Hans-Olaf Henkel im Interview
„Wenn Griechenland nicht geht, sollten wir gehen“

Vor einem Jahr wäre der Grexit eine Steilvorlage für die AfD gewesen. Heute, 24 Stunden vor ihrem Parteitag, beschäftigt sich die AfD mit sich selbst. Einer, der das bedauert, ist Hans-Olaf Henkel. Er redet Klartext.
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Aus dem Bundesvorstand der Alternative für Deutschland ist Hans-Olaf Henkel ausgetreten. Als Grund nennt er den Rechtsruck einiger seiner Mitstreiter. Vertrauen hat er dagegen in Parteichef Bernd Lucke. Ihn unterstützt er auch als EU-Abgeordneter. Denn seinen Sitz im Europäischen Parlament und sein Büro in Straßburg hat Henkel behalten. Dort hat ihn Laura Waßermann zum Interview getroffen – ein Jahr nach Beginn seiner Arbeit als Parlamentarier und kurz vor dem AfD-Parteitag an diesem Wochenende in Essen.

Herr Henkel, fühlen Sie sich manchmal missverstanden?
Sehr selten, weil ich nicht zu denen gehöre, die sich bewusst vage und zweideutig ausdrücken. So versteht man mich beim Thema Euro meist sehr gut, gibt es aber sehr oft nur unter vier Augen zu.

Wie sehen Sie denn aktuell das Thema Euro? Wollen Sie immer noch den Nord-Süd-Euro durchboxen?
Wenn auch diesmal Griechenland die Euro-Zone nicht verlässt, sollten wir gehen, möglichst zusammen mit Ländern, die eine ähnliche Stabilitätskultur verfolgen wie wir. Vergessen wir nicht, dass wir vor der Einführung des Euro bereits einen „Nord-Euro“ hatten: immer wenn die Bundesbank aufwertete, folgte der Schilling, der Gulden, die Krone nach. Die im Euro verbleibenden Länder könnten dann mit einer durch unseren Austritt abgewerteten Währung wieder wettbewerbsfähiger werden. Nur mit annähernd gleichen volkswirtschaftlichen Vorstellungen kann eine Einheitswährung funktionieren.

Sie nennen es vielleicht nicht so, halten eine Spaltung der Nord- und Süd-Länder währungstechnisch aber für sinnvoll?
Für notwendig! Wir müssen aufhören, die unterschiedlichen fiskalischen Kulturen den Bedürfnissen einer Währung unterzuordnen und wieder dafür sorgen, dass eine Währung diesen Kulturen entspricht.

Würde es aber nicht auch bedeuten, dass es einen Zwei-Klassen-Euro gibt? Eine elitäre Spitze um Deutschland?
Vor Einführung des Euro hat doch auch keiner über eine 19-Klassengesellschaft gejammert. Die Aufwertungen zu D-Mark-Zeiten zwangen die deutsche Industrie immer wieder dazu, produktiver, effizienter und kreativer zu sein als die anderen. Auf der anderen Seite konnten Frankreich und andere Südländer ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertungen erhalten. Das können sie nicht mehr, und das Resultat kann man jetzt besichtigen: niedriges Wachstum, hohe Arbeitslosigkeit. Die ganze Euro-Zone leidet unter einer „One-Size-Fits-None“-Währung.

Und wer darf Ihrer Meinung nach dazugehören?
Aktuell stellt sich die Frage nach Griechenland. Länger als andere fordert die AfD den Grexit und schlägt vor, dafür den Griechen ein Großteil der Schulden zu erlassen. Das kostet uns nichts, denn das Geld ist doch sowieso schon weg. Das zuzugeben, bringt die Bundesregierung nicht fertig.

Kommentare zu " Hans-Olaf Henkel im Interview: „Wenn Griechenland nicht geht, sollten wir gehen“"

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  • @Handelsblatt
    Das Forum könnte aus dem letzten Jahrtausend sein. Veraltet und nichts funktioniert.

  • Zitat: „Wenn Griechenland nicht geht, sollten wir gehen“...

    Und wenn Griechenland nicht geht sollten wir bleiben? Was ist das für eine Logik.
    Es gibt eine Menge Gründe zu Gehen. Unabhängig von Griechenland. Als ob die Anweseheit der Griechen etwas an diesen Gründen ändern würde.

    Das fragt man sich, für was steht die AfD eigentlich noch?

  • Henkel und Lucke wollen gar keine echten Veränderungen, ehr so ne Art CDU oder FDP 2.0.
    Heute wollen die nichts mehr wissen das man gegen TTIP war und die GEZ Zwangsgebühr abschaffen möchte und gegen den EU Wahnsinn, und viele andere Dinge die hier schief laufen.
    Henkel und Lucke wollen nur noch eine Klientelpartei sein, Apotheker und solche Leute welche immer nur ihre eigenen Interessen im Auge haben.
    Dafür gibt's aber die FDP und CDU.
    Am Wochenende wird sich zeigen wer sich durchsetzt, ich hoffe sehr auf Petry und Co. damit sich etwas ändert.

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