„Held von Mogadischu“ Früherer GSG-9-Chef Ulrich Wegener gestorben

Ulrich Wegener baute in den 1970er-Jahren die GSG 9 auf, die mit dem Einsatz bei einer Flugzeugentführung im somalischen Mogadischu berühmt wurde. Jetzt ist der Terrorismus-Experte gestorben.
Update: 03.01.2018 - 17:05 Uhr Kommentieren
Der erste Kommandeur der Antiterrorismuseinheit GSG 9 verstarb im Alter von 88 Jahren.
Ulrich Wegener

Der erste Kommandeur der Antiterrorismuseinheit GSG 9 verstarb im Alter von 88 Jahren.

BerlinDer 40. Jahrestag der Befreiung der von Terroristen gekaperten „Landshut“ 2017 hat den „Helden von Mogadischu“ wieder ins Gespräch gebracht. 1977 befreite der erste Kommandeur der Spezialeinheit GSG 9 in der somalischen Hauptstadt mit seiner Elitetruppe die Passagiere und Besatzungsmitglieder aus dem Flugzeug. Dabei tötete er zwei der vier palästinensischen Terroristen selbst. „Der größte Triumph ist für mich bis heute, dass wir alle Geiseln lebend befreien konnten“, sagt Wegener 2009. Der Flugkapitän Jürgen Schumann war zuvor bei einem Zwischenstopp im Jemen erschossen worden. Acht Jahre später begrüßt Wegener noch die letzte Reise der abgewrackten „Landshut“ von Brasilien nach Friedrichshafen. Hier soll sie ausgestellt werden. Nun ist Wegener gestorben.

Schmales Gesicht, markante Nase, weiße Haare: Der frühere Polizeioffizier ist 88 Jahre alt geworden. Jahrzehntelang lebte Wegener im rheinland-pfälzischen Windhagen nahe Bonn. „Wenn er in seiner aktiven Zeit nach Hause kam, wurde das Dorf an allen Enden abgeriegelt“, erzählt der Windhagener Landtagsabgeordnete Erwin Rüddel (CDU). „Wenn die Beamten abgezogen waren, kam er wieder raus und ging mit seinem Hund spazieren.“ Wegener sei auch im Ruhestand in seinem Windhagener Einfamilienhaus dicht an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen geblieben: „Die Nachbarn haben ihn als angenehm, ruhig, zurückhaltend und bescheiden wahrgenommen.“

Nie vergessen hat Wegener, Vater zweier Töchter und in seinen letzten Lebensjahren verwitwet, das Olympia-Attentat von 1972 in München. Palästinensische Terroristen stürmen die Unterkunft der israelischen Sportler und nehmen Geiseln. Elf Athleten und ein Polizist sterben. Das Attentat führt zur Gründung der GSG 9 für die Bekämpfung des Terrorismus und schwerster Gewaltkriminalität.

„Die Hilflosigkeit, zuzusehen und nichts tun zu können, war für mich am schlimmsten. Aber nach diesen Ereignissen habe ich mich sofort bereiterklärt, die neu gegründete Einheit GSG 9 zu übernehmen“, sagt der ehemalige Brigadegeneral 2002. „Ich habe mir immer gesagt, so etwas darf in Deutschland nie wieder passieren.“

Die Spezialgruppe übt und übt und übt - streng geheim. Auch in einem abgelegenen Basaltsteinbruch bei Windhagen. „Das ist erst viele Jahre später bekanntgeworden“, erzählt Erwin Rüddel, dessen Vater Josef Rüddel mit 92 Jahren in Windhagen als Deutschlands ältester und dienstältester Ortsbürgermeister gilt. Er amtiert bereits seit 1963, hat einst den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) im nahen Rhöndorf mit Kartoffeln beliefert und später immer wieder Wegener in Windhagen getroffen: „Wir waren immer stolz, dass wir ihn bei uns hatten.“

Wegener, als Sohn eines Reichswehroffiziers im brandenburgischen Jüterbog geboren und wegen der Verteilung antikommunistischer Flugblätter einst in DDR-Haft, wird wegen der Operation „Feuerzauber“ in Mogadischu am 18. Oktober 1977 schlagartig berühmt. Die Entführer wollten im „Deutschen Herbst“ gefangene Terroristen der Rote-Armee-Fraktion freipressen. Die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nehmen sich nach dem „Wunder von Mogadischu“ im Gefängnis Stuttgart-Stammheim das Leben. Wegener sagt 2012 zur Operation „Feuerzauber“: „Wir hatten davor jahrelang auf deutschen Flughäfen eine solchen Einsatz immer wieder geübt, nachts haben wir abgestellte Maschinen gestürmt. Manchmal konnten diese Maschinen auch nachher nicht mehr fliegen.“

Immer wieder wird die GSG 9 gerufen, wenn andere Kräfte an ihre Grenzen stoßen. Viele Einsätze gehen im Verborgenen über die Bühne. Auch im Ausland ist die Elitetruppe mittlerweile aktiv. In düsterer Erinnerung bleibt der gescheiterte Einsatz zur Festnahme zweier RAF-Terroristen 1993 in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern: Dabei sterben ein GSG-9-Beamter und ein RAF-Mitglied.

Schon zuvor, 1988, wechselt Wegener noch in den Dienst der saudischen Regierung, um die dortige 2000 Mann starke „Special Security Forces“ auszubilden. In Fachkreisen ist er nun weltweit bekannt. Im Ruhestand erlebt der „Held von Mogadischu“ 2013 eine Straftat im eigenen Haus: Einbrecher knacken während seiner Abwesenheit seinen Wandtresor und erbeuten zwei Waffen, Wegeners Uhrensammlung und Bargeld.

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  • dpa
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