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Handelsblatt-Prognosebörse: Anti-Euro-Partei jagt SPD und CDU Stimmen ab

exklusivDie Euro-Gegner haben mit der „Alternative für Deutschland“ bald eine eigene Partei. Das macht sich bereits bemerkbar: Die etablierten Parteien müssen empfindliche Einbußen einstecken.

Die Alternative für Deutschland (AfD) und ihr Sprecher Bernd Lucke. Die Werte der AfD auf der Prognosebörse schwanken sehr stark. Noch immer liegen sie aber deutlich über den aktuellen Umfragewerten.
Die Alternative für Deutschland (AfD) und ihr Sprecher Bernd Lucke. Die Werte der AfD auf der Prognosebörse schwanken sehr stark. Noch immer liegen sie aber deutlich über den aktuellen Umfragewerten.

DüsseldorfDie bevorstehende Gründung der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ schadet den etablierten Parteien. Auf der Handelsblatt-Prognosebörse haben CDU,SPD und Grüne in den vergangenen Wochen Anteile verloren. Im Gegenzug legten die Sonstigen Parteien, zu denen die „Alternative für Deutschland“ gehört, deutlich zu. Am Montag kamen die Sonstigen Parteien auf neun Prozent - Anfang des Jahres lagen sie noch bei knapp über drei Prozent.

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Stärkste Partei ist die CDU mit 35,5 Prozent. Gemeinsam mit der FDP (8,4 Prozent) käme sie auf 43,9 Prozent. SPD ( 25 Prozent) und Grüne (13,7 Prozent) würden gemeinsam 38,7 Prozent auf sich vereinigen, die Linkspartei könnte mit 5,8 Prozent der Stimmen rechnen. Keine Chance auf einen Einzug in den Bundestag hätte die Piratenpartei mit 2,6 Prozent.

Infografik

Prognosebörse Wahlen

März 2013

( mit der Maus über die Grafik fahren)


Das Zwischenstand zeigt: CDU, SPD und Grüne haben Stimmen verloren. Gegenüber dem Stand zwei Wochen zuvor verschlechterte sich die CDU von 37,2 auf 35,5 Prozent. Die SPD gab von 27,8 auf 25 Prozent nach. Die Grünen büßten 0,9 Prozentpunkte ein von 14,6 auf 13 Prozent. Die Linkspartei blieb mit 5,8 Prozent konstant. Von den etablierten Parteien konnte sich lediglich die FDP von 7,5 auf 8,4 Prozent verbessern.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

  • Parteigründer

    Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

  • Nein zum Euro

    Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

  • Bundestagswahl

    Zur Bundestagswahl im September ist die neugegründete Partei erstmals angetreten.

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich noch gar nicht gegründet. Vorgesehen ist dies am 14. April auf einem Parteitag in Berlin. Durch die Debatte um die Zypern-Rettung hat die Partei, die sich für die Auflösung des Euro einsetzt, zuletzt viel Aufmerksamkeit bekommen. Parteiinitiator Bernd Lucke zog durch die deutschen Talkshows. Der Hamburger Volkswirtschaftsprofessor war Gast bei Anne Will und Maybrit Illner.

Bleibt die Frage, wie lange die Euphorie um die neue Partei anhält? Vor ziemlich genau einem Jahr lag die Piratenpartei in den Umfragen bei 9 Prozent - heute rechnet kaum einer mehr damit, dass den Einzug in den Bundestag schafft. Das Wählerklientel beider Parteien ist allerdings völlig verschieden. Während die Piraten vor allem bei jungen Wählern punkten konnten, sind die führenden Köpfe der Anti-Euro-Partei viel älter.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

