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Ideal schlägt eigene Pflegeversicherung vor

Ideal-Chef: „Schwarz Gelb macht bei der Pflegereform einen großen Fehler.“
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BerlinDer Vorstandschef der Ideal-Lebensversicherung Rainer Jacobus hat die Bundesregierung aufgefordert, ihre Absicht, die Pflegeversicherung um eine kapitalgedeckte Säule zu ergänzen, endlich in die Tat umzusetzen. „Schwarz Gelb macht bei der Pflegereform einen großen Fehler“, sagte Jacobus, dem Handelsblatt. „Wir hätten zuerst über die Finanzierung reden müssen und dann über Leistungsverbesserungen.“

Es sei nicht gut, dass die Regierung seit Monaten das Kernproblem – den starken Anstieg der Zahl der Pflegefälle in der Zukunft – außen vor lasse. „Dabei hängt uns das Demografieproblem wie eine Garotte (Würgeinstrument, d. Redaktion) um den Hals“, sagt Jacobus. Wenn künftige Beitragszahler nicht überfordert werden sollen, sieht Jacobus nur zwei Wege: „Entweder wir kürzen die Leistungen. Oder wir sparen Kapital an, individuell, damit der Staat keinen Zugriff hat.“

Da es sich beim Pflegefall um ein biometrisches Risiko wie Erwerbsunfähigkeit handle, könne eine solche individuelle Kapitaldeckung am effektivsten in der Lebensversicherung aufgebaut werden. „Was wir brauchen, ist eine Art obligatorische Vermögensbildung für die Pflege.“

Die Ideal hat dazu eine konkreten Vorschlag erarbeitet. Danach muss jeder Bürger zwischen 25 und 55 in die neue Pflegerentenversicherung einzahlen. Entweder wird der Beitrag nach dem Alter so gestaffelt, dass es im Pflegefall eine fixe, nach der Pflegestufe gestaffelte Monatsrente gibt. So würde ein 20-Jähriger 11,50 Euro für eine Garantierente von je nach Pflegestufe 125 bis 500 Euro im Monat zahlen. Alternativ könnte auch der Beitrag festgeschrieben werden. Für zehn Euro im Jahr erhielte zum Beispiel ein 55-Jähriger 139,50 Euro Pflegerente in Pflegestufe III.
In beiden Modellrechnungen ist die Überschussbeteiligung noch nicht berücksichtigt. Sie fällt höher aus, je später der Pflegefall eintritt. So kann laut Ideal-Modell ein 20-Jähriger mit 75 eine Pflegerente von 1.006 Euro erreichen. Tritt der Pflegefall mit 85 ein, sind es sogar 1.161 Euro. Stirbt er, ohne ein Pflegefall zu werden, fallen seine Beiträge an die anderen Versicherten.

Das Modell funktioniere allerdings nur bei Versicherungspflicht für alle, hießt es ergänzend bei der Ideal. Schon heute angebotene freiwillige private Zusatztarife sind vergleichsweise teuer und vielleicht deshalb auch ein  Ladenhüter. Nur 1,5 Prozent der Berechtigten machen bislang davon Gebrauch.

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