Handelsblatt-Tagung
Steinbrück nimmt Banken ins Gebet

Der mögliche SPD-Kanzlerkandidat gibt den Finanzinstituten fünf Punkte mit auf den Weg, um Vertrauen zurückzugewinnen. Und: Peer Steinbrück spricht sich für ein „deutsches“ Trennbankensystem aus.
  • 16

FrankfurtDer potenzielle SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die Bankenbranche in Deutschland eindringlich zu einer neuen Bankenkultur ermahnt. Der ehemalige Bundesfinanzminister schlug Bankenvertretern bei der Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“ fünf Handlungsansätze vor, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Die Banken müssten ihre Geschäftspolitik langfristig und nachhaltig ausrichten, sagte Steinbrück. Sie müssten „mehr denn je auf ihre Kunden achten und weniger auf ihre Shareholder“. Die Finanzinstitute sollten Haftung und Risiko wieder zusammenführen sowie die Selbstkontrolle stärken. Außerdem gab der SPD-Politiker der Branche mit auf den Weg: „Akzeptieren Sie, dass die Finanzmärkte einer stärkeren Regulierung und Aufsicht unterworfen werden.“

Wie auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, einer seiner Vorredner auf der Handelsblatt-Bankentagung, unterstützte Steinbrück eine europäische Bankenunion. Die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Aufsicht von Banken des Euroraums durch die Europäische Zentralbank (EZB) solle sich aber nur auf systemrelevante Institute beschränken.

Die Kommissions-Pläne sehen bisher die Kontrolle von allen rund 6000 Banken im Euroraum vor – am besten schon zum 1. Januar 2013. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken habe eine Kontrolle durch die EZB nichts zu suchen, so Steinbrück. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon, am Dienstagmorgen selbst Redner auf der Tagung, dürfte das gefreut haben.

Steinbrück zeigte sich offen für eine Aufspaltung der Universalbanken in Geschäfts- und Investmentbanken. „Ein bin ein Anhänger des Trennbankensystems“, sagte er. Steinbrück schlug dabei die Auftrennung unter einer Holding-Konstruktion vor. Zwei selbstständige Tochterunternehmen wären dabei unter einer Holding organisiert – eine Art „deutsches Trennbankensystem“. Der Spitzenpolitiker nahm damit eine Diskussion wieder auf, die vor Wochen auch sein Parteikollege, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, vorangetrieben hatte.

Die Banken müssten sich mit ihrer Fremdwahrnehmung beschäftigen. Durch das Argument „to big too fail“ hätten die Menschen „den Eindruck, dass ein erhebliches Erpressungspotenzial“ seitens der Institute bestehe, so Steinbrück. Die Wahrnehmung sei, dass die Bankenbranche mit Steuergeldern stabilisiert worden sein und sich nun mit den Staatsgarantien erhebliche Zinsvorteile verschaffe.

@hb_vorort vom Branchentreff „Banken im Umbruch“

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Handelsblatt-Tagung: Steinbrück nimmt Banken ins Gebet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Wolf im Schafspelz, wir werden doch von all unseren Politikern verraten und verkauft, wir sind der "Bürger".
    Für alle die gestern kein Arte gesehen haben.

    http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html

  • Nach dem Cash sollte er sich ein letztes Gebet überlegen.
    Er wußte ab 2003 Bescheid.


    Einstmals sagte ein römischer Senator:
    Laßt uns den Sklaven ein Band um den Arm binden, damit sie jeder sofort erkenne. Da sagte ein Anderer. Lieber nicht. Dann sehen sie sofort, wie viele sie sind.

    Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

  • Komische Redaktion

    Die E-Paper gibt, derMarkt ist gesättigt, aber das Online-Formatwirdt nichverändert.

    Wo sind hier die trolls? Und die Smooth-Schreiber?

    In Presse und Media geht in Zukunft nichts ohne Konkrses

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%