels warten gespannt auf Röslers Antworten.

Der 39-Jährige, der seit knapp einem Jahr an der Spitze der Liberalen steht, gibt sich selbstkritisch. „Wir haben Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden konnten“, erklärt er den Absturz der FDP, die drei Jahre nach ihrem sensationellen Wahlergebnis von 14,6 Prozent ums politische Überleben kämpft. Die FDP habe ihre Politik nicht mit den liberalen Werten in Verbindung gebracht, fügt Rösler hinzu. „Deshalb haben viele nicht mehr den Eindruck, dass wir die entscheidende liberale Kraft sind.“

Dass die FDP viel durchgesetzt hat, will Steingart Rösler nicht durchgehen lassen. Es sei eher wenig gewesen, befindet der Chefredakteur und will wissen, warum. Er selbst vermisse etwa die in vielen Wahlkämpfen versprochene Abschaffung des Solidaritätszuschlags. „Es wäre schön, wenn wir mehr hätten durchsetzen können“, gibt Rösler zu, aber die Widerstände gegen Entlastungen der Bürger seien immens. So habe er einen „riesigen Kampf“ mit der Union ausfechten müssen, um sich auf ein Modell zur Abmilderung der kalten Progression zu einigen. Anderthalb Jahre habe das gedauert, und jetzt hänge das Gesetz dennoch im Bundesrat fest. „Es gibt viele starke Kräfte in Deutschland, die eine Entlastung nicht wollen“, beklagt der FDP-Chef, „da reichen selbst 14,6 Prozent nicht, um unsere Forderungen durchzusetzen.“

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Kommentare zu " Handelsblatt Deutschland-Dinner: Braucht Deutschland noch die FDP?"

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  • Ich liebe Rösler. Er ist der Garant, daß die Bundes-FDP bei der nächsten Wahl an der 5% Hürde scheitert.

  • Die FDP ist nicht nur wertlos. Sie ist weniger wert als nichts, da sie nur Schaden und keinen Nutzen für das breite Volk produziert. Sie hat immer noch nicht begriffen,
    dass endlich durch eine höhere Besserverdienerbesteuerung
    sowohl die Kluft in der Gesellschaft in Schach gehalten werden muss als auch mit dadurch zu finanzierenden sinnvollen Konjunkturprogrammen,die aufziehende Krise im Euroraum bekämpft werden könnte. [...]

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Ich würde ja gern ja sagen, weil die politische Parteienlandschaft vielseitige Stimmen haben muss.

    Aber die FDP ist mit so vielen Versprechen angetreten, weshalb sie von vielen gewählt wurde. Nach der Wahl hat sie wie keine andere Partei sich als Blender offenbart. Statt Einsparung wurden mehr Ministerplätze geschaffen. Sofort Steuergeschenke an Hoteliers, die wie es sich im Nachhinein herausstellte, doch nicht so wirksam waren. Aber sie blieben. Und die Arroganz eines WW.

    Wenn ich dann immer wieder lese, dass die FDP sich als wegweisende Wirtschaftspartei in der Koalition fühlt, fällt mir nur der Spruch ein:

    Dumm geboren, nichts dazugelernt, und dann noch die Hälfte vergessen.

    Hier mal ein altes Video was zeigt,
    http://www.youtube.com/watch?v=r9-xRzwG0R0&feature=related

    dass sich kaum bei den großen etablierten Parteien was verändert hat, Siehe Herdprämie, oder ..., in einer Stellungnahme distanziert sich vor wenigen Tagen die gesamte CDU/CSU-Bundestagsfraktion von der Nominierung von Crysis 2 in der Kategorie Bestes Deutsches Spiel.
    Die sind einfach nicht lernfähig.

    Noch ein paar Jahre, dann sterben sie eh aus.^^

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