Harry Voigtsberger
"Wir wollen den Atomausstieg"

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan diskutiert Deutschland über die Energiewende. Im Interview erklärt NRW-Wirtschaftsministerminister Harry Voigtsberger (SPD), warum er einen raschen Atomausstieg befürwortet.
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Herr Voigtsberger, RWE-Chef Jürgen Großmann und die Industrie stemmen sich gegen eine schnelle Energiewende. Sie warnen vor unüberlegten Schnellschüssen, die in keinem Verhältnis zum Handeln anderer EU-Staaten stünden. Haben Sie dafür Verständnis?

Harry Voigtsberger: Bereits mehrfach habe ich die großen Energieversorgungsunternehmen aufgefordert, die nach Fukushima unausweichliche energiepolitische Wende konstruktiv zu begleiten. Sie sollten sie auch als Chance für notwendige strategische Neuorientierungen betrachten. 

Bis wann ist ein Atomausstieg realistisch?

Wir wollen den Atomausstieg so schnell wie möglich und haben dazu bereits vor Fukushima entsprechende Initiativen gestartet. Wenn es ein stimmiges Energiekonzept und energiepolitischen Konsens über massive Investitionen in Erneuerbare und für eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung gibt, halte ich ein Ausstiegsdatum um 2018 für durchaus denkbar.

Macht es Sinn, wenn Deutschland der Atomenergie den Rücken kehrt, andere EU-Staaten aber weiter daran festhalten?

In ganz Europa, ja in der ganzen Welt macht man sich Gedanken über die Zukunft der Kernenergie. Deutschland und insbesondere NRW haben den Vorteil, das wir hier bereits besonders weit sind bei der Entwicklung eines intelligenten Energiemixes aus Erneuerbaren Energien und modernen Gas- und Kohlekraftwerken, die für eine lange Übergangszeit unverzichtbar sein werden. Wir haben die Technologie und die Kraftwerke, um eine atomenergiefreie Energiepolitik umzusetzen, die sowohl Versorgungssicherheit, Netzstabilität wie akzeptable Strompreise gewährleistet. Schon heute profitieren gerade Handwerk und Mittelstand vom Boom der Erneuerbaren Energien. Es wäre unverständlich, diesen Standortvorteil durch Warten auf andere Länder aufzugeben.

Für Unions-Politiker ist noch nicht ausgemacht, dass die acht abgeschalteten Anlagen nicht wieder ans Netz dürfen. Was heißt das für das Ziel, einen parteiübergreifenden Energiekonsens zu erreichen?

Wie nicht erst der Atomgipfel zeigt, ist die Kanzlerin seit Fukushima an einem energiepolitischen Konsens interessiert. Das Land NRW hat dazu mit seiner aktuellen Bundesratsinitiative klare Vorschläge gemacht. Wir fordern die  Bundesregierung auf, die Laufzeitverlängerung aufzugeben und zum rot-grünen Ausstiegskonsens zurück zu kehren. Darüber hinaus werden wir demnächst ein eigenes Energiekonzept vorlegen. Dazu gehören neben neuen Kraftwerksbauten, möglichst  mit  Kraft-Wärme-Kopplung, auch die Themen Energieeffizienz, energetische Sanierung, energieeffizientere Technologien und Werkstoffe. Dann wird sich zeigen, wie ernst es die Kanzlerin und  die Bundesregierung mit ihren Konsenswünschen meinen.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Harry Voigtsberger: "Wir wollen den Atomausstieg""

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  • Soviel Unsinn in einem einzigen Posting!
    Thermische Sanierung ist eine effektive Möglichkeit Energie zu sparen

  • http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Im-Mai-wird-der-Strom-knapp_aid_987514.html

  • Wenn sämtliche Politiker in Deutschland den Atomausstieg wollen und öffentlich verkünden, dann müssen sie auch die Hosen runterlassen und einmal Tacheles mit ihrem Wahlvolk sprechen.

    Ich meine in mehrerer Hinsicht:

    a) In welchem Zeitrahmen ist ein völliger Atomausstieg in D überhaupt realistisch?

    b) Welche Kosten kommen auf die Bürger zu?

    c) Welche Nachteile bringt für einige der Umstieg auf alternative Energien (z.B. Überlandautobahnen von Stromnetzen)?

    d) Wie will man den Widerstände vor Ort (gegen Stromleitungen, Biokraftwerke, Windräder etc.) begegnen? Hölt man die Planungsrechte der Nachbarn womöglich auf?

    Die Bürger sind das Souverän des Staates und haben ein Recht von den Politikern und Parteien über deren Entscheidungen und die dahinterliegenden Gründe vollständig informiert und aufgeklärt zu werden. Ansonsten haben die POlitiker ihre Aufgabe nicht richtig verstanden.

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