Hans-Dietrich Genscher ist tot

Der Metternich aus Halle

Mit Hans-Dietrich Genscher verliert Deutschland einen Staatsmann, der die Welt verstand und dem Land in der Welt ein freundliches Gesicht gegeben hat. Bis zum Schluss sorgte er sich um die Zukunft Europas. Eine Würdigung.
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In sein langes und bewegtes Leben passten mehrere Leben: Hans-Dietrich Genscher
Hans-Dietrich Genscher

In sein langes und bewegtes Leben passten mehrere Leben: Hans-Dietrich Genscher

BerlinAllzu viele vom Format eines Hans-Dietrich Genscher hat es in der deutschen Politik nicht gegeben. Deutschland verliert mit seinem dienstältesten Außenminister einen Staatsmann, der die Welt verstand und der uns in der Welt ein freundliches Gesicht gegeben hat. Der „Mann mit dem gelben Pullunder“ und die 1:30 Minuten in der „Tagesschau“ gehörte zum deutschen Inventar. Die Bürger verliehen ihn fast liebevoll den Ehrentitel „Genschman“.

In sein langes und bewegtes Leben passten mehrere Leben. Er war Politiker, Staatsmann und Europäer. Bis zum Schluss war er einer, der sich um die Zukunft Deutschlands und Europas sorgte und vor einer „neonationalistischen Verführung“ durch die Rechtspopulisten warnte. „Wer den europäischen Weg verlässt, verspielt die gemeinsame Zukunft“, mahnte der langjährige FDP-Chef in einem seiner letzten Gastbeiträge für das Handelsblatt.

Der damalige SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine nannte Genscher den „Metternich aus Halle“. Schon alleine wegen seiner Gabe, sich aus ausweglosen Situationen herauszuwinden. Doch bei der Wiedervereinigung war Genschers Kurs glasklar. Er war vermutlich einer der Ersten, der die Bedeutung des damaligen russischen Präsidenten Michail Gorbatschow für eine friedliche Wiedervereinigung erkannte. Prag im Herbst 1989 war die prägendste Station der politischen Laufbahn des gebürtigen Hallensers, der 1952 aus der DDR in den Westen kam.

Die Szene hat sich in das kollektive Gedächtnis des widervereinigten Deutschlands eingebrannt. Auf dem im abendlichen Dunkel von Scheinwerfern erleuchteten Balkon der deutschen Botschaft ging sein Satz: „Ich bin heute Abend zu Ihnen gekommen, um Ihnen zu sagen ...“ im Jubel der dort ausharrenden DDR-Flüchtlinge unter.

Seitdem ist sein Name untrennbar mit der deutschen Einheit verbunden. Für ihn hat es keine Konkurrenz zum „Einheitskanzler“ Helmut Kohl gegeben. Er warf Kohl Fehler bei der wirtschaftlichen Wiedervereinigung, vor allem bei der Abwicklung der Produktion im Osten, vor. Doch Kohl und Genscher fanden immer wieder ein professionelles Verhältnis zueinander.

Mit Abscheu erinnerte sich Genscher an München 1972
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15 Kommentare zu "Hans-Dietrich Genscher ist tot: Der Metternich aus Halle"

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  • << Nordamerika, Südamerika, Australien, Japan und vor allem der große Syrien-Freund Putin dürfen sehr gerne die restlichen Flüchtlinge aufnehmen. >>

    Das muß man erst zweimal lesen, um überhaupt zu glauben, dass jemand sowas geschrieben hat.
    KEIN EINZIGES Land außer Deutschland will diese sog. "Flüchtlinge" aus den arabischen und nordafrikanischen Ländern bei sich aufnehmen!!! Zunächst hat Schweden noch die gleiche Dummheit begangen wie wir, aber das ist Vergangenheit. Jetzt steht Deutschland ganz alleine da mit seinem "Mitleid".
    Macht Sie sowas nicht stutzig? Alle anderen sind nur Schurkenstaaten? Wir sind die einzigen Gerechten auf der Welt?

