Handelsblatt-Umfrage
Klare Mehrheit fordert harten Kurs gegenüber Athen

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen lehnt ein Entgegenkommen der Euro-Zone gegenüber Griechenland ab. Selbst dann, wenn die Reformen vorankommen. An eine Rettung des Krisenlandes glauben nur noch wenige.
  • 11

DüsseldorfDie Deutschen erwarten von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen harten Kurs gegenüber Griechenland. Mehr als 85 Prozent der Befragten bestärken die Bundesregierung, die Reform- und Sparauflagen für Athen nicht zu lockern. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts „mafo.de“ im Auftrag von Handelsblatt Online

Auch wenn die Troika aus EU, EZB und IWF Fortschritte bei den Reformen feststellen sollte, spricht sich eine Mehrheit dafür aus, an den festgelegten Sparauflagen und Reformplänen für das schuldengeplagte Land festzuhalten. Nur über Zeitplan für die umfassenden Reformen könnte nach Ansicht der Befragten erneut verhandelt werden – zumindest wenn Fortschritte zu erkennen sind.

Der Bundesfinanzminister bekommt zum aktuellen Stand der Reformen in der nächsten Woche Informationen aus erster Hand. Schäuble trifft sich am Dienstag in Berlin mit dem griechischen Finanzminister in Berlin. Dabei will Yannis Stournaras seinen Amtskollegen über die Fortschritte der griechischen Regierung unterrichten.

Um Schäuble nicht bereits im Vorfeld zu verärgern, müssten sich die Regierungsparteien in Athen bis Dienstag auf das nächste Sparpaket einigen. Für die Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro gibt es noch keine gemeinsame Basis.

Für Regierungschef Samaras ist dieses Sparpaket das letzte und wichtigste. Ohne diese Einsparungen müsse das Land die Euro-Zone verlassen, sagte Samaras zu seinen Kabinettskollegen. Und die Zeit drängt: Nicht nur Schäuble erwartet nächste Woche Klartext der griechischen Führung, auch die Troika hat sich in Athen angekündigt. Die internationalen Experten wollen dann den kompletten Maßnahmenkatalog mit der Regierung diskutieren.

Von einem langfristigen Erfolg der Reformen und Hilfsmaßnahmen für Griechenland geht indes nur eine kleiner Teil der deutschen Bevölkerung. Rund 52 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Griechenland nicht mehr zu retten ist und bald aus der Eurozone austreten muss.

Diese Stimmung will auch Vizekanzler Philipp Rösler aufnehmen und hat seine Ansicht bekräftigt, dass ein Austritt Griechenlands seinen Schrecken verloren habe. „Ich habe keinen Grund, diese Aussage zu relativieren oder gar zurückzunehmen. Im Gegenteil: Es bleibt dabei, denn mittlerweile haben wir mit EFSF, ESM und Fiskalpakt umfangreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zum Schutz der Eurozone beitragen“, sagte der FDP-Chef zu „Zeit online“. Aufgrund dieser Schutzmechanismen schätze er die von manchen befürchteten Folgewirkungen eines griechischen Ausscheidens aus der Eurozone anders ein.

Mit Material von dapd

Kommentare zu " Handelsblatt-Umfrage: Klare Mehrheit fordert harten Kurs gegenüber Athen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Statt zügig und sofort die für die Hilfskredite vereinbarten unpopulären Einsparungen , Modernisierung/ Verschlankung der öffentlichen Verwaltung, Einführung moderner Steuergesetze usw, umzusetzen, ist dieser Samaras in den wichtigsten europäischen Ländern auf Betteltour gegangen, um seine dummen Märchen glaubhaft an den Mann zu bringen.
    Ach ja, er versprach auch ganz großmäulig , dass auch Deutschland jeden Cent zurück bekäme. Wie denn, woher denn ? Die Mentalität der Griechen war die Jahrzehnte vor dem Euro und auch nach 2000 so wirtschaftsfeindlich, dass dort auch weiterhin, egal ob mit Euro oder wieder mit Drachme, kaum ein Unternehmen aus dem Ausland industrielle Produktionstätten errichten wird.
    Das ist aber die Voraussetzung für die Verbreiterung des privatwirtschaftlichen Sektors, der prozentualen Verringerung des öffentlichen Sektors und damit letztendlich dem Beibehalt des Euros mit allen seinen Vorteilen. Ganz im Gegenteil sollen jetzt mit EU-Geldern noch weiter neue Autobahnen und ähnliches gebaut werden . Wozu ? Damit Samaras und seine Märchenerzähler mit den wenigen Millionären bequem von einem Landesteil zum anderen fahren können ?

