Hendricks wird Schatzmeisterin – Ute Vogt muss zittern
Beck leitet Umbau der SPD-Spitze ein

Mit einer erneuerten Spitze will SPD-Chef Kurt Beck seine Partei in den Bundestagswahlkampf führen. Am Montag schlug er den Führungsgremien die derzeitige parlamentarische Finanzstaatssekretärin Barbara Hendricks als künftige Schatzmeisterin vor.

BERLIN. Die 54-Jährige soll auf dem Parteitag im Oktober zur Nachfolgerin der Amtsinhaberin Inge Wettig-Danielmeier gewählt werden, die nach 15 Jahren aus Altersgründen ausscheidet. Bereits im Mai soll der SPD-Vorstand entscheiden, ob die Zahl der Beck-Stellvertreter von fünf auf drei oder vier verringert wird.

Nach dem Willen von Beck soll das personelle Angebot der SPD für die Bundestagswahl spätestens auf dem Parteitag feststehen. Der Parteichef betonte, er wolle die „gute Zusammenarbeit“ mit dem von seinem Vorgänger Matthias Platzeck berufenen Generalsekretär Hubertus Heil fortsetzen. Es sei eine „Selbstverständlichkeit“, dass Heil erneut kandidiere. Sein Vorschlag, die dem rechten Parteiflügel zugerechnete Hendricks zur neuen Schatzmeisterin zu machen, sei vom Vorstand und vom Präsidium der SPD „einmütig“ gebilligt worden: „Ich bin sicher, dass sie ein sehr gutes Wahlergebnis bekommen wird.“ Ihr Amt als Staatssekretärin werde Hendricks dann aufgeben.

Das öffentliche Interesse dürfte sich aber vor allem auf die Wahl der Stellvertreter des Parteivorsitzenden richten. Bislang haben diese Posten der sachsen-anhaltinische Finanzminister Jens Bullerjahn, die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, die Fraktionsvize Elke Ferner, Finanzminister Peer Steinbrück und die baden-württembergische SPD-Chefin Ute Vogt inne. Eine Neubesetzung ist heikel, weil stets komplizierte Fragen der geographischen Herkunft, des Geschlechts und der Zugehörigkeit zu einem der Parteiflügel austariert werden müssen. Vogt und Dieckmann gelten wegen ihrer schwachen Außenwirkung seit längerem als Austausch-Kandidaten.

Offenbar möchte Beck die engere Parteispitze zudem verkleinern, um die Sichtbarkeit des Führungspersnals zu vergrößern. Zwar betonte der Parteichef vor der Presse lediglich, es gebe eine „Diskussion“, bei der er „nichts präjudizieren“ wolle. Im SPD-Vorstand zeigte er nach Teilnehmerangaben aber deutliche Sympathien für eine Verringerung der Zahl der Stellvertreter. Damit würde die Neubesetzung noch schwieriger. Steinbrück als Finanzminister könnte ohne Imageschaden kaum abgewählt werden. Ferner weiß den linken Flügel und die SPD-Frauen hinter sich. Bullerjahn repräsentiert die Ostdeutschen.

Gute Chancen auf einen Vize-Posten werden in der Partei der nordrhein-westfälischen Landeschefin Hannelore Kraft eingeräumt. Bleibt der Posten erhalten, könnte sie Nachfolgerin von Bärbel Dieckmann werden. Kürzlich hatte Beck auch Sympathien für die Parteilinke Andrea Nahles erkennen lassen. Ihre Kandidatur ginge entweder zu Lasten von Vogt oder von Ferner. Allerdings wurde Nahles am Montag vom SPD-Vorstand nicht mit der Vorbereitung eines Sachthemas für den Parteitag betraut, was gegen eine geplante Stärkung ihrer Person spricht. Die Chancen des Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, der seit längerem mit einer Kandidatur für einen Vize-Posten kokettiert, werden in der Partei als eher gering eingeschätzt.

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