Handelsblatt-Umfrage
SPD-Wähler zweifeln an Steinmeier

Gut drei Wochen vor der Bundestagswahl fällt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier beim direkten Vergleich der politischen Kompetenzen weit hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Selbst auf seinem ureigensten Kompetenzfeld, der Außenpolitik, trauen die Wähler dem Außenminister weniger zu als der Regierungs- und CDU-Chefin. Und die Umfrage offenbart weitere krasse Ergebnisse.

BERLIN. Besonders schmerzlich für den Herausforderer: Selbst die SPD-Wähler zweifeln an Steinmeiers Fähigkeiten und sprechen der Kanzlerin im direkten Vergleich hohe, teilweise sogar höhere Kompetenzwerte zu als dem Außenminister.

Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des unabhängigen Berliner Meinungsforschungsinstituts Info GmbH unter 1 527 Befragten im Auftrag des Handelsblatts. So halten 69 Prozent der SPD-Wähler Merkel für politisch durchsetzungsfähiger als Steinmeier. Auch sind 64 Prozent der sozialdemokratischen Wähler der Ansicht, dass die Kanzlerin eine gute Außenpolitik betreibt.

Egal ob bei den Themen Familie, Sozialpolitik, Bildung, Bürgerrechte oder den politischen Schlüsselbereichen Arbeitsplätze und Krisenbewältigung - überall liegt die Bundeskanzlerin bei den Kompetenzwerten vor ihrem Herausforderer, teilweise mit weitem Abstand. "Angela Merkel wird auf allen Politikfeldern besser beurteilt", fasst der Geschäftsführer der Info GmbH, Holger Liljeberg, das Ergebnis zusammen. "Die Deutschen trauen ihr deutlich mehr zu."

Würde der deutsche Regierungschef direkt gewählt, erhielte Merkel 49 Prozent der Stimmen, während nur 18 Prozent auf Steinmeier entfielen; 30 Prozent sprechen sich für keinen der beiden aus. Auch die SPD-Wähler sind nicht restlos von ihrem Spitzenmann überzeugt. Zwar sagen 62 Prozent, er sei der richtige Kandidat. Allerdings meinen 29 Prozent der SPD-Wähler, Steinmeier sei der falsche Mann für die Aufgabe. Neun Prozent der befragten Sozialdemokraten haben keine Meinung, und ein Prozent kennt ihn überhaupt nicht.

Allerdings strahlt die im Vergleich zu Steinmeier hohe Beliebtheit der Kanzlerin nicht in gleicher Weise auf die Werte für CDU und CSU ab. Bei der Sonntagsfrage ("Wen würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?") stellt sich folgendes Bild dar: CDU/CSU nur 35 Prozent, SPD 23, FDP 14, Grüne zwölf, die Linke elf und sonstige Parteien vier Prozent. Zwar zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab, weil 71 Prozent bestimmt und acht Prozent wahrscheinlich teilnehmen werden, aber nur bei 55 Prozent ist die Wahlentscheidung schon sicher. "Die Wahl ist noch lange nicht entschieden, da noch massive Änderungen im Wahlverhalten möglich sind", sagt Wahlforscher Liljeberg.

Das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier wird bei der konkreten Wahlentscheidung der Bürger jedoch kaum eine Rolle spielen. Zwar wollen rund 70 Prozent der Befragten das rhetorische Kräftemessen am 13. September im Fernsehen verfolgen. 69 Prozent sagen aber, dass das TV-Duell ganz sicher keinen Einfluss auf ihr Wahlverhalten habe, weitere 16 Prozent meinen, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall sei.

Dramatisch gering fällt das Vertrauen der Bürger in die Wahlversprechen der Parteien aus. Gerade einmal 2,3 Prozent glauben den Aussagen der Politiker. Das Versprechen der SPD, auf Bundesebene nicht mit den Linken zusammenarbeiten zu wollen, nehmen nur 17 Prozent für bare Münze; 77 Prozent hingegen glauben es nicht. Selbst drei von fünf SPD-Anhängern trauen der Zusage der SPD-Spitze nicht über den Weg. Ähnlich verhält es sich mit der Aussage der FDP, keine Ampelkoalition zu bilden, falls es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Rund ein Drittel der Befragten nimmt den Liberalen diese Zusicherung ab, zwei Drittel hingegen nicht. Auch hier glauben 48 Prozent der FDP-Wähler nicht dem Versprechen der eigenen Parteispitze.

Noch krasser fällt das Misstrauen der Bürger gegenüber der Zusicherung von Union und FDP aus, die Steuern zu senken. Gerade einmal sieben Prozent glauben das, 27 Prozent erwarten keine Änderung, und über 62 Prozent gehen sogar davon aus, dass die Steuern nach der Wahl steigen. Auf die Frage, wie der Schuldenberg am besten abzutragen sei, plädieren 40 Prozent für Steuererhöhungen, allerdings nur für reiche Bürger. Knapp ein Drittel hingegen befürwortet radikales Sparen bei allen. Nur vier Prozent würden die Firmen von Steuererhöhungen ausnehmen.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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