Henry Tesch im Interview
KMK: 30 000 Lehrer fehlen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat von der Kultusministerkonferenz (KMK) eine verlässliche Statistik über das wirkliche Ausmaß des Lehrermangels in Deutschland verlangt. Eine solche Aufstellung verweigere die KMK jedoch bislang. Doch davon will der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, im Gespräch mit Handelsblatt.com nichts wissen.

Herr Tesch, welche Daten liefert denn die KMK?

Die Kultusministerkonferenz berichtet mit der Dokumentation "Einstellung von Lehrkräften" regelmäßig über die Neueinstellungen in den Schuldienst. Zuletzt erschien die ausführliche Dokumentation im Jahr 2007 mit den Zahlen bis 2006. Im Internet ist ein aktualisiertes Tabellenwerk bis 2007 verfügbar. Die Fortschreibung der Dokumentation mit den Zahlen bis 2008 wird in wenigen Wochen erscheinen. Unsere Studie „Lehrereinstellungsbedarf und-angebot in der Bundesrepublik Deutschland“ aus dem Jahr 2003 gibt einen Überblick über die voraussichtliche Entwicklung des Lehrereinstellungsbedarfs und-angebots in den neuen und alten Ländern. Die Modellrechnung, in der die sechs verschiedenen Lehramtstypen betrachtet werden, umfasst die Jahre 2002 bis 2015.

Ist das denn jetzt überhaupt noch aussagekräftig?

Wegen der Umstellung auf die gestufte Studienstruktur mit Bachelor- und Masterstudiengängen, die die Abschätzung des Lehrkräftenachwuchses erschwert, ist zurzeit keine aktuellere Darstellung im Überblick möglich. Konkrete Daten zum Lehrerbedarf erfahren Sie in den einzelnen Länderministerien.

Wie sieht es denn konkret bei Ihnen in Mecklenburg-Vorpommern aus?

In Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die Situation so dar, dass wir derzeit über ausreichend Lehrpersonal verfügen. Aufgrund des massiven Rückgangs der Schülerzahlen - 1991 hatten wir 290 000 Schüler, jetzt sind es 140 000 - ist im Jahr 1995 das Lehrerpersonalkonzept eingeführt worden. Es hatte zum Ziel, unter anderem durch Teilzeitvereinbarungen Arbeitsplätze zu garantieren. Zwar wurde auch immer ein Einstellungskorridor von 170 Lehrern pro Schuljahr vorgehalten, der aber mangels Bedarfs nie voll ausgeschöpft wurde. Angesichts der Altersstruktur der Lehrerschaft in Mecklenburg-Vorpommern werden aber auch wir künftig einen großen Bedarf an jungen Lehrern haben - etwa 300 pro Jahr. Denn 37 Prozent der Lehrer an allgemeinbildenden Schulen sind 50 Jahre und älter, in den beruflichen Schulen sind es sogar über 50 Prozent. Auf diese Situation bereiten wir uns derzeit mit dem so genannten Junglehrerprogramm vor, um die Attraktivität des Berufs für junge Leute im Land zu erhöhen.

Wie groß ist nun nach Einschätzung der KMK das Ausmaß des Lehrermangels?

Laut der KMK-Modellrechnung in der bereits erwähnten Studie besteht für den Zeitraum 2009 bis 2015 ein Einstellungsbedarf von rund 190 000 Lehrkräften. Dem steht voraussichtlich ein Angebot von rund 160 000 Neuabsolventen und nicht eingestellten Bewerbern gegenüber.

Es fehlen also 30 000 Pädagogen. Welche Fächer sind betroffen?

Die Einstellungschancen hängen von der Fächerkombination, der Examensnote, der Schulart sowie dem Bundesland ab. Besonders aussichtsreich ist das Lehramtsstudium für die Schulstufen der mittleren Bildung, für die Jahrgangsstufen 10 bis 12 mit beruflichen Fächern und für berufliche Schulen. An beruflichen Schulen werden vor allem Lehrer mit den Fächern Wirtschaft/Verwaltung/Recht und Ingenieurwissenschaften gesucht. Bei den sonderpädagogischen Lehrämtern zeichnet sich ein weitgehend ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Lehrkräften ab. Bei den übergreifenden Lehrämtern des Primarbereichs und allen oder einzelnen Schularten der mittleren Bildung fällt die Angebotslücke weniger deutlich aus. Der Einstellungsbedarf im Sekundarbereich I ist dabei größer als im Primarbereich.

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