Deutschland

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Hartes Durchgreifen gefordert: Deutscher Export-Verband greift Italien frontal an

exklusivMit ungewöhnlich deutlichen Worten hat sich die deutsche Exportwirtschaft in die Euro-Debatte eingeschaltet. Verbandschef Börner dringt auf eine rasche Lösung der Probleme – notfalls gegen den Willen der Krisenländer.

Eine italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa
Eine italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

DüsseldorfDie schwelende Euro-Krise ist der deutschen Wirtschaft ein Dorn im Auge, zumal nach wie vor nicht absehbar ist, wann die anstehenden Probleme gelöst sein werden. Krisenländer wie Griechenland, Spanien oder Italien bleiben ein Risiko. Ihre Reformpolitik kommt nicht so voran, wie das die Euro-Länder erwarten. Italiens Regierungschef Mario Monti fordert gar beim Schuldenabbau mehr Hilfe von Deutschland. Und er verbindet dies mit einer unmissverständlichen an die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sollten Deutschland und die anderen Gläubigerstaaten nicht mehr Unterstützung für die Länder an der Peripherie der Eurozone zeigen, könnten die Wähler dort „heftige Gegenbewegungen“ anstoßen, sagte Monti in einem Interview mit der Zeitung „Financial Times“.

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Die Investoren könnten vor allem durch Eurobonds und eine Stärkung des Rettungsfonds besänftigt werden. Das würde auch die Zinsen für Staatsanleihen drücken. Es sei im eigenen Interesse Deutschlands, sich stärker dafür einzusetzen.

So bewertet S&P die Euro-Länder

  • Belgien

    Aktuelles Rating: AA

    Ausblick: negativ

  • Deutschland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: stabil

  • Estland

    Aktuelles Rating: AA-

    Ausblick: negativ

  • Finnland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Frankreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

  • Irland

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

  • Italien

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

  • Luxemburg

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Malta

    Aktuelles Rating: A-

    Ausblick: negativ

  • Niederlande

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Österreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

  • Portugal

    Aktuelles Rating: BB

    Ausblick: negativ

  • Slowakei

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: stabil

  • Slowenien

    Aktuelles Rating: A+

    Ausblick: negativ

  • Spanien

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: negativ

  • Zypern

    Aktuelles Rating: BB+

    Ausblick: negativ

Derlei Gedankenspiele schmecken der deutschen Wirtschaft nicht. Kein Wunder also, dass sich nach den euroskeptischen Äußerungen von Linde-Chef Wolfgang Reitzle vom Wochenende nun auch der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, offen für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zeigt, sollten sich Krisenländer wie Italien harten Reformen verweigern. „Die Tatsache, dass wir vom Euro massiv profitieren, bedeutet nicht, dass wir uns auf jeden politischen Kuhhandel einlassen dürfen, nur um die Gemeinschaftswährung zu retten“, sagte Börner Handelsblatt Online. Deutschland kämpfe für den Euro, weil sein Scheitern einen „massiven ökonomischen Preis kosten würde und unkalkulierbare politische Folgen hätte“. Ein Euro-Aus bedeute nicht weniger, „als die Schleusen zu fluten zur Renationalisierung und Protektionismus“, sagte der BGA-Chef. „Am Ende steht die Balkanisierung und Marginalisierung Europas.“

Montis Reform- und Sparpaket

  • Steuern

    Eine unter Silvio Berlusconi abgeschaffte Immobiliensteuer wird in angepasster Form wieder eingeführt und soll insgesamt zehn Milliarden Euro einbringen. Steuern für Luxusgüter wie Jachten, Privatflugzeuge oder Sportwagen werden erhöht. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte ab September 2012 behält sich die Regierung als Option vor. Vermögen, welches im Rahmen einer Amnestie für Steuersünder zurück nach Italien
    gelangt, wird einmalig mit 1,5 Prozent besteuert. Auch Bankkonten, Aktien und andere Finanzinstrumente werden mit einer Abgabe belegt.

  • Staatsausgaben

    Eine Reihe von Behörden und Ämtern soll abgeschafft werden. Gewählte Amtsträger in den Provinzregierungen erhalten kein Gehalt mehr und Räte sollen auf zehn Personen begrenzt werden.

