Hans-Jürgen Wolff
Im Dienste des Bundespräsidenten

Hans-Jürgen Wolff wird ab Oktober neuer Chef des Bundespräsidialamtes. Mit seiner Arbeit an den Reden des Präsidenten hatte der 51-Jährige Horst Köhler auf sich aufmerksam gemacht. Die Ernennung des verwaltungserfahrenen Juristen ist eine Zäsur im „System Köhler“.

Als Horst Köhler als Bundespräsident wiedergewählt wurde, wusste er bereits, dass er seine zweite Amtszeit mit einem neuen Team bestreiten muss. Nun hat er die erste wichtige Weiche gestellt: Am 1. Oktober wird der 51-jährige Hans-Jürgen Wolff neuer Chef des Bundespräsidialamtes.

Dass der Aufstieg des umtriebigen Juristen eine Zäsur im „System Köhler“ bedeutet, liegt dabei weniger an ihm als vielmehr an seinem Vorgänger Gert Haller: Denn der 65-Jährige ist der eigentliche geistige Sparringspartner des Bundespräsidenten. Beide fühlen sich schon durch die parallelen Karrieren im Bundesfinanzministerium und die Wirtschaftsnähe verbunden. Für Köhler wechselte Haller als „Ein-Euro-Mann“ vom Finanzkonzern Wüstenrot ins Präsidialamt.

Diese langjährige Vertrautheit kann der wesentlich jüngere und in Helmstedt geborene Wolff zwar nicht bieten. Aber als Leiter der Inlandsabteilung des Präsidialamtes zählte er neben Haller und dem Präsidentensprecher Martin Kothé zum „Küchenkabinett“ im Schloss Bellevue. Vor allem wegen seiner Arbeit an den Reden des Präsidenten war dieser auf ihn aufmerksam geworden. Die Wellenlänge stimmte.

Zudem hat Wolff administrative Erfahrung: Nach zweijähriger Arbeit im Bundesinnenministerium wechselte der Jurist 1991 unter Helmut Kohl für vier Jahre in die Wirtschaftsabteilung des Kanzleramtes. 1995 begann Wolff in der Inlandsabteilung der Präsidialverwaltung, 2006 wurde er Abteilungsleiter. Insgesamt erlebte er vier sehr unterschiedliche Präsidialamts-Chefs. Nun folgt sein eigener Sprung an die Spitze eines Amtes mit mehr als 160 Mitarbeitern.

Dass Wolff nicht als Charismatiker gilt, ist für den Posten unerheblich. Der Chef des Präsidialamtes agiert traditionell noch stärker als andere Staatssekretäre in Berlin im Hintergrund. An Einfluss mangelt es ihm dennoch nicht. Immerhin fungiert Wolff auch als Scharnier zur Exekutive, nimmt etwa als Zuhörer an den Sitzungen des Bundeskabinetts teil.

Zudem versteht sich Köhler als „politischer“ Bundespräsident, er will nicht nur stiller Erfüllungsgehilfe der Regierungspolitik sein. Das erhöht automatisch das Gewicht seiner Top-Beamten, die ihn etwa in heiklen Fragen wie bei der Unterschrift unter Bundesgesetze oder aber beim Gnadengesuch

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