Hannes Hesse
„Die Warnstreiks sind schlicht kontraproduktiv“

Die Warnstreiks der IG Metall seien kontraproduktiv, sagt Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA. Im Interview spricht er über unangemessene Tarifforderungen und die Rolle der Zeitarbeit.
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Handelsblatt: Wie stark schadet die anrollende Warnstreik-Welle der Industrie?

Hannes Hesse: Ich hoffe sehr, dass die IG Metall bald zur Besinnung kommt und den Schaden begrenzt. Was sie jetzt mit ihren Warnstreiks inszeniert, ist schlicht kontraproduktiv. Objektiv hat die IG Metall nach dem bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen keinen Grund, jetzt derart aufzustampfen.

Die IG Metall will 6,5 Prozent mehr Lohn.

Und die Arbeitgeberverbände haben mit drei Prozent ein sehr ordentliches Angebot gemacht.

Die Konjunkturforscher erwarten solides Wirtschaftswachstum. Liegt es da nicht nahe, dass der Erwartungsdruck steigt?

Natürlich sind solche Prognosen ermutigend. Das ändert aber nichts daran, dass die Zeichen für den Maschinenbau in diesem Jahr auf Stagnation stehen. Für die nächsten Monate ist vorübergehend sogar noch mit sinkenden Auftragseingängen zu rechnen. Richtig ist zwar, dass wir nach der Rezession von 2009 einen kräftigen Aufholprozess hatten. Aber bis dato fehlen uns beim Umsatz noch etwa zehn Milliarden Euro bis zum Niveau von 2008.

Dafür fahren Autohersteller historische Rekorde ein. Ist das kein Argument?

Tarifpolitik kann sich aber nicht allein an einigen Leuchttürmen orientieren. Gerade der Metall-Flächentarifvertrag, der etliche Industriesparten überspannt, muss auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen in diesen Sparten Rücksicht nehmen. Nebenbei verdanken die Autohersteller mindestens einen Teil ihrer Gewinne auch dem Umstand, dass sie im Einkauf ihre Verbundvorteile ausspielen.

Was meinen Sie damit?

Sie üben Preisdruck auf die Zulieferer aus. Und dieser Druck betrifft dann auch die Unternehmen im Maschinenbau. Im Übrigen: Im Maschinenbau haben wir es mit komplexer Einzelfertigung zu tun. Da machen die Personalkosten oft mehr als 30 Prozent vom Umsatz aus. In der Serienfertigung - also gerade bei den Autoherstellern - ist der Anteil signifikant niedriger. Auch das muss die Lohnpolitik beachten.

Zum Thema Zeitarbeit: Wie hart trifft es die Betriebe, wenn sie teurer wird?

Entscheidend ist, dass die Unternehmen anpassungsfähig bleiben. Denn das ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass sie international wettbewerbsfähig bleiben. Daher wäre es fatal, wenn das Instrument der Zeitarbeit beschädigt würde.

Die IG Metall fordert mehr Mitsprache der Betriebsräte beim Einsatz von Zeitarbeitern. Wie viel Spielraum sehen Sie da?

Der Betriebsrat übt seine Mitsprache aus, wenn es darum geht, wie Arbeitskräfte im Unternehmen konkret eingesetzt werden. Ob und welche Arbeitskräfte eingesetzt werden, ist aber Sache des Unternehmens. Wer solche Grundprinzipien der Marktwirtschaft infrage stellt, dem kann ich nur sagen: Da hört der Spaß auf.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • „Der Betriebsrat übt seine Mitsprache aus, wenn es darum geht, wie Arbeitskräfte im Unternehmen konkret eingesetzt werden. Ob und welche Arbeitskräfte eingesetzt werden, ist aber Sache des Unternehmens. Wer solche Grundprinzipien der Marktwirtschaft infrage stellt, dem kann ich nur sagen: Da hört der Spaß auf.“
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    ... und bei der Arbeitnehmerschaft hört der Spaß auf, wenn diese von Unternehmensseite aus, durch den Einsatz von Leiharbeit ausgebeutet werden.
    Gutes Geld für gute Arbeit, Deutschland bietet weltweit immer noch die höhsten Qualitätsstandards bei der Produkt- und Warenherstellung. Das Qualitätssiegel „Made in Germany“ ist begehrt und wird weltweit nachgefragt. Wie sonst wären wir seit zig Jahren unter den Top 3 Exportländern auf dieser Welt.
    Rückkehr zum rheinischen Kapitalismus innerhalb einer sozialen Marktwirtschaft, mit fairen Löhnen und Gehältern für ALLE Beschäftigten und einem alle gleichermaßen belastenden Sozialausgleich. Es kann nicht mehr länger angehen, das die deutsche Mittel- und Unterschicht die Hauptlasten der Staatsfinanzierung trägt, während sich die Besser- und Spitzenverdiener ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung entziehen.

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