Handelsblatt Exklusiv
Bundesregierung stärkt Offshore-Windkraft

Was für Solaranlagen jahrelang recht war, ist nun für die Windkraftbranche nur billig: Um deren Ausbau voranzutreiben, sollen die Vergütungen steigen. Kritik daran gibt es reichlich.
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BerlinDie Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben und hebt deshalb die Vergütungen für einzelne Erzeugungsformen an. Gleichzeitig soll der aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme oder Biomasse gewonnene Strom besser in den Markt integriert werden. Das geht aus dem Entwurf für die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hervor, dem Handelsblatt vorliegt. 

Zu den Gewinnern der geplanten Änderungen zählen Offshore-Windparks. Die Anfangsvergütung, die in den ersten zwölf Jahren ab Inbetriebnahme für Offshore-Windkraftanlagen gezahlt wird, soll von 13 auf 15 Cent je Kilowattstunde steigen. Diese Anfangsvergütung erhöht sich mit dem Abstand der Anlage von der Küstenlinie und ab einer Wassertiefe von mehr als 20 Metern noch einmal schrittweise. Wenn Anlagen vor 2017 in Betrieb gehen, erhalten sie in den ersten acht Jahren ab Inbetriebnahme eine erhöhte Anfangsvergütung von 19 Cent.

Das EEG müsse so weiterentwickelt werden, "dass der Übergang der erneuerbaren Energien aus einem Nischenmarkt hin zu einem erwarteten Marktanteil von 35 bist 40 Prozent innerhalb der laufenden Dekade gewährleistet wird", heißt es in dem Gesetzentwurf. Bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung dem Entwurf zufolge auf "mindestens 50 Prozent, bis 2040 auf mindestens 65 Prozent und bis 2050 auf mindestens 80 Prozent steigen".

Die Erreichung dieser Ziele setze voraus, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland konsequent und ambitioniert weiter vorangetrieben werde. Derzeit beträgt der Anteil der Erneuerbaren 17 Prozent.

Die EEG-Novelle wird damit Bestandteil des Gesetzespaketes zur Umsetzung der Energiewende, das vom Bundeskabinett bereits im Juni beschlossen werden soll. Erst Anfang Mai hatte das Bundesumweltministerium den EEG-Erfahrungsbericht vorgelegt, der die Faktenbasis für die Gesetzesnovelle liefert. Noch vor wenigen Tagen hatte es geheißen, es sei noch nicht ganz klar, ob die EEG-Novelle Bestandteil des Gesetzpakets für die Energiewende werde oder ob man sich damit begnüge, im Kabinett lediglich Eckpunkte für die EEG-Novelle zu beschließen.

Das EEG garantiert den Anlagenbetreibern feste Vergütungssätze für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom. Die Vergütungssätze liegen teilweise erheblich über dem Börsenpreis für konventionell erzeugten Strom. Die Vergütungen werden auf die Stromverbraucher umgelegt. Sie beliefen sich 2010 laut EEG-Erfahrungsbericht auf zwölf Milliarden Euro.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Handelsblatt Exklusiv: Bundesregierung stärkt Offshore-Windkraft"

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  • es geht doch darum das in D erst 1 offshore park kommerziell betrieben wird! und die großen konzerne lieber in anderen Staaten investieren und projekte in D geschoben werden. die höhere rendite jetzt soll dazu führen das die ziele er bundesregierung erfüllt werden.

  • Äh, die eigentliche Frage ist doch die: wird die höhere Förderung um 4 Cent im Falle der Offshore-Windenergie überhaupt benötigt, oder bedeutet die Erhöhung nur ein Zuckerl für die vier großen Stromkonzerne?! Bis jetzt hatte kein Investor wirklich ein Problem mit den aktuellen Vergütungssätzen, warum dann die plötzliche Erhöhung um 25%?! Jeder Onshore-Windmüller wäre liebend gerne damit einverstanden, "nur" für 8 Jahre garantierte 19 Cent/ kWh zu erhalten, und dann zum Marktpreis einzuspeisen. Diese liegen übrigens bereits bei über 8 Cent. Zu diesem Preis kaufen bereits heute Ökostromanbieter den Windstrom am Markt auf! Man sieht also, (Über-)Förderungen sind dann kein Problem, wenn es die Großen "trifft"?!

  • ah - es ist schon geändert worden. allerdings sieht es nach meinem verständnis so aus - dass der explizite hinweis erfolgen sollte, dass nach den 8 jahren anfangsvergütung nach meinem stand die offshore-wka (im gegensatz zu allen anderen anlagen) eben keine basisvergütung mehr erhalten, die über marktpreisen liegt, sondern im endeffekt zu marktpreisen einspeisen werden.

    dies steht in deutlichem gegensatz zu der vorgenannten onshore-windkraft oder gar zu photovoltaik, die über 20 jahre die im fall der photovoltaik sehr hohe vergütung erhält.

    dagegen erscheint mir das modell für offshore-windkraft ziemlich marktwirtschaftlich orientiert zu sein - und im vergleich wohl eines der reinsten anreizprogramme zu sein, die es im rahmen des eeg je gab ...

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