  • Zukunft des Euro

    Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

  • Neue Währungen

    Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

  • Europäische Verträge

    Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

  • Austrittsrecht

    Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

  • Lasten für den Steuerzahler

    Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

  • Schuldenschnitte

    Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

  • EZB-Politik

    Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Die Prognosebörse zeigt aktuelle Veränderungen im Meinungsbild besonders schnell, weil dort ständig gehandelt wird. Auf der Plattform können Teilnehmer die Parteien bei der Bundestagswahl als virtuelle Aktien handeln. Dahinter steckt folgende Idee: In den Aktienkurs fließen die unterschiedlichen persönliche Erwartungen der Teilnehmer über das Abschneiden der Parteien ein. Am Ende des Spiels erfolgt eine Auszahlung, die dem Ergebnis der Parteien bei der Bundestagswahl entspricht. An der Prognosebörse lässt sich so täglich ablesen, wie sich politische Ereignisse auf die Erwartungen auswirken.

Weltweit gibt es Prognosemärkte zu ganz unterschiedlichen Themen: Zur Vorhersage von Grippeausbrüchen oder von Umsatzzahlen von Unternehmen. Sie alle haben letztendlich das Ziel, vorhandene Informationen optimal zu nutzen.

Die Euro-Rettung – Was bisher geschah

  • Krisenländer, Schutzschirme und Bankenhilfen

    Bereits zum zwölften Mal binnen knapp drei Jahren muss der Bundestag sich mit einer Rettungsaktion für den Euro oder für ein Krisenland befassen. Dieses Mal geht es um Milliardenhilfen für das von der Staatspleite bedrohte Zypern.

  • Erstes Hilfspaket für Griechenland

    Um einen Staatsbankrott für Griechenland abzuwenden, schnürten die europäischen Partner vor zweieinhalb Jahren ein erstes Hilfspaket von 110 Milliarden Euro. Am 7. Mai 2010 stimmte der Bundestag zu. Damit erklärte sich Deutschland bereit, dem hochverschuldeten Land Notkredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro zu gewähren.

  • Euro-Rettungsschirm

    Nur wenige Tage nach der Griechenland-Entscheidung musste nachgelegt werden - der Schutzschirm für die gesamte Euro-Zone mit einem Gesamtvolumen von bis zu 750 Milliarden Euro wurde aufgespannt. Geschaffen wurde dafür auch der neue EFSF-Fonds mit einem möglichen Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro. Am 21. Mai 2010 votierte der Bundestag für das Gesetz.

  • Finanzhilfen für Irland

    Irland war Ende 2010 das zweite Euro-Land, das internationale Finanzhilfen in Anspruch nehmen musste. Vereinbart wurde ein Rettungspaket von 85 Milliarden Euro, diese konnten erstmals dem neu geschaffenen Rettungsfonds entnommen werden. Der Bundestag gab am 2. Dezember 2010 grünes Licht.

  • Finanzhilfen für Portugal

    Im Frühjahr 2011 beantragte Portugal Finanzhilfen. Geschmiedet wurde ein Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) von 78 Milliarden Euro. Der Bundestag billigte am 12. Mai 2011 die Hilfen.

  • Ausweitung des EFSF-Rettungsfonds

    Im Verlauf der Krise stellte sich heraus, dass bei dem EFSF-Fonds zwischen Kreditvolumen auf dem Papier und tatsächlicher Ausleihsumme eine Lücke klafft. Um diese zu schließen, wurde der Garantierahmen erhöht. Zudem wurde der EFSF-Fonds mit neuen Befugnissen ausgestattet. Der Bundestag stimmte am 29. September 2011 zu.

  • Zweites Hilfspaket für Griechenland

    Wegen der desolaten Lage in Griechenland waren die ursprünglichen Hilfsmaßnahmen für den Mittelmeerstaat schnell überholt. Die Euro-Finanzminister schnürten daher im Februar 2012 ein neues Paket in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Der Bundestag stimmte dem am 27. Februar 2012 zu.

