Handelsblatt-Umfrage
SPD-Wähler zieht es zu Linken und Grünen

Drei Wochen vor der Bundestagswahl sind immer noch rund 45 Prozent der Wahlberechtigen unschlüssig, welcher Partei sie ihre Stimme geben werden. Die Sozialdemokraten haben es am schwersten in einem mobiler gewordenen Fünf-Parteien-System, zeigt eine bundesweite Studie im Auftrag des Handelsblatts.

BERLIN. Die Bundestagswahl in knapp drei Wochen bleibt spannend bis zur letzten Minute. Die große Mobilität der Wähler zwischen den einzelnen Parteien und die mit rund 45 Prozent immer noch sehr hohe Zahl der Unentschlossenen deuten darauf hin, dass der zuletzt erkennbare Trend Richtung eines knappen schwarz-gelben Vorsprungs auf wackeligen Füßen steht. "Die Messe ist noch lange nicht gesungen, und es ist bis zur Wahl noch eine Menge Spannung drin", sagt Holger Liljeberg, Geschäftsführer des unabhängigen Berliner Meinungsforschungsinstituts Info GmbH. Nach einer bundesweiten Umfrage unter 1527 Wahlberechtigten im Auftrag des Handelsblatts macht auch die hohe Wählerwanderung eine Prognose für den 27. September extrem schwer.

Zwar kann sich die Union gemeinsam mit den Linken über die größte Treue der Wähler freuen. 72,5 Prozent der Bürger, die bei der Bundestagswahl 2005 für CDU/CSU gestimmt haben, wollen das auch jetzt wieder tun. Allerdings fällt der aktuelle Umfragezuspruch von 35 Prozent für die Union trotz Kanzlerinnenbonus doch vergleichsweise gering aus. Knapp zehn Prozent der Unionswähler sind zudem inzwischen zur FDP gewechselt. Umgekehrt sind auch die FDP-Wähler nicht konstant in der Auswahl ihrer bevorzugten Partei. Jeder fünfte Bürger, der 2005 sein Kreuz bei den Liberalen gemacht hat, will am 27. September die Union wählen. Das bedeutet, dass es innerhalb des bürgerlichen Lagers zwar einen regen Austausch gibt, aber weder Union noch FDP, die in der Sonntagsfrage bei 14 Prozent liegt, können daraus eine sichere Mehrheit bilden.

Es gelingt CDU/CSU und den Liberalen nicht, nennenswert Wählerschichten von anderen Parteien zu sich herüberzuziehen. Nur 1,6 Prozent der jetzigen CDU-Wähler beispielsweise kommen von der SPD. Mehr als doppelt so viele Stimmen kann CDU-Chefin Angela Merkel dagegen von den Grünen zu sich herüberholen.

Das bedeutet, dass Merkel ihr politisches Potenzial auf der linken Flanke ausgeschöpft hat. Aus diesem Grunde vermeidet es die Kanzlerin nach Kräften, "klare Kante zu zeigen" und sozialpolitisch heikle Themen wie Kündigungsschutz auf die Tagesordnung zu setzen. Dies schadete ihr am linken Rand der Union an der Schnittstelle zur SPD und verringerte ihren Zuspruch in diesem Segment. Umgekehrt kann Merkel kaum hoffen, dass ihr eine stärkere wirtschaftsfreundliche Positionierung nutzt. Die Gefahr ist jedenfalls groß, dass die Union durch solche Akzentsetzungen mehr verlieren als gewinnen würde.

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