Harald Kujat im Interview: „Eine europäische Armee würde Putin freuen“

Harald Kujat im Interview
„Eine europäische Armee würde Putin freuen“

Eine europäische Armee wäre derzeit zum Scheitern verurteilt, glaubt Ex-Nato-General Harald Kujat. Doch es steckt mehr hinter der Idee als Säbelrasseln Richtung Russland: eine massive Fehleinschätzung der Politik.
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Bekommt Europa eine eigene Armee?
Harald Kujat: Das ist eine schöne Utopie.

Sie glauben also nicht dran?
Doch. Aber das ist eher eine Sache von Jahrzehnten als Jahren.

Tatsächlich wird diese Idee schon seit Jahrzehnten diskutiert. Jetzt bringt es EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erneut aufs Tableau und deutsche Amtsträger springen ihm bei. Dass diese Idee gerade jetzt aus der Mottenkiste geholt wird, ist also eine Drohung  gegen Kremlchef Wladimir Putin?
Wenn es so wäre, wäre die Idee einer europäischen Armee nicht sehr profund. Außerdem weiß auch Putin, dass der Ukraine-Konflikt nicht so lange dauern wird wie eine europäische Armee aufzubauen. Allerdings ist der Zeitpunkt, in der die Debatte nun wieder hochkocht, schon auffällig.

Also doch ein Muskelspiel Richtung Moskau?
Putin würde sich über eine gesamteuropäische Armee freuen. Denn das würde Europa unabhängiger von der Nato und damit von den USA machen. Denn Russlands eigentlicher Antagonist ist nicht Europa, sondern sind die USA. Von Seiten der EU sind solche Töne daher eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit als Drohgebärde.

Würde eine europäische Armee also zwangsläufig die Nato schwächen?
Das wäre zumindest eine Gefahr. Nicht zu Unrecht fürchten die Amerikaner, dass dort geschaffene Parallelstrukturen Kräfte und Mittel binden. Außerdem ist für die USA der Abstimmungsprozess mit allen Nato-Verbündeten wichtig. Mit einer europäischen Armee hätten sie dann nur noch einen europäischen Ansprechpartner.

Warum werben dann jetzt so viele Entscheider wie die Minister Frank-Walter Steinmeier bis Ursula von der Leyen für die länderübergreifende Armee?
Wenn Politiker das tun, hat das immer etwas mit Geld zu tun. Wer allerdings glaubt, mit einer europäischen Armee durch Rüstungsschwerpunkte Geld zu sparen, irrt. Denn Kommandostrukturen aufzubauen und die notwendigen militärischen Fähigkeiten bereitzustellen, kostet. Und zwar nicht weniger als jetzt.

Es gibt ja schon einige enge länderübergreifende militärische Kooperationen, zum Beispiel die Deutsch-Französische Brigade. Die könnte man ausbauen.
Ja, aber die ist weniger ambitioniert, aber es ist schon viel erreicht worden. Aber auf dieser Ebene offenbaren sich bereits Probleme, die eine europäische Armee in viel stärkerem Maße hätte. Es gibt enorme politische Hindernisse für den Aufbau einer europäischen Armee.

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„Die Politik sollte aufhören, nur nach Ausflüchten zu suchen“

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  • Eine vereinigte Armee zu schaffen, setzt voraus, dass der Leidensdruck so hoch ist, auf kleinstaaterisches Gejammer zu verzichten. Dies geschieht meist in Zeiten in denen die Not am höchsten ist und in Zeiten einer Katastrophe. Als Beispiel dient der 11.09.2001. Bezogen auf unser Wirtschaftssystem kann man eigentlich nur sagen; WIr haben wieder endlich einen Gegner. Und die Russen werden das Spiel verlieren. Sie sind mutig, zeigt die Krim und die Ukraine, aber Hunde sind auch mutig! Sie werden mit ihrer unausgegorenen Politik der Expansion untergehen. Nicht durch die Waffen der Nato, oder durch innere Unruhen. Der Kapitalismus wird sie ins Grab geleiten, so wie er es bereits mit dem Ostblock tat!

  • @ Herr www. esdp-initiative.de

    >> Viel interessanter ist, dass eine EU Armee die Amerikaner ärgern würde >>

    Das halte ich für ein Gerücht.

    Was glauben Sie, mit welchen Waffen diese EU-Armee ausgerüstet wird, zumindest zum Großteil ? Die NATO hat doch alles im Griff.

    Die Ami-Militärbasen in Europa tun ihr weiteres !

  • Viel interessanter ist, dass eine EU Armee die Amerikaner ärgern würde, weil die ihren Machteinfluss verlieren würden, weil ein gemeinsames Europa nicht mehr von der US dominiterte Nato abhängig wäre.

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