Hauptstadtflughafen
BER – Projekt der vergebenen Chancen

„Wir brauchen Professionalität an der Spitze des Aufsichtsrates“

„Ginge es allein um die Suche nach der optimalen Luftverkehrslösung, hätte der Vorschlag Charme: Da die Kapazitäten des BER zur Eröffnung schon mehr als ausgereizt sind, bliebe Tegel ergänzend geöffnet“, kommentierte IW-Experte Röhl den Vorstoß. Zumal international keine Hauptstadt von der Größe Berlins nur einen Flughafen habe.

Doch realistisch sei der Weiterbetrieb von Tegel nicht, so Röhl, da die Genehmigung des BER am Standort Schönefeld an der Schließung Tegels hänge. Zudem besitze der BER ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten. „Die Politik scheut sich allerdings, jetzt die Planung für einen zweiten Terminalriegel für 20 Millionen Passagiere zu starten, da die Kosten schon für die Fertigstellung des Hauptterminals vollkommen aus dem Ruder gelaufen sind“, stellt der Ökonom fest. Auch für eine dritte Start- und Landebahn, die seiner Einschätzung nach in etwa zehn Jahren benötigt wird, wäre südlich des BER-Standorts Platz. Durch eine solche „Startbahn Süd“, die in dünn besiedelte Regionen Brandenburgs ausgerichtet sei, könne die Fluglärmbelastung dann „drastisch“ reduziert werden, ist Röhl überzeugt.

In der Politik ist die Option, Tegel länger geöffnet zu halten, indessen noch nicht vom Tisch. Der Vize-Vorsitzende der Berliner CDU, Frank Steffel, schloss einen Weiterbetrieb jedenfalls nicht grundsätzlich aus, sofern sich beim neuen Hauptstadtflughafen BER Kapazitätsengpässe abzeichneten.

„Es darf nach dem Planungs-, Finanz- und Eröffnungschaos am BER nicht noch ein Betriebschaos hinzukommen. Ziel muss es sein, eine optimale Anbindung an den internationalen Flugverkehr dauerhaft zu gewährleisten“, sagte Steffel dem Handelsblatt. Daher müsse man auch „Hinweise auf eine mögliche Überlastung ernst nehmen und sorgfältig prüfen, damit nach Inbetriebnahme kein Betriebschaos entsteht“. Hier sei insbesondere der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Müller in der Pflicht.

Flughafen-Berlin-Kosten.de

Dagegen schloss Steffels Parteifreund, der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, einen Weiterbetrieb des Flughafens Tegel aus. Allein aus rechtlichen Gründen sei es nicht möglich, Tegel offenzuhalten. „Umso wichtiger ist es, dass der BER endlich auf die Erfolgsspur kommt.“ Wegner rief daher den Regierenden Bürgermeister und BER-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) zu mehr Engagement für das Projekt auf. „Wir müssen schleunigst Verlässlichkeit und Vertrauen in das wichtigste Infrastrukturprojekt der Region bringen. Anderenfalls werden potenzielle ebenso wie ansässige Investoren unwiederbringlich auf andere Standorte ausweichen“, sagte Wegner dem Handelsblatt. „Deshalb brauchen wir dringend Fachexpertise und Professionalität an der Spitze des Aufsichtsrates.“

Ein „einfaches Weiter so“ dürfe es nicht geben, sagte Wegner weiter. „Es geht nicht nur um viel Geld, sondern längst auch um das Ansehen Berlins.“ Es sei daher „essenziell, jetzt alle Kräfte zu bündeln und sich für einen starken, wirtschaftlich erfolgreichen Flughafen mit ausreichender Kapazität und internationalen Streckenverbindungen einzusetzen“.

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