Hermesbürgschaften und Investitionsgarantien
Wirtschaftsminister will Exporteure stützen

Die Finanzkrise macht es für Unternehmen zunehmend schwierig, bei privaten Exportversicherungen und bei Kreditinstituten ausreichende Absicherungs- und Finanzierungsmöglichkeiten zu mobilisieren. Jetzt will die Bundesregierung der Wirtschaft bei der Exportfinanzierung unter die Arme greifen.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will der Wirtschaft bei der Exportfinanzierung unter die Arme greifen. Die Bundesregierung sei darauf vorbereitet, exportierenden Unternehmen mit Hermesbürgschaften „in einem deutlich höheren Volumen zur Seite zu stehen“, heißt es in einem Papier des Ministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt.

„Wir werden die Exportwirtschaft gerade auch in dieser schwierigen Zeit mit Hermesdeckungen und Investitionsgarantien konstruktiv begleiten“, heißt es weiter in dem Papier. Die Aussagen sind vor dem Hintergrund der Finanzkrise zu sehen. Die Krise macht es zunehmend schwierig, bei privaten Exportversicherern ausreichende Absicherungsmöglichkeiten zu mobilisieren.

Das bereitet vielen Unternehmen Sorgen. Maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte sind oftmals Voraussetzung für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss im Ausland: „Tatsache ist, dass unsere Mitgliedsunternehmen ihren Kunden heute zu einem Auftrag immer häufiger auch gleich ein Finanzierungskonzept vorlegen müssen. Das dürfte angesichts der Finanzkrise in Zukunft eher schwieriger werden“, sagt Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Es sei ein Zeichen vorausschauender Politik, wenn die Bundesregierung ihre Anstrengungen bei der Absicherung von Exportfinanzierungen intensiviere.

Die Maschinen- und Anlagenbauer gehören zu den stark exportorientierten Unternehmen. 77 Prozent ihres Geschäftes machen sie im Ausland, in einzelnen Sektoren, etwa bei Textilmaschinen, liegt der Anteil über 90 Prozent. Auch der Bundesverband Groß- und Außenhandel betont die Bedeutung der Exportfinanzierung: „Die Lieferantenkredite nehmen zu, Hermesbürgschaften werden daher immer wichtiger, um Finanzierungen zu gewährleisten“.

Die Kapazitäten für eine Ausweitung der Exportfinanzierung sind vorhanden: Im Bundeshaushalt steht dafür ein Ermächtigungsrahmen von 117 Mrd. Euro zur Verfügung. In dem Papier des Wirtschaftsministeriums heißt es, der Rahmen sei derzeit „bei weitem nicht ausgeschöpft“. Man sei „für das, was möglicherweise noch bevorsteht, gut gerüstet“, heißt es im Ministerium. 2007 hat die Bundesregierung Neugeschäfte in Höhe von 17 Mrd. Euro mit Hermesdeckungen abgesichert. Der größte Teil des Neugeschäfts entfiel mit 61 Prozent auf Russland, es folgten China und die Türkei.

Die privaten Kreditversicherer verschärfen nach Beobachtung des Ministeriums ihre Konditionen, indem sie Laufzeiten verkürzen, Prämien erhöhen und Volumina verkleinern. „Sollte sich bestätigen, dass private Exportkreditversicherungen künftig nur noch in unzureichendem Umfang zur Verfügung stehen“, werde man sich in Brüssel dafür einsetzen, „dass die EU für eine Übergangszeit staatliche Exportkreditversicherungen auch für kurzfristige Geschäfte in OECD-Ländern wieder ermöglicht“, heißt im Papier des Ministeriums. Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) heißt es dazu, dies hätte „eine deutliche Breitenwirkung und würde insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, die innerhalb der EU und in den OECD-Ländern aktiv sind“.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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