Haussanierung: Der Traum vom emissionsfreien Leben kostet viel Geld

Haussanierung
Der Traum vom emissionsfreien Leben kostet viel Geld

Das Energiekonzept der Bundesregierung birgt ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2050 sollen sämtliche Hausbesitzer im Land ihr Eigentum so sanieren, dass Wohnen de facto keine Emissionen mehr verursacht. Das Problem: Für entsprechende Förderprogramme fehlt Geld. Warum eine konkrete Umsetzung der Ziele an Mut- und Ratlosigkeit scheitern könnte.
  • 4

BERLIN. Das zumindest haben Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Energiekonzept der Bundesregierung festgeschrieben, dessen Eckpunkte Ende des Monats das Kabinett beschließen soll. Der für Gebäudesanierung zuständige Bauminister, Peter Ramsauer (CSU), indes zeigt sich wenig begeistert: Weder hat er das Geld, um entsprechende Förderprogramme aufzulegen, noch glaubt er an das Ziel: "Ich halte es für Eigentümer von Bestandsimmobilien für unzumutbar, bis 2050 einen solchen Standard zu garantieren", sagte er dem Handelsblatt.

Wegen des Sparpakets wollte Ramsauer das Gebäudesanierungsprogramm eigentlich auslaufen lassen. Nach Angaben der Immobilienwirtschaft wurden jährlich mit durchschnittlich 1,5 Mrd. Euro rund 1,8 Prozent der Gebäude saniert. Nun will die Bundesregierung die Quote auf zwei Prozent anheben. Ramsauer müsste also sein Programm aufstocken. "Es reicht nicht aus, Ziele zu definieren und sie nicht mit Instrumenten zu unterlegen", klagte der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler.

Vieles ist offen - sogar die Zuständigkeit. "Wir haben nicht die Federführung", heißt es im Bauressort. "Wir nehmen dem Bauminister kein Thema weg, wir beschaffen ihm Geld", erklärte hingegen Röttgens Sprecherin. Die Brennstoffsteuer, die Energieabgabe und der Emissionshandel brächten Geld ein, um entsprechende Förderprogramme aufzulegen. "Mit einem Teil der 2,3 Milliarden Euro aus der Kernbrennstoffsteuer könnten wir die energetische Gebäudesanierung aufstocken", sagte Ramsauer

Seite 1:

Der Traum vom emissionsfreien Leben kostet viel Geld

Seite 2:

Kommentare zu " Haussanierung: Der Traum vom emissionsfreien Leben kostet viel Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • [2] Peter, richtig, es sind Chaoten.

    "Also haben viele das Fenster angekippt und futsch war die große Einsparung."
    Nebeneffekt ist, die Konvektion wird unterbunden und eine Tiefenlüftung bleibt aus.
    Richtig Lüften heißt Querlüften, auf der Diele muß sich das bemarkbar machen.
    besser ist allerdings Zwanslüftung mit Wärmerückgewinnung.

  • [1] Ron777,

    "Wir ummanteln Altbauten mit Riesendämmschichten. Feuchtigkeit und Schimmel entstehen, wenn nicht täglich vielfach gelüftet wird. Keiner will sehen, dass am Ende genauso viel Energie durch das Lüften verloren geht."
    Ja, dann ist erst einmal die denkmalgeschützte Fassade futsch oder innen angebracht, ein Teil der vermietbaren Fläche.
    10 cm Fassadendämmung hat einen PEi von 70 kWh und kostet erst einmal Energie. Da es sich nur um Laborwerte handelt und Dämmungen die Umgebungsfeuchte aufnehmen, stimmt natürlich und schließlich keine Wärmebedarfsberechnung. innendämmungen haben einen außerordentlich hohen Herstellungsaufwand durch anschließende innenwände und Decken, die nicht ungedämmt bleiben können. Dampfsperren gehören dazu. innenstuck muß versetzt werden. Und was ist dann?
    Es ist wie mit dem Kaffee in der Thermoskanne.
    Damit Nutzer nicht an ihren eigenen Ausdünstungen verblöden, ist eine Luftwechselrate von 0,5 angesagt.
    D.h. die Raumluft soll alle 2 Stunden komplett ausgetauscht werden. Wird die Lüftungszeit überzogen, dann müssen auch alle bauteile und Einrichtungen wieder aufgeheizt werden.
    Und wenn man alles richtig gemacht hat, dann kommt der Heimwerker mit seinem Projekt und bohrt und bohrt und bohrt, bis alle Dämmungen und Dampfsperren durchsiebt sind und seine boxen, Lampen, Regale, Vorhänge usw. richtig sitzen.

    Diese Einsicht ist unseren Vormündern nicht gegeben.
    Räume müssen klimatisiert werden!

    Und betrachtet man die Wirkung auf eine sich fortentwickelnde Gesellschaft mit völlig neuen Ansprüchen, so ist die Konservierung kaiserzeitlicher Lebensart das Hauptproblem.
    in den Fabrikhallen verpufft die Wärmeenergie, in den Wohnungen wird sie gebraucht und zwischen beiden rollt der Verkehr. Der dafür notwendige Energieaufwand, ob E-Mobil oder benzinkutsche, ist gleich.
    Werden Kinder an Hauptverkehrsstraßen künftig durch zusätzliche Wärmedämmungen weniger Asthma-Erkrankungen zu erleiden haben?
    Werden durch den Aufwand Mieten billiger? Oder wird der Sozialstaat etwa finanzierbarer? Nein!
    Nationen, die neu bauen, werden uns überholen!

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Chaoten!
    Hier will sich jemand profilieren. ich erinnere mich sehr gut an die Diskussionen um die Außendämmung mit Styropor Anfang der neunziger Jahre. Angefangen hatte man mit Schichten von 4 bis 6 cm, und es hieß immer, der Taupunkt liege in der Dämmung, es könne nichts passieren. Nicht lange darauf kamen die ersten Klagen über Schimmel. Der Schwarze Peter wurde den bewohnern zugeschoben, die nicht richtig lüften würden. Alle paar Stunden solle man für fünf bis zehn Minuten Stoßlüften. Keiner der Spezies, die das erfunden haben, dachte dabei daran, dass moderne Fenster mit Kompriband und Montageschaum luftdicht eingepasst werden und in einem Schlafzimmer üblicher Größe nach einigen Stunden die Luft knapp wird. Da sollte dann der Mieter nachts um drei aufstehen und stoßlüften. Falls er nicht ohnehin gerade beim Stoßen und Lüften war hätte er sich einen Wecker stellen müssen oder wäre vom Sauerstoffmangel aufgewacht. Also haben viele das Fenster angekippt und futsch war die große Einsparung.
    Was ich damit sagen will ist folgendes:
    Gebäudeeigentümer weiteren Anreiz zu geben, Energie zu sparen, ist eine sehr gute Sache. Die Einführung des Energieausweises war eine wirklich gute idee, dem Mieter oder Käufer einer immobilie eine energetische Einschätzung der Wohnung oder des Gebäudes an die Hand zu geben, mit der er u.a. über den Kaufpreis oder die Kaltmiete verhandeln konnte. Null-Emmission im bestand schießt zweifelsohne weit über das Ziel hinaus. Hier muss ein sinnvoller Kompromiss gefunden werden zwischen dem, was wirtschaftlich machbar ist und bezahlbar bleibt. Oder wollen wir wirklich alle Jugendstilfassaden unter 30 cm Styropor verschwinden lassen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%