Handelsblatt-Reportage
Lafontaine - der gefürchtete Freund

Der Hartz-IV-Kanzler wird keinen einzigen Wahlkampfauftritt im Saarland haben. Aber er ist dann doch noch dabei. „Schröder“ steht in roten schrägen Lettern an einer Hauswand auf dem Platz „Kleiner Markt“ von Saarlouis.

SAARBRÜCKEN. So heißt die Metzgerei in der Fußgängerzone, die nur ein paar Meter neben der SPD-Wahlkampfbühne liegt. Auf der mühen sich der aus Berlin herangeeilte Parteichef Franz Müntefering und der Spitzenkandidat der Saar-SPD, Heiko Maas, um rund hundert Saarländer.

Ein anderer ist auch immer dabei, obwohl er nicht auf der Bühne steht und sein Name an keiner Hauswand zu lesen ist: Oskar Lafontaine. Sein Name scheint unauslöschlich in den Köpfen der aldibeutelbepackten und Döner kauenden Zuhörer zu sitzen: Oskar Lafontaine. Er ist genauso wie der linke Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner im Kreisverband Saarlouis zu Hause. Und deshalb will SPD-Spitzenkandidat Maas diese Gedanken gleich zu Beginn ins Jenseits verdrängen: „Man hat den Eindruck, es würde über alles geredet, nur nicht über die Landtagswahlen“, klagt er – mehr ist von ihm auch nicht mehr zu diesem Thema zu hören.

Vielleicht ist das, so meinen nicht nur seine politischen Gegner, einer seiner größten Fehler. Schwer sitzt der üble Schlag, den Oskar den Saar-Genossen versetzt hat, als er den Kanzler per Interview zum Rücktritt aufgefordert und mit der Gründung einer neuen Linkspartei gespielt hat.

Man muss sagen: wieder versetzt hat. Bereits 1999 zerstörte Oskar Lafontaines Rücktritt als SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister die Macht der Sozialdemokraten an der Saar, die Landtagswahl ging völlig überraschend verloren: Ministerpräsident wurde mit ein paar Tausend Stimmen Vorsprung Peter Müller von der CDU. Fünf Jahre später steht Heiko Maas vor einem Fiasko.

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