Hartz IV lässt Bürger und Journalisten zu Wortakrobaten werden
"Hart, härter, Harz"

Hartz ist in aller Munde. Bürger und Journalisten dichten munter drauflos. Die Verballhornung von politischen Namen sei jedoch ganz normal, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Begem. Die Gefahr sei aber, dass der Inhalt hinter dem Schlagwort verschwindet.

HB Hamburg. Das „Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ sagt kaum jemandem etwas, unter Hartz IV aber erregt das Gesetz dagegen die Gemüter. Der Ärger bricht sich dabei in Dutzenden Wortspielen und Verballhornungen Bahn. Zeitungen schreiben von „Hartzlosen Bürokraten“, Billig-Brötchen werden in Berlin schon mal „Hartz IV-Schrippen“ genannt, und Demonstranten bekunden trotzig: „Ich lass mich nicht verhartzen."

Während ihre Auswirkung auf den Jobmarkt noch umstritten ist, beweist die Reform auf einem anderen Feld längst durchschlagende Kraft: Sie belebt die politische Wortproduktion wie kein anderes rot-grünes Projekt zuvor. In Berlin verlangte eine linke Gruppe „Marx statt Hartz“, in Leipzig spielte ein Spruchband mit der Angst vor dem Kollaps: „Hartz- Infarkt ist tödlich."

Der Slogan „Nieder mit Hartz IV - das Volk sind wir“ erinnert an die Montagsdemonstrationen in Leipzig von 1989. Zu Wortspielen waren auch die Demonstranten aufgelegt, sie dichteten: „Wir wollen kein Hartz IV - Arbeitsplätze wollen wir“. Weitere Ideen der Demonstranten: „Har(t)z - das war einmal ein Ferienziel“ oder „Hartz ist nur Käse“.

Wo die Bürger kreativ werden, wollen auch die Journalisten nicht zurückstehen: Die „Süddeutsche Zeitung“ bietet auf ihren Wirtschaftsseiten die Rubrik „Hartz-Lexikon“ an und schreibt über den „Homo Hartziensis“. Das Wirtschaftsmagazin „markt“ im NDR Fernsehen schickt eine Lübeckerin vier Wochen auf „Hartz-Diät“. Und die Berliner „tageszeitung“ bereicherte die deutsche Sprache um die neue Steigerungsform „Hart, Härter, Hartz“.

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