Handwerkspräsident Philipp mahnt zu Realismus
Wirtschaft braucht mehr Zuwanderer

In der Debatte über die Integration von Ausländern mahnt die Wirtschaft zu Realismus und Besonnenheit. „Viele Wirtschaftsbereiche in Deutschland werden in Zukunft noch stärker auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sein“, sagte Handwerkspräsident Dieter Philipp dem Handelsblatt: „Nur mit ihrer Hilfe lässt sich der Fachkräftemangel beheben.“

doe/rks BERLIN/MÜNCHEN. Im Handwerk sei der Anteil von Auszubildenden und Beschäftigten aus anderen Nationen traditionell besonders hoch, erläuterte Philipp. Er forderte, die Zuwanderer durch differenzierte und qualifizierte Bildungsangebote besser an die Berufstätigkeit hierzulande heranzuführen.

Gesellschaftliche Integration verlaufe „ganz wesentlich über Ausbildung und Beruf“, sagte Philipp. Dem Erfolg bei der Arbeit folge meist auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Allerdings verlangte Philipp von den ausländischen Mitbürgern die Bereitschaft, „die deutsche Sprache zu sprechen und unsere Werteordnung zu respektieren“.

Nach dem brutalen Mord an dem islam-kritischen Filmemacher Theo van Gogh in den Niederlanden ist die Frage der Integration von muslimischen Zuwanderern auch in Deutschland auf die politische Tagesordnung gerückt. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) warnte am Wochenende vor einem „Kampf der Kulturen“, betonte jedoch gleichzeitig, die Demokratie könne „keine Parallelgesellschaften dulden“. CSU-Chef Edmund Stoiber verlangte wie der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), die Einwanderer müssten die „deutsche Leitkultur“ übernehmen.

Schröder betonte bei der Verleihung des Toleranzpreises des Jüdischen Museums in Berlin an Ex-Bundespräsident Johannes Rau (SPD), er wolle die Vielfalt der Kulturen in der deutschen Gesellschaft nicht zurückdrehen. Allerdings dürften die Muslime „nicht teilnahmslos beiseite stehen“. Sie müssten sich unmissverständlich zur demokratischen Rechtsordnung bekennen. Außerdem müssten sie durch Erlernen der deutschen Sprache die Bereitschaft zur Verständigung im originären Wortsinn dokumentieren. Die Ausländebeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck (SPD), forderte die Einwanderer auf, selbst aktiv zu werden und dafür zu sorgen, „dass in Moscheevereinen der Imam nicht ungestört volksverhetzende Reden halten kann“.

Die Union erachtet die Idee einer multi-kulturellen Gesellschaft als gescheitert. Auf dem Parteitag der CSU in München sagte CDU-Chefin Angela Merkel: „Die multi-kulturelle Gesellschaft ist grandios gescheitert.“ Bayerns Innenminister Günther Beckstein bezeichnete sie als „blauäugige Illusion“. CSU-Parteichef Stoiber verband die Forderung nach einer „Rückbesinnung auf christliche Werte“ mit dem Aufruf zu mehr Patriotismus. „Offenheit und Toleranz ja, islamistische Kopftücher nein,“ rief er in seiner Grundsatzrede den Delegierten zu.

Die CSU beschloss, „nicht integrationswilligen“ Ausländern die Sozialleistungen zu kürzen. Ausländer müssten die „deutsche Leitkultur vollständig akzeptieren“, die Teilnahme an Sprachkursen „tägliche Praxis“ werden.

Stoiber rief die Deutschen dazu auf, „die christliche Prägung unseres Landes offensiver“ zu verteidigen. „Null Toleranz“ dürfe es in Deutschland gegen Hassprediger geben. Stoiber appellierte an die „friedliebenden Muslime“ im Land, sich stärker gegen Islamismus und Terror zu wenden.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer warnte die CSU vor einer „Ausgrenzungsdiskussion“. Die Rhetorik, mit der die Partei gesetzestreue Muslime und Extremisten über einen Leisten schlage, sei „brandgefährlich“. Auch der türkische Botschafter in Berlin, Mehmet Ali Irtemcelik, monierte, es werde „verantwortungslos zugespitzt“. Nur drei bis vier Prozent der Türken in Deutschland könne man den Islamisten zurechnen.

Quelle: Handelsblatt

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