Hessen
„Jetzt kein Kleinholz machen“

"Ein Desaster für die SPD, ein schwerer Schlag für die hessische Partei": Franz Müntefering wurde von der Erklärung der vier Abweichler sichtlich überrascht. Nun will der Bundesvorsitzende die Landespartei wieder stärker an die Kandare nehmen.

BERLIN. "Wir sind bis 10.10 Uhr noch davon ausgegangen, dass das in Hessen läuft", gibt Franz Müntefering offen zu. Dann aber platzt die Bombe: Ein Anruf aus Wiesbaden überrascht das SPD-Präsidium, das gerade im Willy-Brandt-Haus tagt. Die geplante Wahl von Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin wird abgeblasen - vier Genossen verweigern ihr die Gefolgschaft und wollen sich am Mittag öffentlich dazu äußern, teilt der Anrufer dem konsternierten Parteichef mit.

In Berlin fällt man aus allen Wolken. In der Runde der versammelten SPD-Führung krachen Fäuste auf den Tisch, werden Empörungsrufe laut. Hektisch nimmt man die Mobiltelefone zur Hand, versucht Näheres zu erfahren. Als schließlich klar wird, dass Andrea Ypsilanti die Nachricht des Tages nicht von den vier Abweichlern persönlich erhalten, sondern aus dem Internet erfahren hat, wandelt sich die Betroffenheit der Präsidiumsmitglieder in Fassungslosigkeit.

Man beschließt, die Pressekonferenz der vier hessischen SPD-Landtagsabgeordneten live im Fernsehen zu verfolgen und erst dann in Berlin vor die ungeduldig wartende Presse zu treten. Blass und sichtlich angespannt stellt Müntefering sich schließlich am frühen Nachmittag den Fragen der Journalisten. Ein "Desaster für die SPD" sei da passiert, räumt der Parteichef unumwunden ein, "ein schwerer Schlag für die hessische Partei".

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