  • Renten

    Ab 2012 sind die eingezahlten Beiträge und nicht mehr das letzte Gehalt die Grundlage für die Berechnung der Altersversorgung. Die jährliche Inflationsanpassung fällt künftig für Pensionen von mehr als 936 Euro pro Monat weg. Eine Sonderreglung, welche die Verrentung nach 40 Arbeitsjahren ungeachtet des Alters ermöglicht, wird angepasst. Männer müssen künftig 42 Jahre gearbeitet haben und mindestens 66 Jahre alt sein. Frauen können nach 41 Arbeitsjahren mit frühestens 62 Jahren in den Ruhestand gehen. Für beide Geschlechter soll es Anreize geben, ihre Arbeit bis 70 fortzusetzen.

    Bei den Renten im Privatsektor, die unabhängig von den Arbeitsjahren gezahlt werden, soll das Eintrittsalter bei den Frauen von derzeit 60 auf 66 Jahre bis 2018 angehoben werden. Bereits im kommenden Jahr gilt für Frauen die Marke 62, für die Männer 66 Jahre.

  • Steuerhinterziehung

    Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung werden Bargeldzahlungen über 1000 Euro verboten. Der Zahlungsverkehr in Behörden muss elektronisch abgewickelt werden und kleine Unternehmen und Handwerker sollen mit Steuervergünstigen dazu bewegt werden, ihre Einnahmen zu melden.

  • Wettbewerb

    Die Befugnisse der Kartellbehörden werden ausgeweitet und die Ladenöffnungszeiten ausgedehnt. Apotheken verlieren einige Privilegien beim Verkauf von nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten und Gesetze zur Regulierung des Transportgewerbes werden gelockert.

  • 18.01.2012, 14:09 UhrMarioC68

    La Germania ha nel DNA il desiderio di distruggere l'europa, lo fa periodicamente da 2.100 anni a questa parte. Purtroppo gli altri ogni 40/50 anni se ne dimenticano pensano che i tedeschi siano cambiati e si convincono che una gita in montagna con loro sia opportuna, si legano a corda doppia a loro e ....finiscono inesorabilmente nel burrone.

    Questa esperienza sarà salutare dopo l'europa capirà che la Germania in caso di necessità non solo non aiuta ma si muove per peggiorare le cose magari prendendo a prestito denaro al 2% per prestarlo alla Grecia al 6% come uno strozzino. Che promette solidarietà solo per dar tempo alle sue banche di vendere i titoli degli altri e metterli in difficoltà.

    Per fortuna questa volta invece di uccidere qualche milione di persone con le armi si sta limitando ad affamarle, è già un piccolo progresso...

    Per almeno i prossimi 40/50 saremo vaccinati e terremo la Germania lontana e questa è una buona notizia, ...poi il rischio di dimenticarsene ci sarà di nuovo purtroppo...

    Mario Carossi

  • 18.01.2012, 08:13 UhrAdolf

    @ PisaPisa,
    wir haben Geld, wie ich höre, obwohl ich persönlich keins habe.
    Übrigens, wer ist "Wir"?
    Wir Männer, Wir Frauen, Wir Weiße, Wir Katholiken.................?
    Gute Frage

  • 18.01.2012, 08:09 UhrAdamRies

    @ Miss_Trauen,
    Sie sind naiv, es gibt so um die 80 Millionen Michel und jeder denkt anderes.
    Der deutsche Geldadel, über die deutsche Medien die nur auf dem Papier Pressefreiheit genießen, aber in Wirklichkeit vom deutschen Geldadel, wegen der Werbeeinnahme die dessen Überleben erlauben abhängig sind, hat das Sagen.
    Ergo, nicht die 80 rund Million deutsche Michel bestimmen wo es lang geht, sondern der deutsche Geldadel führt Regie.
    So lange für den deutschen Geldadel der Euro vom Vorteil ist, werden wir eben den Euro behalten.
    Es gibt unter denen schon ein paar Abweichler, die aber kaum eine Rolle spielen und die nur als Drohgebärde gegen andere Euroländer geduldet werden.
    Sollten Sie nicht zum Geldadel gehören, haben Sie nicht zu sagen. Basta!

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