Hendricks zum VW-Skandal
„Wir dürfen uns nicht nur auf Tests im Labor verlassen“

Im Skandal um geschönte Abgaswerte hat Umweltministerin Hendricks den Autobauer VW scharf kritisiert. Der Konzern müsse die Affäre „so rasch wie möglich vollständig aufklären“. Es brauche außerdem neue Messverfahren.

BerlinBundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) übt im Abgasskandal scharfe Kritik an VW und befürchtet einen erheblichen Imageschaden für die deutsche Wirtschaft: „Wenn ein deutscher Weltkonzern sich so eklatant über Umweltregeln hinwegsetzt, dann wirft das einen Schatten auf die Umweltversprechen deutscher Unternehmen“, sagte Hendricks dem Handelsblatt (Montagsausgabe). „Die Glaubwürdigkeit der deutschen Industrie ist ein hohes Gut. Die Marke ,Made in Germany‘ darf deshalb nicht in Mitleidenschaft gezogen werden“, warnte die Ministerin. Darum müsse VW „neben all den personellen Konsequenzen jetzt auch inhaltlich an die Arbeit gehen und so rasch wie möglich vollständig aufklären“, sagte Hendricks.

Hendricks sagte einen Kurswechsel bei den Abgasmessungen zu. „Wir arbeiten derzeit in Brüssel an neuen, ehrlichen Messverfahren. Wir dürfen uns nicht nur auf Tests im Labor verlassen“, sagte sie. Es müsse vielmehr „im realen Fahrbetrieb gemessen werden, was aus dem Auspuff rauskommt“. Deutschland habe sich in den letzten Jahren für ein solches Messverfahren in der EU eingesetzt. Im Mai seien erste technische Beschlüsse dazu in Brüssel getroffen worden. „Die müssen dringend mit den zugehörigen Anforderungen umgesetzt und angewandt werden. Schließlich muss sich der Käufer eines Pkw darauf verlassen können, dass die Hersteller das halten, was sie in den Verkaufsprospekten versprechen“, sagte Hendricks.

Die Umweltministerin räumte ein, es sei „allgemein bekannt“ gewesen, dass die im Labor ermittelten Werte nicht mit dem übereinstimmten, was im realen Fahrbetrieb stattfinde. Das sei der Grund, warum die EU ein neues Messverfahren beschlossen habe. Das habe aber nichts mit dem zu tun, was VW getan habe. Sie selbst habe von den Manipulationen bei VW aus der Zeitung erfahren.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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