Handelskammer-Umfrage
US-Firmen geben Deutschland bessere Noten

US-Unternehmen geben dem Wirtschaftsstandort Deutschland bessere Noten als in den vergangenen Jahren: Mehr als zwei Drittel begrüßen den Regierungswechsel, 30 Prozent planen sogar Neueinstellungen. Schönheitsfehler: Fast genauso groß ist der Anteil derer, die Stellen abbauen wollen.

HB BERLIN. Der Präsident von AmCham Germany, Fred Irwin, sagte jedoch: „So gute Noten wie in diesem Jahr hat der Standort noch nie bekommen.“ Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland stellte am Donnerstag das Ergebnis ihres neuen Business-Barometers vor, das gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) erarbeitet wurde. Das Ergebnis der Umfrage unter US-Firmen, die in Deutschland tätig sind: 44 Prozent wollen 2006 mehr investieren, 30 Prozent planen Neueinstellungen in Deutschland. Den Regierungswechsel bewerteten 72 Prozent positiv.

36 Prozent der Investoren gaben an, ihre Bewertung des Standortes Deutschlands habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verbessert, im Vergleich zu 22 Prozent 2005. Wenn es Deutschland gelinge, zukunftsweisende Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen, werde Deutschland zur Weltspitze gehören. Irwin äußerte die Hoffnung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die vor der Wahl 2005 angekündigten Reformen in nächster Zeit auch innerhalb der großen Koalition durchsetzen werde.

Aufgeholt hat Deutschland laut Umfrage unter 78 Investoren, die 120 Milliarden Euro Jahresumsatz und 250 000 Arbeitsplätze repräsentieren, vor allem gegenüber Großbritannien. So liegt Deutschland bei Kompetenzzentren, die auf Marketing, Vertrieb und Entwicklung gerichtet sind, mit 54 Prozent deutlich vor Großbritannien mit 26 Prozent auf Platz eins als bester Standort für US-Zentralen. Auch bei Verwaltungs- und Finanzzentralen fällt im europäischen Vergleich die Wahl häufiger als früher auf Deutschland.

Einen Umsatzzuwachs erwarten dem Barometer zufolge 76 Prozent der US-Unternehmen; mehr Investitionen planen 44 Prozent. Zwar planen 31 Prozent Neueinstellungen, doch wollen gleichzeitig 28 Prozent Arbeitsplätze abbauen. BCG-Geschäftsführer Martin Koehler sprach daher von „Aprilwetter bei der Beschäftigung“. Mehr als jedes fünfte Unternehmen plane Verlagerungen innerhalb Europas, vor allem in Richtung Osteuropa. Deshalb habe sich der Wettbewerb für Deutschland verschärft. US-Unternehmen kritisierten vor allem die hohen Personalaufwendungen in Deutschland, die starke Regulierung des Arbeitsmarktes und die vergleichsweise hohen Steuersätze.

Koehler nannte die Verlagerung aus Kostengründen ein Warnsignal für den Hochtechnologiestandort Deutschland. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zur reinen Verkaufstheke der US-Unternehmen in Europa werden, sondern Denkfabrik bleiben“, warnte er. Eine Schlüsselfunktion komme dabei dem Sektor Forschung und Technologie zu. Der Forschungsstandort Deutschland wird laut Umfrage als deutlich attraktiver bewertet als der Wirtschaftsstandort generell.

Der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Norbert Quinkert, wies vor allem auf die Konkurrenz aus Asien hin. Asien überzeuge zunehmend nicht nur mit der Kostenseite der Produktion, sondern mit der Qualifikation der Mitarbeiter. Der Wissensvorsprung Deutschlands schwinde. Quinkert forderte Verbesserungen im Schul- und Universitätswesen sowie mehr Akademiker mit Abschlüssen in Natur- und Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik. „Wir können nicht nur Dichter und Denker bleiben“, sagte er. Die Deutschen müssten auch ihre Skepsis gegenüber Innovationen abbauen.

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