Handelsblatt Report
Häuserkampf gegen Oskar

In Saarbrücken tritt die SPD-Abgeordnete Elke Ferner gegen ein Phantom an.

SAARBRÜCKEN. Eine Straßenszene im September 2005. "Dass er es wagt, hätte ich nie erwartet", sagt die Frau im schwarzen Kleid. "Ich schon", sagt die Frau mit den tizianroten Haaren. Die Frau im Kleid heißt Christa Piper, Bezirksbürgermeisterin in Saarbrücken. Auch wegen Oskar Lafontaine ist sie in die SPD, sie hat daher jetzt mehr als ein Problem. Die Frau mit den roten Haaren heißt Elke Ferner, ist SPD-Bundestagsabgeordnete. Redet sie von "Oskar", wird ihr Lächeln so bitter, dass einem angst und bange werden könnte um die Saar-SPD.

Nachsommer in Saarbrücken, das Café ZAM, eine der vielen Stadtteilinitiativen der Landeshauptstadt, feiert Straßenfest: Italienisches Buffet mit Italo-Pop. Aber den beiden Frauen auf Wahlkampftour ist gar nicht nach Feiern zu Mute. Es ist nämlich vorstellbar, dass ausgerechnet Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine den Sozialdemokraten einen ihrer Traditionswahlkreise raubt.

Für Elke Ferner, mag sie auch nicht davon reden, wäre das eine schmachvolle Niederlage. Sie bekämpft im Wahlkreis 296 einen Mann, für den sie jahrelang durch dick und dünn ging - fast immer zu ihren eigenen Lasten. Und nun droht sie auch noch seinem Phantom zu unterliegen.

Die 47 Jahre alte Programmiererin aus Saarbrücken hat trotz Oskar Lafontaine viel erreicht, daheim und in der Hauptstadt. Sie war eine der jüngsten Bundestagsabgeordneten aus dem Saarland und brachte es vorübergehend sogar zur Staatssekretärin. Dann schien ihre Laufbahn jäh zu Ende zu sein. Seit 2002 ist sie wieder im Bundestag, in der zweiten Reihe. All das hat auf tragische Weise immer mit Oskar Lafontaine zu tun.

Eigentlich hat sie eine Bilderbuchkarriere gemacht, die Frau mit den roten Haaren. Sie kommt aus einer Saarbrücker Arbeiterfamilie, ihr Vater wollte sie nicht aufs Gymnasium lassen: "Die heiratet sowieso." Ferner biss sich trotzdem durch, im Gymnasium, in der Lehre und der Partei. 1983 trat sie in die SPD ein - wegen Atomkraft und Frauenbewegung.

Wer sich nun wundert, dass Ferner nicht zu den Grünen ist, kennt das Saarland nicht. Hier sind die Grünen nie heimisch geworden.

1990 will Elke Ferner kandidieren, da kommt ihr Lafontaine zum ersten Mal in die Quere. Er, Ministerpräsident und Kanzlerkandidat, ist an der Saar populär wie nie. Der "Sonnenkönig" beansprucht den Wahlkreis für sich. Ferner bekommt dafür einen Platz auf der Landesliste und zieht in den Bundestag ein.

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