Hessen
Schwarz-Grün wagt das Experiment

Hessen sucht eine Regierung – und steuert auf das erste Bündnis von CDU und Grünen in einem Flächenbundesland zu. Die Sondierungsgespräche sind vielversprechend gelaufen. Jetzt will Ministerpräsident Bouffier verhandeln.
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WiesbadenDer hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat Berichte bestätigt, nach denen die CDU in Hessen mit den Grünen Koalitionsverhandlungen aufnehmen will. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe ihm dies am Donnerstagabend telefonisch mitgeteilt, sagte Schäfer-Gümbel am Freitag vor Journalisten in Berlin. Die SPD in Hessen werde nun „die Oppositionsrolle offensiv und engagiert annehmen“, fügte er hinzu.

Bouffier habe die Absage an die SPD zum einen mit inhaltlichen Differenzen zwischen Christdemokraten und Sozialdemokraten begründet, sagte Schäfer-Gümbel. Der Ministerpräsident habe aber auch klar gemacht, dass sich die CDU mit einem schwarz-grünen Bündnis auf Landesebene neue strategische Optionen eröffnen wolle. Auf Grünen-Seite habe die Spitze der Bundespartei eine Koalition der Hessen-Grünen mit der CDU „massiv forciert“, sagte Schäfer-Gümbel.

Offiziell will CDU-Chef Bouffier erst nach einer Sitzung von Vorstand und Fraktion seiner Partei am Freitagabend bekanntgeben, mit wem die Union Koalitionsverhandlungen aufnehmen will. Und die Grünen müssen noch auf einem Landesparteirat entscheiden, ob sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union gehen wollen.

Ein schwarz-grünes Bündnis in Hessen dürfte auch die deutsche Parteienlandschaft verändern. „Ich bin mir sehr sicher, dass der heutige Tag nicht nur Bedeutung für Hessen hat, sondern weit darüber hinaus“, zeigte sich Schäfer-Gümbel überzeugt. Die Bundes-SPD müsse sich nun „intensiv“ um ihre strategische Aufstellung mit Blick auf das nächste Wahljahr 2017 bemühen.

Die CDU hatte in den vergangenen Wochen sowohl mit den Grünen als auch mit den Sozialdemokraten jeweils vier Sondierungsgespräche geführt. Öffentlich ließ Bouffier dabei keine Präferenzen erkennen. Es hatte sich aber bereits seit einigen Tagen abgezeichnet, dass er sich am Ende zwischen der SPD und den Grünen entscheiden kann. Denn ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis, dessen Chancen ebenfalls in vier Sondierungsrunden ausgelotet worden waren, galt zuletzt als unwahrscheinlich. Auch eine von der SPD erwogene rot-grüne Minderheitsregierung kam nicht infrage, weil die Grünen dieses Modell ablehnten.

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  • Das ist doch mal eine gute Nachricht, finde ich klasse!

    Die Grünen können sich auch gleich für den Bund in Stellung bringen!

    Für unser Land und die Demokratie wäre das am Besten!!!!!!

    Die SPD könnte sich schon mal mit den Linken anfreunden und sich stark machen für die nächsten Wahlen.

    Die nächsten Bundestagswahlen werden in der Konstellation Union/Grün nicht erst in vier Jahren sein!

  • Tja Leute zu schwarz grün im Bund ist es jetzt nicht mehr weit.

  • Das sollte sich Angie im Bund auch noch mal überlegen, bevor diese grenzwertige große Koalition entsteht und unser Land ganz abgleitet.
    Auf Realo-Grüne ist Verlass ! Das sieht man in BW sehr gut.

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