Handelsblatt-Umfrage
Manager drängen Merkel zu Schuldenabbau

Deutschlands Manager sind zufrieden mit der Großen Koalition. Obwohl sich viele Führungskräfte in einer exklusiven Handelsblatt-Umfrage für eine schwarz-gelbe Koalition aussprechen, stellen sie dem Kabinett gute Noten aus. Von der künftigen Regierung erwarten die Manager aber, dass sie die ausufernden Staatsfinanzen in den Griff bekommt.

FRANKFURT. Geht es nach den Führungskräften der deutschen Wirtschaft, steht die wirtschaftspolitische Agenda der neuen Bundesregierung bereits fest: Die Sanierung des Staatshaushalts nennen drei Viertel aller Spitzenmanager als oberstes Ziel der Politik. Das ist das wichtigste Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors. Das Marktforschungsunternehmen Psephos hat dazu exklusiv für diese Zeitung und die Unternehmensberatung Droege & Comp. in den vergangenen Wochen mehr als 800 Führungskräfte bundesweit befragt.

Der Zustand der Staatsfinanzen dürfte den Kurs der künftigen Bundesregierung stärker beeinflussen als jedes Wahlprogramm. Wer diese Aufgabe lösen muss, ist gut eine Woche vor der Bundestagswahl noch völlig offen. Union und FDP verfügen in den Wahlumfragen der meisten Institute zwar weiter über eine knappe Mehrheit. Der Vorsprung von Schwarz-Gelb ist jedoch in den vergangenen Wochen gesunken und eine Große Koalition immer wahrscheinlicher geworden. Allerdings brauchen Union und FDP nicht unbedingt 50 Prozent der Stimmen. Es wird vielmehr damit gerechnet, dass die Überhangmandate ihnen auch bei einem Ergebnis von rund 48 Prozent noch zu einer Mehrheit der Bundestagssitze verhelfen könnten.

Im Endspurt des Bundestagswahlkampfs machten die großen Parteien weniger mit Angriffen gegeneinander als vielmehr mit Streitigkeiten im eigenen Lager auf sich aufmerksam. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte etwa den Vorschlag von CSU-Chef Horst Seehofer für ein gemeinsames Sofortprogramm zur Wirtschaftspolitik verworfen. Das will die CSU am Sonntag nun im Alleingang beschließen.

Unter den Sozialdemokraten war ein Zwist entbrannt über eine Aussage ihres Parteivize Peer Steinbrück, mit der er Sympathien für eine Fortsetzung der Großen Koalition offen bekundet hatte. Es gebe "mehr denn je" Gemeinsamkeiten bei der Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise. 2005 war der sicher geglaubte Vorsprung für Union und Liberale in den letzten Tagen vor der Wahl geschmolzen. Kritiker des präsidialen Wahlkampfstils der Kanzlerin befürchten nun eine ähnliche Entwicklung wie vor vier Jahren.

"Die Union blendet Inhalte in diesem Wahlkampf nahezu vollständig aus", moniert der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Das berge die Gefahr, dass andere Parteien Themen setzen und damit punkten.

Aus Sicht der für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Führungskräfte sind die relevanten Themen eindeutig definiert: Neben der Sanierung des Staatshaushalts (76 Prozent) zählen sie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (57 Prozent) und die Vereinfachung des Steuersystems (51 Prozent) zu den Hauptaufgaben der neuen Regierung.

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