  • Dieser Samaras hält den Rest der Welt für Vollidioten, er sagt , Griechenland braucht 2 Jahre mehr Zeit um die Staatsausgaben auf das vereinbarte Ziel zu reduzieren, also z.B. die Entlassung von 150000 öffentlich Bediensteten um 1-2 Jahre zu verschieben. Gleichzeitig nimmt er sein Maul so voll und sagt, dass Griechenland nicht mehr als die vereinbarten Kredithilfen brauche.
    Wenn man 150000 Angestellte zusaätzlich 1-2 Jahre bezahlen will braucht man zwangsläufig mehr Geld. Für wie blöd hält er die Welt ????
    Nein, mit Griechenland muß ein Exempel nun exerziert werden. Da die wesentlichen Punkte des vereinbarten Vertrages mit EU und IWF nicht erfüllt wurden , gibt es bis auf weiteres keine weitere Auszahlung aus dem Kredithilfspaket. Daraufhin muß Griechenland die Drachme als zweite Binnenwährung einführen , denn diese kann sie mit Ihrer Notenbank beliebig drucken um seine Staatsbediensteten weiter munter zu beschäftigen und mit 14 Monatsgehältern usw zu bezahlen.
    Ich frage mich auch , wieso weiter in Griechenland für Zinseinkünfte nur 10 % Einkommensteuer zu zahlen ist und der Jahres-Einkommensteuerfreibetrag pro Person weiter bei 11.000 Euro liegt. Wenn die Einkommen sinken muß auch der Freibetrag herhabgesetzt werden. Ich gehe davon aus, das nur noch eine kleine Minderheit momentan über 11.000 E/J zu versteuerndes Einkommen hat und somit da Aufkommen an Einkommensteuern in Griechenland weit überproportional gesunken ist.
    Dieser Freibetrag müßte auf 6000,-E/Jahr herabgesetzt werden. Das gilt auch für die überschuldeten Staaten Portugal, Irland, Spanien, Italien. Das klingt nicht schön , aber die Wahrheit ist meistens nicht angenehm und populär.

  • 'Zeitzeuge' sagt
    ----------------
    Ein paar Frage und Beobachtungen:

    Was hat der Samaras eigentlich wirklich in Berlin und Paris gewollt?

    Plötzlich scheint den Greichen all das ganz leicht von der Hand zu gehen, wofür die vor wenigen Tagen noch alle Deutschen als Nazis beschimpft haben.
    ----------------

    Das, was den Griechen "ganz leicht von der Hand" geht, sind Versprechungen für nächstes Jahr.

    Genauso, wie Ihnen letztes Jahr Versprechungen für dieses Jahr "ganz leicht von der Hand" gegangen sind.

    Was ihnen nicht leicht von der Hand geht, ist DIESES JAHR mehr als 20% oder so der erst im März für DIESES JAHR gemachten Versprechungen einzuhalten.

    Genauso wie es ihnen letztes Jahr nicht leicht von der Hand gegabgen ist, die Versprechungen vom vorletzten Jahr einzuhalten.

    Und weil deshalb der Oberkleptokrat Samaras DIESES JAHR mehr Kohle braucht als erst im März vereinbart wurde, ist er dazu bereit für NÄCHSTES JAHR das blaue vom Himmel herunterzuversprechen.

    ...

    Während von dem Stellenabbau im öffentlichen Dienst, der schon seit zwei Jahren versprochen wird, immer noch nicht viel zu sehen ist.

    Die Ausgaben für die Spezis von Samaras und Papandreou im "Staatsdienst" sind zwar zwischen 2009 und 2001 von 31 Milliarden auf 26 Milliarden zurückgegangen. Allerdings lagen sie 2001 nur bei 15 Milliarden. Sie haben sich also in acht Jahren verdoppelt, um dann in den letzten zwei Jahren um 16% zurückzugehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%