Heiße Phase der Lohnrunde
Chemie-Tarifparteien stellen die Weichen

Die Tarifverhandlungen für die Chemie-Industrie gehen in die entscheidende Runde. Trotz eines ungewöhnlich harten Kampfes wird eine Annäherung und schnelle Einigung erwartet. Scheitern die Verhandlungen jedoch, kann dies viel Aufregung nach sich ziehen.

BERLIN. In den Tarifverhandlungen für die 550 000 Beschäftigten der Chemie-Industrie fällt heute eine wichtige Entscheidung für den Verlauf der gesamten Lohnrunde 2007. Trotz einer für Branchenverhältnisse ungewöhnlich harten Konfrontation bemühen sich die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), bis zum Abend einen Tarifabschluss zu erzielen. Darauf deuten Signale beider Seiten im Vorfeld der Gespräche in Lahnstein hin. Es wäre der erste große Abschluss 2007.

Sollten die Chemie-Tarifparteien heute scheitern, könnte dies nicht nur die Tradition der Sozialpartnerschaft in der Branche gefährden. Es wäre auch ein kritisches Vorzeichen für andere Tarifrunden: Die Verhandlungen für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie starten am kommenden Montag in Gelsenkirchen, am Dienstag treffen sich die Tarifparteien der Bauwirtschaft zur dritten Verhandlungsrunde.

In der Chemie-Industrie hatte die IG BCE nach einer vergeblichen Runde im Februar ihre Mitglieder erstmals seit Jahren für Protestaktionen mobilisiert. Zudem hatte Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt über ein förmliches Scheitern der Verhandlungen spekuliert – eine Situation, die es in der Branche seit 1994 nicht mehr gegeben hat. Auslöser der aktuellen Konfrontation waren Drohungen mittelständischer Arbeitgeber, sie würden bei einem zu hohen Abschluss aus dem Flächentarif aussteigen. Darin sah die IG BCE einen Angriff auf das Fundament der Chemie-Tarifpolitik, die bereits seit den 80er-Jahren auf Korridore und Öffnungsklauseln für betriebliche Differenzierungen baut.

In der Sache streiten die Tarifparteien vor allem darüber, ob die Lohnsteigerung 2007 höher ausfallen darf als die vorangegangene aus 2005. Damals bekamen die Beschäftigten eine dauerhafte Erhöhung von 2,7 Prozent. Hinzu kam eine Zahlung im Volumen von 1,2 Prozent, die aber auf die 19-monatige Laufzeit befristet war und zudem je nach betrieblicher Situation gekürzt werden konnte.

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