Hauptstadtflughafen BER Stühlerücken im Aufsichtsrat

Das Kontrollgremium der Berliner Flughäfen tritt am Nachmittag zu einer Sondersitzung zusammen. Für Berlin ziehen ein Kultur- und Justizsenator in den Aufsichtsrat ein. Der Ruf nach Fachleuten in dem Gremium wird lauter.
Update: 07.02.2017 - 15:28 Uhr 3 Kommentare
Hat der Flughafenchef die Baustelle im Griff? Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld

Hat der Flughafenchef die Baustelle im Griff?

(Foto: dpa)

BerlinDer Aufsichtsrat der Berliner Flughäfen ist in den vergangenen Jahren mehrfach umstrukturiert worden. Jetzt gibt es abermals einen Anlauf, das Gremium neu zu besetzen – weil die Mitarbeiterzahl gestiegen ist und weil es in Berlin nach den Landtagswahlen im vergangenen Herbst einen neuen Senat gibt. Das Gremium mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) an der Spitze kontrolliert auch den Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER, bei dem es zuletzt zu weiteren Verzögerungen gekommen war. Die Verantwortlichen gaben bereits das Ziel auf, den Flughafen noch 2017 in Betrieb zu nehmen. Im Frühling soll ein neuer Termin genannt werden.

Das Management um BER-Chef Karsten Mühlenfeld scheint die Probleme auf der Baustelle noch immer nicht im Griff zu haben. Hunderte Türen lassen sich nicht ordnungsgemäß elektronisch steuern und die Sprinkleranlage arbeitet auch nicht richtig. Auch das wird heute Thema auf der Sondersitzung des Aufsichtsrats sein – neben seiner Neubesetzung. Die Arbeitnehmervertreter sind künftig mit zehn statt mit fünf Kontrolleuren im Gremium vertreten, weil die Belegschaft des Flughafens auf mehr als 2.000 Mitarbeiter gestiegen ist. Damit erhält der Flughafen einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat. Die anderen zehn Sitze verteilen sich auf die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und den Bund.

Nach den Wahlen in Berlin musste sich die neue rot-rot-grüne Regierung einigen, wer für das Land neu in das Gremium einzieht. Inzwischen steht fest: Den Job übernehmen Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Müller bleibt Aufsichtsratschef, auch Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup behält seinen Sitz.

Mit der Forderung, unabhängige Experten in den Aufsichtsrat zu entsenden, konnten sich die Grünen nicht durchsetzen. Um die neu gebildete Koalition nicht weiter zu belasten, gaben sie schließlich klein bei. Beobachter bezweifeln indes, dass der Aufsichtsrat damit besser aufgestellt ist. Wiederholt wurde beklagt, dass im Gremium kein einziger Fachmann sitzt, der praktische Erfahrung mit Großprojekten dieser Art hat, sondern nahezu ausschließlich Politiker auf der Kapitalseite.

„Dass abermals die Gelegenheit verpasst wird, dass externer Sachverstand in den Aufsichtsrat einzieht, ist eine Ignoranz vor der Aufgabe und dem Steuerzahler“, kritisiert Manuel René Theisen, BWL-Professor und geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“. „Es geht doch hier nicht um eine temporäre Krise“, sagte Theisen dem Handelsblatt. „Wir haben hier einen der schlimmsten Versagensfälle der Republik. Das Zusammenwirken von Geschäftsführung und Aufsichtsrat funktioniert überhaupt nicht. Und trotzdem bringt niemand den Mut auf, in den Aufsichtsrat zumindest ein Fünkchen Sachverstand zu bringen.“ Das zeige, dass es nicht um die Sache gehe, sondern rein um politische Interessen. Die Arbeitnehmervertreter, die vor allem die Belegschaftsinteressen im Fokus haben, hielten sich bislang bei den BER-Problemen eher zurück.

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Auf der Baustelle geht es unterdessen in Trippelschritten weiter. Das so genannte BER-Barometer, das den Fortschritt misst, stagnierte Ende des Jahres bei 80 Prozent, heißt es im aktuellen Politikbrief des BER-Chefs. Am Montag erst bestellte Berlins Regierender Bürgermeister unter anderem das Unternehmen Bosch ins Rote Rathaus, das zuvor für schuldig befunden wurde, für die nicht ordentlich arbeitenden Türen verantwortlich zu sein. Bosch weist die Vorwürfe zurück. Bei den Türen handele es sich um ein sehr komplexes System, heißt es in einer Stellungnahme. Es umfasse bis zu neun unterschiedliche Gewerke und funktionale Anforderungen in mehr als 100 verschiedenen Kombinationen.

Bosch ist für vier der neun Gewerke zuständig: die Fluchttürsteuerung, die Zutrittskontrolle, die Einbruchmeldeanlage sowie in Teilen für die Gebäudefunktionssteuerung. „Unsere vertraglichen Leistungspflichten haben wir stets eingehalten“, heißt es. „Wenn von uns verantwortete Gewerke nicht planmäßig fertiggestellt werden konnten, lag dies an fehlenden baulichen Vorleistungen, fehlenden Planungsunterlagen oder kurzfristigen Änderungen von Vorgaben.“

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3 Kommentare zu "Hauptstadtflughafen BER: Stühlerücken im Aufsichtsrat"

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  • Da haben sie in Berlin ja mal wieder echte Profis in den BER-Aufsichtsrat geholt.

    Von Wirtschaft keine Ahnung aber überall dabei sein!

    Dann können wir jetzt davon ausgehen, dass der Hauptstadt-Flughafen-Bau weitere 10 Jahre dauert ...?

  • Drain the swamp!

  • Ran, an die Fleischtöpfe!

    Es gibt viel zu holen, greifen wir zu!

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