Handelsblatt-Krisentelefon
„Es gibt viele einfache Möglichkeiten“

"Raus aus der Krise" – das war das Motto der gemeinsamen Telefonaktion des Handelsblattes und des DIHK in der vergangenen Woche. Zahlreiche Experten gaben Anrufern Tipps zu den Themen Kurzarbeit, Finanzierung, Insolvenz. Hier die meist gestellten Fragen – samt Antworten.

Können wir als kleines Unternehmen mit 20 Mitarbeitern Kurzarbeit einführen?

Ja, Kurzarbeit ist auch eine Option für kleinere Betriebe. Die Voraussetzungen sind in den letzten Monaten gelockert worden. Details sollten mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur vor Ort besprochen werden. Nachdem die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden – Kurzarbeit kann nicht einseitig vom Arbeitgeber verordnet werden; der Betriebsrat ist einzubeziehen – reicht der Arbeitgeber das Formular über die Anzeige des Arbeitsausfalls bei der Arbeitsagentur ein. Dann berechnet der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld und zahlt es zunächst selbst aus. Danach beantragt er bei der Arbeitsagentur die Erstattung des Kurzarbeitergeldes.

Wir haben keinen Betriebsrat und sind tarifvertraglich nicht gebunden. Wie können wir Kurzarbeit mit unseren Arbeitnehmern vereinbaren?

Kurzfristig können Sie eine arbeitsrechtliche Grundlage für die Einführung der Kurzarbeit unter diesen Umständen nur schaffen, indem Sie mit jedem einzelnen Arbeitnehmer eine Vereinbarung über die Einführung der Kurzarbeit treffen. Das macht man am besten mittels einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag. Weigert sich ein Arbeitnehmer, bleibt dem Arbeitgeber in der Regel nur eine Änderungskündigung verbunden mit der Gefahr der arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung.

Welche Art der Qualifizierung für Kurzarbeiter wird gefördert?

Es gibt viele einfache Möglichkeiten, auch für kleinere Unternehmen. Ein Beispiel: Ein Betrieb beauftragt seine Fremdsprachenkorrespondentin, Kollegen während der Kurzarbeit Englischkurse zu geben – auch das kann förderfähig sein. Ausgeschlossen sind nur Qualifizierungen, zu denen der Arbeitgeber ohnehin verpflichtet wäre, etwa Erste-Hilfe-Kurse im Rahmen der Arbeitsschutzvorschriften. Gefördert wird zum einen dadurch, dass der Arbeitgeber die vollen Sozialabgaben auf das Kurzarbeitergeld erstattet bekommt. Zum anderen gibt es zusätzliche Qualifizierungszuschüsse, die je nach Art der Weiterbildung zwischen 25 und 80 Prozent der Kosten abdecken können. Am besten gehen Sie deswegen mit Ihren Planungen direkt auf die Arbeitsagentur zu. Hier und bei den Weiterbildungsberatern der IHK erhalten Sie auch Hinweise über regionale Angebote.

Wegen rückläufiger Aufträge und der schlechten Zahlungsmoral unserer Kunden mussten wir bereits zwei Kündigungen aussprechen. Wir brauchen dringend einen Kredit zur Überbrückung von Liquiditätsproblemen. Was können wir tun, damit es schnell geht?

Viele Unternehmen brauchen jetzt wie Sie ganz kurzfristig einen Kredit. Um Ihre Bank möglichst schnell zu überzeugen, müssen Sie Ihre eigene Planung für die Zukunft Ihres Unternehmens überzeugend darlegen. Versetzen Sie Ihre Bank in die Lage, das Risiko einschätzen zu können. Geben Sie Ihrer Bank so viele Informationen wie möglich und so schnell wie möglich.

Wie sollen wir vorgehen im Gespräch mit unserer Bank, um Förderungsmittel zu bekommen?

Sie sollten gut vorbereitet sein und öffentliche Mittel offensiv ansprechen. Solche Mittel müssen immer über die Hausbank beantragt werden. Durch die Haftungsübernahme beziehungsweise durch Bürgschaften wird Ihre Bank vom (Teil-)Risiko entlastet – vielleicht fällt es ihr dann leichter, positiv zu entscheiden. Informieren Sie sich vorab ruhig direkt bei der KfW über ihre Sonderprogramme, um im Gespräch mit ihrer Hausbank besser argumentieren zu können.

Wir müssten aufgrund unserer Geschäftslage betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Das wollen wir aber unbedingt vermeiden, um mit unseren Mitarbeitern neue Produkte zu entwickeln, und im Aufschwung wieder Angebote auf den Markt zu bringen. Aber wie?

Auch für solche Zwecke – um Gehälter in einer Übergangsphase zahlen zu können – kann das KfW-Sonderprogramm in Anspruch genommen werden. Sprechen Sie Ihre Hausbank an.

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