Hans-Werner Sinn: „Deutschland haftet für Südeuropas Banken“

Hans-Werner Sinn
„Deutschland haftet für Südeuropas Banken“

Nach dem Euro-Gipfel sind die Investoren erst einmal zufrieden. Aber zu welchem Preis? Deutschland werde immer tiefer in die Krise hineingezogen, warnt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Die Euro-Rettung ist durch den Gipfel aus Sicht von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn nicht vorangekommen – Deutschland werde aber zugleich immer stärker in die Krise hineingezogen. „Wall Street, die City of London und die Pariser Banken wurden gerettet. Wir stehen nun für die Rückzahlung der Schulden der südeuropäischen Banken ein“, sagte der Ökonom dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Der deutsche Staat wird immer tiefer in die südeuropäische Krise hineingezogen, und die Investoren aus aller Welt, die sich verspekuliert haben, können sich noch in letzter Minute aus dem Strudel befreien“, sagte Sinn. Die Finanzmärkte seien nun beruhigt, ja geradezu euphorisch, weil ein Weg gefunden wurde, das deutsche Vermögen zu verbrauchen. „Die finanzielle Stabilität Deutschlands ist indes gefährdet“, warnte Sinn.

Auf Angela Merkel sei vom Ausland mehr Druck ausgeübt worden, als je zuvor ein deutscher Kanzler nach dem Krieg habe aushalten müssen. „Es wurde ein Kesseltreiben veranstaltet. Um an unser Geld zu kommen, hat man Deutschland imperiale Gelüste vorgeworfen und uns den Hass der Völker prophezeit“, sagte Sinn. Dem Druck habe Angela Merkel nicht mehr widerstehen können und sei eingenickt. „Jetzt können die Bürger, an deren Vermögen man will, nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen.“ Der Fehler sei schon im Mai 2010 mit dem EFSF gemacht worden. „Deutschlands Empfänglichkeit für äußeren Druck war die Einladung, mit immer mehr Druck immer mehr Geld zu erpressen“, sagte der Wissenschaftler.

Dass Kredite, die der ESM vergibt, künftig nicht vorrangig, sondern gleichrangig bedient werden sollen, trägt laut Sinn zur Gefährdung bei. „Der Vorrang des Retters ist das Wesen einer jeden Konkursordnung“, sagte er. Auch der IWF helfe nur unter dieser Bedingung. Deutschlands Position sei es gewesen, die Rettung immer nur mit dem IWF und nach dessen Regeln zu organisieren. „Die Bedingung, dass wir nur Geld geben, wenn der IWF es tut, wurde schon im ESM-Vertrag gekippt.“ Nun sei auch noch die Bedingung gefallen, dass wir wenigstens nach den IWF-Regeln helfen. Sinn: „Die europäischen Verträge veralten, bevor ihre Tinte getrocknet ist.“

Auch den Fiskalpakt sieht Sinn nicht als Schutz vor Vermögensverlusten: „Der Pakt wird nur in Deutschland ernst genommen“, sagte der Ökonom. „Er ist ein Placebo – wie seinerzeit der Stabilitäts- und Wachstumspakt“. Ländern, denen der Kapitalmarkt misstraue, brauche man keine politischen Schuldengrenzen zu setzen. „Wenn man ihre Kreditaufnahme begrenzen will, reicht es, ihnen weniger öffentlichen Kredit zu geben.“ Verhaltensmaßregeln erzeugten Unfrieden und brächten nichts als Ärger. „Deutschland hätte nicht so viel Geld geben, dafür aber den Mund halten sollen“, kritisierte Sinn. Die deutschen Belehrungen hätten zu der vergifteten Atmosphäre des Gipfels und der Entschlossenheit der anderen Länder beigetragen, Deutschland endlich niederzuringen. 

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BDI steht voll hinter Merkel

Kommentare zu "„Deutschland haftet für Südeuropas Banken“"

Alle Kommentare
  • In Krisen lernt man seine Leute kennen. Wer kann den Mama Merkel das Wasser reichen? Sie hat kein fachkompetentes Team und Köhler, der was hätte wissen können, wurde früh schon ausser Gefecht gesetzt.
    Also wer von den Andern?
    Ingrid Matthäus-Maier sass gerade im Aufsichtsrat bis die KFW 6,2 Milliarden Euro Verlust zu verzeichnen hatte. Die anderen Genossen der Bosse besitzen kaum Management-fähigkeiten. Vom Bayerischen Löwengebrüll zu schweigen.
    Etwa die mit Schröder frisch regierungsfähig Gewordenen, die unter Fischer Teile ihrer Idendität aufgaben, dem Hartz zustimmten und fleissig in einen verlustreichen Krieg zogen? Dann blieben nur noch die, von denen wir nicht wissen, welche Fähigkeiten (evtl. Moral) sie besitzen. Armes Deutschland. Der Dumme muss zahlen, zahlt.

