Handelsblatt Report
Edmund Stoiber: Der ewige Beinahe-Kanzler

Mit rastloser Disziplin drängt es Edmund Stoiber nach Berlin. Auch wenn er niemals Bundeskanzler werden kann.

BERLIN. Nun sitzt er hier an diesem Montag in Berlin und darf nicht anders. Muss lächeln. Muss nicken. Muss Ja sagen. Muss mitmachen. Weil sie es so will. Sie redet über die Operation Gesundheitsreform. Verkündet den Kompromiss.

Gewiss, gestern Nacht hat er klein beigegeben. Ja doch, wieder einmal. Die Einheitsprämie kommt und auch steuerfinanziert. Natürlich wollte er das nicht. Aber was machen? Den eigenen Parteitag jetzt am Wochenende versauen? Und die Nachbarin, die Merkel dann mittendrin? Womöglich ausgepfiffen wie er bei der CDU in Leipzig? Nein, Lächeln, nicken, Ja sagen.

Dabei ist das Böse doch längst da: Der große Verbündete, die Öffentlichkeit, ist abtrünnig: Eine bürgerliche Koalition fände auf Bundesebene jetzt keine Mehrheit mehr. Die Wirtschaftsführer lassen die Union im Stich. Schröder hat angeblich mehr drauf! Die Umfragen sind eindeutig. Jetzt heißt es: Kopf an Kopf mit den abgewirtschafteten Roten und Grünen. Wie vor der letzten Bundestagswahl. Ergebnis? Bekannt. Zwei Jahre vor der nächsten großen Wahl dieses Omen. Ein Debakel. Keiner hat das so recht erwartet.

Nur einer hat das immer schon gewusst. Zumindest: geahnt. Einer war schon lange auf der Hut. Einer, dessen Kassandrarufe im Sommerloch verhallten. Alles ist ohne Echo in den Steilwänden der Dolomiten hängen geblieben, dort, wo Angela Merkel urlaubte. Dabei ist es doch längst, das sehen jetzt alle an diesem Montag hier in diesem Saal der Bundespressekonferenz: fünf vor zwölf!

Für Edmund Stoiber ist es immer fünf vor zwölf. Schon seit einem Vierteljahrhundert ist er ein Panik-Prediger. Seitdem er Politik treibt – und diese ihn. Seitdem er Ministerpräsident ist – seit elf Jahren. Seitdem er CSU-Chef ist – seit fast sechs Jahren. Und seitdem er sich wegen der Kopfprämie mit der CDU herumschlagen muss. Kein Wunder, dass der frühere Gebirgsjäger so gejagt, so gehetzt wirkt. Tatsächlich hat Edmund Stoiber, Chef der Nachfolgeorganisation der Blüm- und Geißler-CDU, Grund zur Unruhe.

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