Hersteller von Windkraftanlagen forcieren Exporte
Ökostrom-Anbieter erwarten Kurswechsel unter Merkel

Nach einem möglichen Regierungswechsel wird sich der Wind drehen. Die Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, fordert, dass erneuerbare Energien wirtschaftlicher werden sollen. Das setzt die Solar- und Windkraftbranche unter Druck.

DÜSSELDORF. Für die Ökostromanbieter in Deutschland brechen schwere Zeiten an. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) fordert, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu kippen und durch ein Quotensystem zu ersetzen. Sollte sich eine neue schwarz-gelbe Bundesregierung die Vorschläge des VDEW zu Eigen machen, droht den Unternehmen der Verlust üppiger staatlicher Fördermittel.

„Das Modell des VDEW würde dazu führen, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu deckeln und alternative mittelständische Anbieter vom Markt zu drängen“, sagte Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE). Als Folge der Umstellung von der bisherigen Mindestpreisvergütung auf eine Quotenregelung könnten Großkonzerne das Geschäft mit den Zukunftsenergien selbst übernehmen. Erst am Dienstag hatten der britische-niederländische Ölkonzern Royal Dutch/Shell und der Düsseldorfer Energieversorger Eon ihren Plan bekannt gegeben, vor der englischen Küste den größtenWindpark der Welt zu errichten.

Im Durchschnitt wird aus regenerativen Quellen wie Wind, Sonne und Biomasse erzeugter Ökostrom derzeit mit 9,4 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Das ist gut doppelt so viel, wie Strom an den Strombörsen kostet. Zwei Drittel des Stroms aus regenerativen Energien entfällt auf die Windkraft. Fritz Vahrenholt, der Vorstandsvorsitzende des drittgrößten deutschen Windanlagenbauers Repower Systems, stellt sich bereits auf Einschnitte bei der Förderung ein. „Man muss nach einem Regierungswechsel mit Änderungen beim EEG rechnen, allerdings frühestens im Juli 2006“, sagte der SPD-Mann und frühere Umweltsenator von Hamburg dem Handelsblatt. Viele Politiker, gerade aus den Reihen von CDU und FDP, würden jedoch verkennen, dass Strom aus neuen Windkraftanlagen wegen des technischen Fortschritts von Jahr zu Jahr billiger wird, während die Wettbewerbsenergien Kohle, Gas und Atomkraft immer teurer würden. Vahrenholt: „2013 werden wir die Billigheimer im Energiemix sein.“ Allerdings brauche die Branche noch mindestens zwei Jahre Sicherheit. Ein Quotenmodell dagegen würde die erneuerbaren Energien teurer machen. Weil das Geschäftsrisiko durch die Quote wachse, würden die Investoren einen Risikoaufschlag verlangen.

Zumindest die drei größten Windkraftanlagenhersteller in Deutschland, Enercon, Vestas und Repower, würde eine Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen weniger hart treffen als den Rest der Branche. Sie haben die Abhängigkeit vom Inlandsmarkt in den vergangenen Jahren deutlich verringert, der Auslandsanteil am Umsatz liegt bei allen drei bei mindestens 60 Prozent.

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