  • Damit solche Projekte durchgezogen werden können, müssen die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedin-gungen stimmen. Und dafür hat die überbordende Bürokratie in so manchem Südland bislang einfach nicht gesorgt. Dann müssen Projekte identifiziert werden, die vernünftig und nachhaltig rentabel sind - Autobahnen in der Pampa nach Nirgendwo helfen niemandem. Warum sind soviele Strukturgelder in Brüssel nicht abgerufen? Weil den Ländern beim besten Willen nichts Sinnvolles einfiel.

  • Deutsch kann er.

  • Ich gebe Ihnen Recht, dass der deutsche Leistungsbilanzüberschuss die Volkswirtschaften Südeuropas unter Druck gesetzt hat. Allerdings war es jedem Euromitglied klar, dass man seine intra-Euro-Leistungsbilanz nur noch über geschickte Standortpolitik, Produktivitätsfortschritte und zurückhaltende Lohnpolitik ausgleichen kann. Das alles hat es nicht gegeben in Spanien, Italien oder Griechenland. Das einzige, was dort in den letzten 10 gewachsen ist, waren die Löhne. Der Euro hat sogar phänomenal niedrige Zinsen geliefert, die es spielend erlaubt hätten, das Wirtschaftswachstum über die Fremdkapitalzinsen und Tilgungen zu stimulieren.

    Und was ist geschehen: Industriepolitik, um Vorleistungen für Deutschland zu produzieren? Fehlanzeige. F&E-Investitionen? Fehlanzeige. Lieber wurden in Spanien so viele Wohnungen gebaut, dass halb Europa dort hätte einziehen können.
    Ergo: Die Euroländer hatten ab 1995 einmalige Chancen, ihre Volkswirtschaften zu günstigen Konditionen umzubauen. Diese haben sie leider nicht genutzt.

  • Alle hier beschweren sich immer und immer wieder wie in einer Endloszeitschleife! Warum denn? Jeder von Ihnen hat es doch in der Hand bei den nächsten Wahlen diesen unfähigen Politikern endlich die Hände zu legen!!! Aber was macht der dumme brave deutsche Michel? Genau er wählt wieder Schwarz, Gelb, Grün oder Rot! Es ist Zeit das die Leute in Deutschland aufwachen und endlich einmal auf neue, frische Parteien setzen! Ebenso sind auch die gefragt, die immer alles kritisieren aber nie handeln! Gründen Sie doch endlich eine eigene neue Partei Herr Sinn, Herr Sarrazin, Herr Prof. Otte, Herr Merz und und und, in der Sie das umsetzen was die meisten Deutschen wollen aber oft zu feig sind es zu sagen! Die Deutschen die von den Konservativen betrogen wurden und lieber tot umfallen als Sozialisten zu wählen sowie über einen rationalen Gedankengang verfügen dürsten so danach! Eine solche Partei würde diesen Stümpern an der Spitze ordentlich eins auswischen und verhindern das die anderen Stümper die jetzt in der Opposition sitzen wieder das Ruder übernehmen und den Karren noch weiter in den Dreck ziehen in den unser Vaterland systhematisch ausverkauft wird!

    Danke

  • Deutschalnd verkauft die Zukunft seiner Kinder - jedenfalls derer, die noch geboren werden und in Deutschland bleiben wollen ... Großartig Frau kinderlose Kanzlerin!

  • "Dass Kredite, die der ESM vergibt, künftig nicht vorrangig, sondern gleichrangig bedient werden sollen,trägt laut Sinn zur Gefährdung bei," heißt es in iherm Artikel.

    Wie kommt es bloß auf die Idee?

    O-Ton Gipfel-Kommunique: "We urge the rapid conclusion of the Memorandum of Understanding attached to the financial support to Spain for recapitalisation of its banking sector. We reaffirm that the financial assistance will be provided by the EFSF until the ESM becomes available, and that it will then be transferred to the ESM, without gaining seniority status."

    Das bezieht sich ausdrücklich *nur* auf die Bankenrettungshilfe für Spanien.

    Kann Sinn kein Englisch?

    Oder wie kommt er sonst auf diese Idee?

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    Das "Sinn gegen Horn" Kasperletheater nimmt immer absurdere Züge an.

    Einer blöder als der andere.

  • Es gibt keinen Grund, warum ich nicht auch einen blödsinnigen Einzeiler zu dieser "Diskussion" beisteuern sollte.

  • Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen,so gib ihm Macht.

  • Mein Traum ist:Brecht die Zinsknechtschaft!
    Keine Macht dem Geld!

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