Hans-Werner Sinn zur Notenbankpolitik
„Probleme lassen sich nicht mit Geld zudecken“

Laut Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, ist die Krise an den Kapitalmärkten noch längst nicht ausgestanden. Im Handelsblatt (Montagsausgabe) bezweifelt der Ökonom daher, dass Notenbanken viel ausrichten können.
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DüsseldorfDer Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, bezweifelt, dass die Entspannung an den Finanzmärkten in Reaktion auf Notenbankäußerungen nachhaltig ist. „Auch auf der globalen Ebene kann man die Probleme nicht dauerhaft mit Geld zudecken“, sagte Sinn dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Am Donnerstagabend und Freitag hatten Vertreter der US-Notenbank und der Bank von England in Aussicht gestellt, die Geldpolitik länger als geplant locker zu halten. Ein Vertreter der Europäischen Zentralbank hatte angekündigt, die Notenbank werde schon in den nächsten Tagen mit Wertpapierkäufen beginnen.

Mit Bezug auf die wieder aufflammende Krise im europäischen Währungsraum sagte Sinn: „Die Kapitalmärkte haben lange die These geglaubt, dass es sich um eine vorübergehende Krise handelt, die mit viel Geld zu beheben ist. Dieser Glaube verflüchtigt sich jetzt“. Er verwies dabei auf die gestiegenen Renditeabstände bei Staatsanleihen und die fallenden Aktienkurse.

Sinn sieht den Grund für das Wiederaufflammen der Krise darin, dass die bisherigen Gegenmaßnahmen nur die Symptome im Finanzbereich angegangen hätten, nicht aber die tiefer liegenden wirtschaftlichen Ursachen. „Die Industrien in Südeuropa sind nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagte Sinn. Gerade in Bezug auf Italien hätten sich die Erwartungen für die Wirtschaftsentwicklung besonders deutlich gedreht. „Statt eines Wachstums wird nun eine schrumpfende Wirtschaftskraft erwartet.“

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Hans-Werner Sinn zur Notenbankpolitik: „Probleme lassen sich nicht mit Geld zudecken“"

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  • Kim Peter Erichsen
    Sie ahben das sehr gut beschrieben.
    Genau so ist es.
    Abr der dumme deutsche Michl schl#äft leider noch
    Unsere derzeitigen Politiker, vorne an Merkel und auch Schäuble, ebnen den Weg für wirklich ganz rechte Parteien im Sinne der NSDAP.
    So war es ja auch damals, bevor Hitler 1933 an die Macht kam.
    Und in fast allen europ. Länder formeiren sich stramm rechte Parteien.
    Aber Merkel wacht nicht auf
    Und leider thematisiert dies auch die Presse nicht

  • Es hat noch nie funktioniert, dass mit ungeeigneten Mitteln sich eine Besserung eingestellt hat.

    Als der Beschlusse gefasst wurde, den Euro einzuführen, hatten wir weder einheitliche Gesetze, die eine gleiche Handhabung in allen Ländern eine gemeinsame Grundlage bildeten, noch hatten wir Politiker, die sich an einmal geschlossene Verträge hielten.

    Für mich liegt der Hauptgrund darin, dass verantwortungslose Politiker "Entscheidungen" treffen. Solange Politiker für ihr Handeln nicht gerade stehen müssen, handeln sie verantwortungslos. M.E. werden Entscheidungen erst dann qualitativ besser, wenn sie Sanktionen befürchten müssen.

    Wir sollten uns darüber Gedanken machen, die Politiker zur Abkehr von verantwortungslosem Handeln zu bewegen.

  • Nicht nur das. Früher waren es DM und heute sind es Euro.

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