Heimlicher SPD-Kanzlerkandidat
Die Steinbrück-Show wird zum Flop

Es sollte seine Woche werden, doch die Bilanz fällt ernüchternd aus: Beim SPD-Parteitag lassen die Genossen Peer Steinbrück auflaufen. Gefeiert wird er nur abseits der Politik. Der Kanzlerkandidatur kommt er nicht näher.
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DüsseldorfPeer Steinbrück hat gute Laune, und die will er sich an diesem Abend nicht vermiesen lassen. An die Sache mit dem Doktor müsse er sich erst noch gewöhnen, aber immerhin müsse er keine nachträgliche Überprüfung seiner wissenschaftlichen Leistung befürchten, sagt er und grinst. „Das macht mich politisch weniger angreifbar.“

Gerade eben hat ihm die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität die Ehrendoktorwürde verliehen. „Für herausragende Leistungen bei der Umsetzung ökonomischer Kenntnisse in der wirtschaftlichen und politischen Praxis“, wie Laudator Justus Haucap betont. Dann zählt er die Leistungen des früheren Finanzministers auf: Er steuerte Deutschland mit ruhiger Hand durch die Finanzkrise, widerstand den amerikanischen Rufen, die Konjunktur mit noch mehr Schulden anzukurbeln, setzte sich für den Subventionsabbau ein und schloss Steuerschlupflöcher für Besserverdiener.

Steinbrück hört diesen Worten andächtig zu. Er gebe zu, dass diese Ehrung seiner Eitelkeit schmeichle, sagt er schließlich. Kein Wunder: So viel Beifall hat der Ex-Finanzminister lange nicht bekommen, schon gar nicht aus den eigenen Reihen - obwohl er sich am Dienstag mächtig dafür ins Zeug gelegt hatte. In einer denkwürdigen Rede vor den Delegierten auf dem SPD-Parteitag in Berlin warf er Angela Merkel fehlendes Verständnis für Europa vor. Die Kanzlerin schüre mit negativen Begriffen wie Transferunion oder Haftungsgemeinschaft Ressentiments, anstatt eine dringend notwendige neue europäische Erzählung zu entwerfen. „Europa ist nicht Physik“, rief Steinbrück den Delegierten zu – doch der einkalkulierte Jubel blieb aus.

Auch die schweren innenpolitischen Geschütze, die er auffuhr, verfehlten ihre Wirkung: Die geplanten Steuersenkungen geißelte er als „fiskalpolitischen Schwachsinn“, die Einführung eines Mindestlohns als „schamlosen Betrug“, das Betreuungsgeld als „dämliche und skandalöse Fernhalteprämie“. Steinbrück gab alles, aber die Sozialdemokraten spendeten nur Pflichtapplaus.

Selbst mit seiner Hommage an den großen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt und an dessen Freiheitsideal, das ihn selbst einst in die Partei geführt habe, konnte Steinbrück nicht punkten. Die Delegierten blieben zurückhaltend. Den Beifall bekam er am Ende nur, weil Parteichef Sigmar Gabriel ihn zusammen mit Frank-Walter Steinmeier noch einmal auf die Bühne zerrte.

Anders in Düsseldorf: Hier jubeln die gut 700 Studenten und Gäste schon stürmisch, als der frühere Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens den schmucklosen Hörsaal betritt. Einer der Würdenträger in der ersten Reihe springt sogar begeistert auf, dabei hat der frischgebackene Ehrendoktor noch gar nichts gesagt.

Über die Wirtschaftspolitik der kommenden zehn Jahre soll er dozieren. Aber Steinbrück glaubt, dass man über dieses Thema gar nicht mehr sprechen müsse, wenn man die aktuellen Turbulenzen nicht in den Griff kriege.

Kommentare zu " Heimlicher SPD-Kanzlerkandidat: Die Steinbrück-Show wird zum Flop"

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  • ...Sie sagen es: "veraltete Sprachregelung"...Sprache und damit die Bedeutung von Ausdrücken verändert sich. Ich unterstelle Ihnen mal, dass auch Sie im 21. Jahrhundert angekommen sind.

  • Sie hatten doch nach Sachverhalten über Steinbrück gesucht, oder sind Sie vielleicht Linguist? Dann kann ich das Wort Depp auch durch Idiot ersetzten: Nach veralteter Sprachregelung sind das Laien oder Ungelehrte!! Trifft das auf die Düsseldorfer Deppen etwa eher zu?

  • Ich zitiere mal "Anonymer Benutzer: Humanist":

    "Wenn diese Deppen aus Düsseldorf, ich nehme mal Karnevalsrausch an, den zum Ehrendoktor erkären, mag es ja noch hinkommen; wenn der nur nicht wieder in der Politik auftaucht."

    Was soll dieser unflätige Sprachgebrauch? Ich dachte es gäbe Regeln im Kommentarforum?

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