Handelsblatt-Interview
Renate Künast: „Ich mache es auch so“

Handelsblatt-Interview mit Verbraucherschutzministerin Renate Künast zum 40. Geburtstag der Stiftung Warentest.

Handelsblatt: Frau Ministerin, am Samstag feiert Stiftung Warentest Geburtstag. Seit 40 Jahren verteilt sie Noten für Waren und Dienstleistungen. Welche Note würden Sie denn der Stiftung Warentest geben?

Renate Künast: „Ich würde der Stiftung Warentest nach 40 Jahren die Note ‚sehr gut’ geben, aber im unteren Bereich, damit noch Raum für Steigerung bleibt. Auch die Stiftung Warentest muss sich weiterentwickeln. Umweltgesichtspunkte wie zum Beispiel Wasser- und Energieverbrauch werden zwar seit Jahren berücksichtigt.

Hier sollte sie aber noch mehr tun. Wenn man die gesamten Kosten eines Produkts oder einer Dienstleistung sehen will, dann muss man auch beachten, welche Umweltbelastungen das mit sich bringt – etwa den CO2-Ausstoss. Gut ist, dass sie jetzt begonnen hat, sich mit Sozialstandards zu befassen. Der Weg muss jetzt konsequent weiter verfolgt werden.“

Handelsblatt: Die Stiftung Warentest fordert seit Jahren von der Bundesregierung, ihr ein Stiftungskapital zu geben, um von den Erträgen leben zu können und nicht mehr auf Subventionen angewiesen zu sein. Wann wird sie dieses Kapital bekommen?

Renate Künast: „Ohne den Bundeszuschuss von 6,5 Millionen Euro pro Jahr könnte die Stiftung Warentest sicher nicht überleben. Die Debatte über das Stiftungskapital gibt es schon lange. Aber dafür braucht man auf einen Schlag eine erhebliche Geldsumme als Stiftungskapital. Dieses Geld habe ich nicht.“

Handelsblatt: Muss die Stiftung Warentest mehr sparen?

Renate Künast: „Unsere grandiose Leistung der letzten drei Jahre ist, dass der Zuschuss nicht nur nicht gesenkt, sondern sogar erhöht wurde. Wie jede Verwaltung, jede Kommune oder jedes Bundesland muss sich auch die Stiftung Warentest bemühen, zu sparen oder andere Einnahmen zu erzielen. Die Stiftung Warentest hat hier auch schon einiges getan.“

Handelsblatt: Kaufen Sie selbst auch nach Testergebnissen der Stiftung Warentest ein?

Renate Künast: „Die Bürger wissen, dass es eine der weisesten Entscheidungen ist, vor einem Kauf oder einer Vertragsunterzeichnung bei der Stiftung Warentest nachzuschauen, ob das Angebotene wirklich seinen Preis wert ist. Ich selbst mache es auch so: Wenn ich etwa eine neue Waschmaschine brauche, kann ich die ja nicht vorher selbst testen und all das Kleingedruckte lesen. Da mache ich es mir dann ganz einfach und schaue nach, was die Stiftung Warentest dazu sagt. Auch bei Produkten wie Haarshampoo oder Sonnencreme studiere ich immer wieder die Test-Ergebnisse. Da erfährt man dann oft, dass Produkte für zehn Euro nicht unbedingt besser sind als welche für zwei Euro – im Gegenteil. Das merke ich mir dann. Und wenn ich samstags an einer Drogerie vorbeikomme, kaufe ich zwei Flaschen.“

Handelsblatt: Mit Verwaltungsrat, Kuratorium, Fachbeiräten und Vorstand wirkt die Struktur der Stiftung Warentest kompliziert und langsam. Ist sie noch zeitgemäß?

Renate Künast: „Die Stiftung Warentest muss selbst entscheiden, ob ihre Strukturen mit Kuratorium und Verwaltungsrat flexibel genug sind, oder ob sie sie ändern muss. Ich habe aber noch nicht gehört, dass die Struktur der Stiftung zu größeren Problemen geführt hätte.“

Handelsblatt: Immer wieder wird die Stiftung Warentest verklagt. Ist ihr Ruf in Gefahr?

Renate Künast: „Ich sehe nicht, dass die Stiftung Warentest ihren guten Ruf durch Rechtsstreitigkeiten wie zum Beispiel gegen Uschi Glas verlieren könnte. Aber es gibt Pannen, die einfach nicht passieren dürfen. So musste die Stiftung im Jahr 2002 eine fehlerhafte Veröffentlichung zur Riester-Rente vom Markt nehmen. Durch das professionelle Krisenmanagement der Stiftung hat sich der Schaden in Grenzen gehalten. Da hat sich die Stiftung Warentest mal selbst getestet, um die Gründe für Fehler zu finden. Die Stiftung weiß, dass sie mit ihrem sehr guten Ruf alles zu verlieren hat.“

Die Fragen stellte Christoph Neßhöver.

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