Harald Schartau: Der Mann mit dem unpassenden Mantel
An Rhein und Ruhr brodelt es

Nach dem Rückzug Schröders aus der Parteispitze fordert NRW-Landeschef Harald Schartau Änderungen am Reformkurs. An Rhein und Ruhr brodelt es.

DÜSSELDORF. Harald Schartau meldet sich mit sonorem Bass übers Handy. Im Hintergrund kündigt eine Frauenstimme über Lautsprecher Abflugzeiten an. Es ist Samstagabend, kurz vor 19 Uhr, der Landesvorsitzende der SPD in Nordrhein-Westfalen wartet am Berliner Flughafen auf eine Maschine, die ihn nach Düsseldorf bringen soll. Vor wenigen Stunden hat der SPD-Bundesvorstand sich für Franz Müntefering als neuen Parteivorsitzenden ausgesprochen. Gerhard Schröder wird sich auf seinen Kanzlerposten „konzentrieren“, wie es in der offiziellen Parteisprache heißt.

Schartau spricht sich dafür aus, Teile der Reformen noch einmal zu überprüfen. „Es geht um die Wurst“, sagt er am Flughafen. Die Reformen müssten stärker von der Partei begleitet werden. Es gehe darum, „wie wir das Vertrauen in der Bevölkerung organisieren können“.

Wer seinem beruhigenden Timbre lauscht, könnte geneigt sein, zu glauben, dass alles gut wird. „Ich habe mir meinen Optimismus bewahrt“, sagt er.

Das Problem ist nur, dass sich diese Zuversicht nicht auf seine Landespartei überträgt, die bundesweit immerhin die größte ist. Die Sozialdemokraten und ihre Anhänger stecken an Rhein und Ruhr in einer tiefen Sinnkrise. Mehr als 10 000 Mitglieder kehrten der SPD dort im vergangenen Jahr den Rücken. Und es ist keineswegs ausgemacht, dass Schröders Teil-Demission der Basis ausreicht. Wolfgang Knop beispielsweise, Ortsvereinsvorsitzender Bochum-Grumme, zeigt sich zwar erfreut über den Wechsel an der Parteispitze, aber er fügt an: „Ich hätte auch kein Problem damit, wenn Gerhard Schröder als Kanzler zurücktreten würde. Reisende soll man nicht aufhalten. Franz Müntefering ist ein guter Mann, aber zu liberal geworden. Am vernünftigsten wäre es, wenn Oskar Lafontaine in die Bütt steigen würde.“

Am kommenden Samstag, zum Valentinstag, kandidiert Schartau auf einem Landesparteitag in Bochum erneut für den Vorsitz. Müntefering und Schröder haben ihr Kommen angekündigt. Schartaus Wiederwahl ist unstrittig.

Der 50-Jährige, der das Amt des Wirtschafts- und Arbeitsministers in NRW bekleidet, gilt als Sympathieträger, vor allem an der Basis. „Er redet wie der Mann um die Ecke. Mit ihm kann jeder sofort an die Theke gehen, das ist seine Stärke“, sagt der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Duisburg-Wanheim, Hartmut Ploum.

Seite 1:

An Rhein und Ruhr brodelt es

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%