Hessen-Wahl: Frau XY verleiht der SPD Flügel

Hessen-Wahl
Frau XY verleiht der SPD Flügel

Niedersachsen? Wo liegt Niedersachsen? Keine Ahnung. Jedenfalls muss das Bundesland verdammt weit weg sein vom Berliner Willy-Brandt-Haus, wo SPD-Chef Kurt Beck von einer begeisterten Menge umjubelt wird. In Niedersachsen gab es eine schwere Schlappe für die Sozialdemokraten. Aber an diesem Abend zählt nur Hessen.

BERLIN. Der Pfälzer Beck hat sich ungewöhnlich lange Zeit gelassen, hat die Statements aller Landespolitiker im Fernsehen abgewartet, bis er dann exakt zu den "Heute"-Nachrichten um 19 Uhr vor das Mikrophon tritt. Durch den frenetischen Applaus kann man zunächst nur Wortfetzen verstehen. Der strahlende Beck spricht von "Sozialdemokratie" und "Zukunft", und er stimmt eine wahre Eloge auf Andrea Ypsilanti an, die "hervorragend gewonnen" habe.

Das sind höchst ungewohnte Worte in der Zentrale einer Partei, die bei bundesweiten Umfragen seit Monaten kaum über die 30-Prozent-Marke kommt. In Niedersachsen haben die Genossen ihr katastrophal schlechtes Ergebnis von 2003 an diesem Sonntag noch einmal nach unten revidiert. Aber wen interessiert an diesem Abend hier der niedersächsische Landtag? In Hessen sind kurz nach Schließung der Wahllokale erste Prognosen angestellt worden, die einer Sensation gleichkommen: Satte acht Prozentpunkte soll die SPD zugelegt und zwölf Punkte der CDU-Amtsinhaber Roland Koch verloren haben.

Ein Aufschrei der Begeisterung hallt durch das Atrium des Willy-Brandt-Hauses, als diese Zahlen bekannt werden. Doch gleich dämpft sich die Stimmung wieder etwas. Denn der leichte Vorsprung für Rot-Grün, den die ARD zunächst noch für den Landtag ausgerechnet hat, wird bald in Richtung einer Patt-Situation korrigiert. Auch pendelt die Linkspartei ständig um die Fünf-Prozent-Marke, so dass zunächst unklar bleibt, ob es in Hessen zu einem Machtwechsel kommt und welche Konstellationen möglich sind. Der Abend wird zur Zitterpartie.

Eines aber steht schon fest, während der engste Führungszirkel der Partei im Vorstandsbüro im fünften Stock noch die Strategie berät: In Hessen hat die SPD ein sagenhaftes Comeback erlebt. Man muss nicht gleich das "Wunder von Wiesbaden" beschwören, wie es ein Genosse tut. Aber dass das Ergebnis "auf jeden Fall ein grandioser Erfolg für Andrea Ypsilanti ist", wie es die nordrhein-westfälische Landeschefin Hannelore Kraft hervorhebt, kann man kaum bestreiten.

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