  • EU-Merkel und Flüchtlinge, genau diese Dinge interessieren eben die Menschen, hätte der Bürger über diese Dinge abstimmen dürfen, hätten wir mindestens das Elend der EU und der "Wirtschaftsreisenden" nicht.
    Genscher war ein sehr guter Politiker, ganz anders als die Politikkasper die heute in Deutschland rumeiern.

  • Herr Schmidt, Sie haben im Grunde Recht. Nur wenn Sie die Kommentare im HB aufmerksam verfolgen, dann werden Sie erkennen, dass man hier über nichts anderes als die EU, Frau Merkel und Flüchtlinge diskutieren kann. Alle anderen Artikel mit Kommentarfunktion bleiben i.d.R. unkommentiert. Traurig aber wahr!

  • Ganz genau. Aber auch ein Hans-Dietrich Genscher wäre letztendlich macht-los gewesen, hätte es nicht einen Gorbatschow gegeben, für den Macht eben nicht der Hauptantrieb war.

  • Ich bin absolut der Meinung, dass wir unser Flüchtlings-Soll erfüllt haben.
    Ich sehe auch keinen kulturellen Zusammenhang, der eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien, Irak und Afghanistan zwangsläufig auf Deutschland beschränkt.
    Nordamerika, Südamerika, Australien, Japan und vor allem der große Syrien-Freund Putin dürfen sehr gerne die restlichen Flüchtlinge aufnehmen.

    Ich kenne zwar nicht die Genfer Flüchtlingskonvention im Wortlaut, bin mir aber sicher, dass dort nicht verankert ist, dass ein Kriegsflüchtling per Asyl seinen wirtschaftlichen Status signifikant verbessern muss. Das Asylniveau darf also m.E. entsprechend niedrig bleiben, was die erwähnten Idustrie- und Schwellenländer als Aufnahmestaaten prädestiniert.

  • Lesen Sie erst einmal das Buch "Völkerwanderung nach Deutschland" von Joachim Kuhnle - eine sachliche (!) und nicht "rechtslastige" Analyse der von der deutschen Regierungsjunta betriebenen Landnahme durch komplett Kulturfremde. Danach können wir weiter diskutieren.
    Und ich persönlich würde übrigens auch immer meinen eigenen Landsleuten als Erstes helfen, bevor mir überhaupt etwas anderes in den Sinn kommen würde...

  • Meine Herren,

    Pietät ist auch für Internetkommentare nicht verboten und manchmal auch angebracht.

    Gedenken wir einfach Hans-Dietrich Genscher, dem wir viel verdanken!

  • Das waren (juristisch) keine Flüchtlinge, sondern deutsche Bürger, die ihr Recht auf Freizügigkeit wahrgenommen haben. Die mußten auch keinen Asylantrag stellen. Im übrigen konnte man bei der Migration von ca. 1Mio mehr oder weniger hochdeutsch sprechender Menchen nach Westdeutschland tatsächlich von Fachkräften sprechen, da diese meist wenigstens über einen Berufsabschluss verfüg(t)en.

  • Ich frage mich gerade, was wohl Syrien oder ein anderer arabischer Staat 1988/89 getan hätte, wenn dort hunderttausend- und millionenfach DDR-Bürger Asyl beantragt hätten.
    Für Sie eine absurde Vorstellung? Eine kranke Idee? Genau!

  • Nein, das hätte ich Ihnen nicht gegönnt. Ich bin froh über die Wiedervereinigung. Ich glaube aber vielmehr, dass es viele Deutsche (vor allem aus der ehemaligen DDR) gibt, die genau das den Syrern gönnen würden, anstatt ihnen hier in Deutschland Asyl zu gewähren. Da hätte ich von Ex-Flüchtlingen und deren Nachkommen etwas mehr Mitgefühl erwartet.

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