  • ESM und Fiskalpakt

    Binnen weniger Stunden stimmten Bundestag und Bundesrat am 30. Juni gleich zwei Instrumenten zur Bewältigung der Krise zu. Mit dem Fiskalpakt verpflichten sich die europäischen Unterzeichnerstaaten zu mehr Haushaltsdisziplin. Der auf Dauer angelegte Rettungsmechanismus ESM soll den bisherigen Rettungsschirm EFSF ablösen.

  • Hilfe für Spaniens Banken

    Der Bundestag stimmt am 19. Juli - mitten in der Sommerpause - über die Hilfsgelder für Spanien ab, die den angeschlagenen Banken des Landes zugute kommen sollen. Das Programm sieht bis zu 100 Milliarden Euro vor. Spanien will aber zunächst weit weniger in Anspruch nehmen.

  • Änderungen am Hilfsprogramm für Griechenland

    Als sich abzeichnete, dass Griechenland den vereinbarten Sanierungsfahrplan nicht einhalten kann, einigten sich die internationalen Geldgeber aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU in mühsamen Verhandlungen darauf, Athen zwei Jahre mehr Zeit zu geben. Der entsprechenden Änderung des Hilfspakets vom Februar stimmte der Bundestag am 30. November zu.

  • Milliardenhilfen für Zypern

    Nach rund neunmonatigen Verhandlungen einigten sich die Euro-Länder auf ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für das von der Staatspleite bedrohte Zypern. Erstmals sollen sich durch eine Sonderabgabe auch Kunden beteiligen, die Geld bei zyprischen Banken deponiert haben - dies sorgt in Zypern allerdings für massive Verärgerung. Der Bundestag könnte noch in dieser Woche entscheiden, ob die Troika ein Mandat zum Aushandeln der Details des Hilfspakets erhalten soll. Eine Entscheidung über die Hilfen ist für Mitte April angepeilt.

Die Teilnahme an der Handelsblatt-Prognosebörse ist kostenlos, erfordert allerdings eine Registrierung, damit Ihre Handelsaktionen Ihrem Konto zugeordnet werden können. Sie können erst handeln, wenn Sie eingeloggt sind. Die Gewinner bekommen attraktive Preise.

Hier kommen Sie zur Prognosebörse.

  • 03.04.2013, 19:15 Uhrcarter17

    @Heidi
    Bitte mal Gründe angeben, wieso diese Partei verblödet sein soll. Es ist doch jetzt nachgewiesen, dass die alten Parteien uns seit Jahren nur verarschen auf gut deutsch. Was sollen die noch schlimmer machen ? Vor allem bieten die nicht nur Ziele und Forderungen.
    Der Euro Ausstieg ist nicht nur ein Ziel, es wird auch erklärt, wie das ablaufen wird.
    Von den anderen Parteien bekomme ich nicht erklärt, wie der Euro "gerettet" wird. Das ganze Ausmaß dieser Verpflichtungen aus diesen Rettungsschirmen wird ja gar nicht transparent erklärt.
    So eine Meinung zeugt nur davon, dass Du Dich mit dem Thema nicht beschäftigt hast und einfach nicht loslassen kannst von den alten Parteien und denen immer noch alles nach der 20ten Lüge glaubst."Es wird jedem besser gehen".
    Was haben die alten Parteien in den letzten 20 Jahren erreicht ? Die Wiedervereinigung ?? nein, die haben die damaligen Bürger der DDR erreicht.
    Nenn mir doch mal Gründe, wieso ich diese Lügner aus CDU/SPD/Grüne und FDP wählen sollte. Ich hab genug von der Verarsche.

  • 02.04.2013, 02:06 UhrKeineausrede

    Endlich eine Partei bei denen vernünftige Köpfe vorhanden sind. Wer die bisherigen Talkshows verfolgte kann nur eine Partei wählen, die AFD.

  • 01.04.2013, 23:04 UhrHeidi

    Du bist auch noch so bescheuert und unterstützt und wählst diese verblödete Partei. Sowas wähle ich nie, dann lieber ungültig.

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