
FRANKFURT. Eine Frauenquote? Dieser Idee erteilt die breite Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland eine klare Abfuhr. In einer Blitzumfrage hat das Marktforschungsunternehmen Psephos im Auftrag des Handelsblatts mehr als 500 Topmanager zu dem Streitthema interviewt - und eindeutige Antworten bekommen. Mit 57 Prozent sind mehr als die Hälfte der Spitzenmanager "grundsätzlich gegen jede Art von Frauenquote".
Wenn überhaupt, dann akzeptierten sie den Vorschlag der Bundesfamilienministerin: 39 Prozent finden die Idee von Kristina Schröder (CDU), wenn bis 2013 eine 30-Prozent-Quote nicht erreicht sei, die Unternehmen zu eigenen Quotenzielen zu verpflichten, "besser" als die ihrer Parteikollegin Ursula von der Leyen. Die Bundesarbeitsministerin hatte für einen Mindestanteil von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Firmen geworben - war dann aber von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurückgepfiffen worden. Vor allem die Befragten unter 40 Jahren, deren Karriere von der Einführung einer Quote stärker betroffen wäre als die ihrer älteren Kollegen, sprechen sich zu zwei Dritteln gegen jegliche Quotenart aus.
So weit die Meinung der gesamten Wirtschaftselite - und die ist männlich dominiert. Im Handelsblatt Business-Monitor als repräsentatives Abbild der ersten Führungsebene deutscher Unternehmen ab hundert Beschäftigten sind Frauen mit einem Anteil von rund vier Prozent vertreten. Diese Frauen haben es bereits geschafft - auch ohne Quote, sind aber mehrheitlich dafür: 24 Prozent der weiblichen Führungskräfte sprechen sich für von der Leyens Idee aus, 45 Prozent plädieren für Schröders Konzept.
Dabei sind die Damen keineswegs der Ansicht, eine Quote allein würde den Weg nach oben schon bahnen. Einen wesentlichen Grund dafür, dass so wenige Geschlechtsgenossinnen Führungspositionen innehaben, sehen mehr als die Hälfte der Spitzenmanagerinnen in dem "fehlenden oder mangelnden Willen von Frauen zum Aufstieg". Das unterstellt dagegen nur ein Fünftel der männlichen Kollegen. Der wichtigste Grund - darin sind sich weibliche und männliche Manager einig - sind die ungünstigen Rahmenbedingungen. Insgesamt meinen knapp 70 Prozent, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen sei ein so großes Problem, dass es Frauen den Weg an die Spitze verbaue.
Unabhängig von der öffentlichen Diskussion hat sich ein kleiner Teil der Firmen intern selbst eine "nicht öffentliche Quote" gesetzt oder zumindest Pläne (16 Prozent). Vor allem den Großunternehmen ist der Handlungsbedarf bewusst: Dort haben 40 Prozent intern das Ziel, Frauen an der Spitze zu fördern. Bereits bekannt sind die Vorgaben, die sich Daimler und Bosch gesetzt haben: Der Autobauer will bis 2020 ein Fünftel der Führungspositionen mit Frauen besetzen, der Zulieferer plant, bis Ende 2012 den Anteil von knapp zehn auf 15 Prozent hochzufahren.