Handelsblatt-Deutschland-Dinner
Wenn Schäuble Klartext spricht

Der Finanzminister vergleicht Griechenland mit einem Fass ohne Boden, räumt aber auch Fortschritte ein. Beim Deutschland-Dinner des Handelsblatts knöpft sich Schäuble außerdem die EZB und die CSU vor.
  • 37

BerlinWolfgang Schäuble (CDU) kam direkt aus dem Kanzleramt. Bis kurz vor 20 Uhr hatte er dort am Dienstagabend beim Koalitionsgipfel über eine mögliche Rentenreform diskutiert. Dann musste der Bundesfinanzminister die Runde verlassen und Richtung Deutsches Historisches Museum aufbrechen. Dort hatte das Handelsblatt zum Deutschland-Dinner geladen, und Schäuble war der Ehrengast.

Das Treffen mit Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Sigmar Gabriel (SPD) muss aus Sicht des Finanzministers gut gelaufen sein. Er war bester Laune, als er im großen Saal des Museums ankam. „Koalitionsgespräche sind immer wie ein Jungbrunnen“, witzelte Schäuble. Und entsprechend schlagfertig präsentierte er sich dann beim Deutschland-Dinner vor den 600 Handelsblatt-Lesern.

In einer lebhaften Diskussion mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart ging es um die Flüchtlingskrise, die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), Griechenland und Schäubles Verhältnis zu Kanzlerin Merkel.

Offen und klar bezog der Finanzminister Stellung zu Europas Krisen. In ein Fass ohne Boden solle man keinen Wein reingießen, sagte er mit Blick auf Griechenland. Schäuble war im vergangenen Sommer dafür, Griechenland den Austritt aus der Eurozone zu versüßen. Doch Merkel entschied sich anders. Es sei kein Geheimnis, dass es einen Meinungsunterschied gab, so Schäuble. Die Entscheidung aber sei gefallen, und Schäuble akzeptiert sie. „Griechenland hat sich entscheiden, diesen schwierigen Weg zu gehen.“ Nun muss der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras die notwendigen Reformen liefern.

Es gebe aber auch gute Nachrichten aus Griechenland, meinte Schäuble. Die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt seien besser, die Wirtschaft wachse, das Defizit sei geringer. Der griechische Botschafter, der ebenfalls unter den Gästen war, dürfte zumindest diesen Satz gerne gehört haben. Schäuble warb beim Deutschland-Dinner dafür, Athen weiter zu helfen. Aber nicht bedingungslos und nicht in jeder Form.

Einen Schuldenschnitt schloss Schäuble kategorisch aus. Schließlich sei Griechenland durch die Hilfskredite derzeit ohnehin „mit null Euro belastet“, da Rückzahlungen und Zinsen gestundet sind. Zu einem späteren Zeitpunkt könne es allerdings Schuldenerleichterungen geben, wenn das notwendig sein sollte, gab Schäuble zu. Sollte die Schuldentragfähigkeit mittelfristig nicht hergestellt sein, werde man sich das Thema erneut ansehen. „Aber jetzt besteht keine Notwendigkeit.“

Seite 1:

Wenn Schäuble Klartext spricht

Seite 2:

Klare Ansagen an die EZB

Kommentare zu " Handelsblatt-Deutschland-Dinner: Wenn Schäuble Klartext spricht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Meiner Meinung nach sollte für Leute, die sich als Investment-Banker als sogenannte „Leistungsträger“ glorifizieren, die KEST zur normalen EST hinzukommen. Dann bräuchte sich niemand von so Jemandem sagen lassen, wandert doch aus, wenn es Euch nicht passt, weil dann dieser „VIP-Leistungsträger“ nämlich selbst die Koffer packen und dieses „leistungsbestrafende Land“ schleunigst verlassen würde.

  • Was ist das für eine Kindergartenantwort ?

    Draghi ist von keinem Bürger in diesem Land gewählt worden wie das ganze EU Pack in Brüssel. Ich als Bürger dieses Landes muss nicht die Konsequenzen tragen für Entscheidungen die nicht von mir gewählte Leute zu meinem Nachteil fallen.

    Die EU und Euro gehören abgeschafft. Ich will die Leute abwählen können die Unsinn treiben.

  • @ Nelly Sachse: Ich habe nicht gesagt bzw. gemeint, dass die Bevölkerung die Füße still halten und alles schlucken soll. Aber meine Konsequenz wäre dann das Land zu verlassen, wenn ich mit der Politik (oder etwas anderem) nicht einverstanden bin.

    Ist Ihnen verboten worden auszuwandern ? Es steht doch zum Glück jedem Deutschen frei seinen Wohnsitz und Arbeitsplatz in dem Land auf dem Globus zu wählen (und seine Steuern zu zahlen) wo man sich am wohlsten fühlt. Und solange mein Einkommen als hochqualifizierter Investmentbanker und Leistungsträger nur KESt/Abgeltungssteuerpflichtig ist, mache ich das in Deutschland. So einfach ist das. Was ist Ihr Argument ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%