Hauptanwalt nach Unfall lebensgefährlich verletzt
Motassadeq-Prozess wird eine Woche unterbrochen

Im Prozess gegen den als mutmaßlichen Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 angeklagten Mounir el Motassadeq hat die Verteidigung am Dienstag die Aussetzung des Verfahrens beantragt, damit sich ein neuer Anwalt in die Akten einarbeiten kann.

HB HAMBURG. Der Prozess gegen den Marokkaner Mounir el Motassadeq wird entsprechend für eine Woche unterbrochen, um einem neuen Anwalt Zeit zur Einarbeitung in den Fall zu geben.

Um eine angemessene Verteidigung sicher zu stellen, reiche eine Unterbrechung des Prozesses bis zum 7. September aus, entschied das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg am Dienstag. Zugleich wies es einen Antrag der Verteidigung auf eine Aussetzung des Verfahrens ab. Eine Aussetzung hätte bedeutet, dass der Prozess neu hätte aufgerollt werden müssen. Für den am Samstag mit dem Motorrad verunglückten Verteidiger Josef Gräßle-Münscher springt der Rechtsanwalt Gerhard Strate ein, der Motassadeq bereits in seinem Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof vertreten hatte.

Gräßle-Münscher schwebt nach den Worten seines Kollegen Udo Jacob seit einem Motorrad-Unfall vom Samstag in Lebensgefahr. Beide Rechtsanwälte hatten Motassadeq bisher gemeinsam verteidigt. Der Marokkaner ist erneut wegen Beihilfe zum Mord an über 3 000 Menschen und wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Im neuen Prozess gegen Motassadeq hatte das Gericht bisher sechs Tage verhandelt und an vier davon auch Zeugen vernommen. Durch die Unterbrechung fallen zwei Verhandlungstage aus, für die Zeugenvernehmungen angesetzt waren. Um Strate die Einarbeitung zu erleichtern, ist das Gericht nach den Worten des Vorsitzenden Richters Ernst-Rainer Schudt auch in den kommenden Wochen bereit, Vernehmungstermine falls nötig zu verschieben.

Motassadeq war im vergangenen Jahr als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen in Washington und New York zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber später mit der Begründung auf, dass möglicherweise entlastende Zeugenaussagen nicht berücksichtigt wurden. Im April 2004 kam Motassadeq daraufhin unter Auflagen aus dem Gefängnis frei. Das Verfahren gegen ihn wird nun vor einem anderen Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamburg neu aufgerollt.

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