Hessen-Wahl: Koch siegt, aber nicht aus eigener Kraft

Hessen-Wahl
Koch siegt, aber nicht aus eigener Kraft

Roland Koch ist zurück. Seine politische Auferstehung verdankt der streitbare CDU-Politiker der Schwäche seiner Gegner und dem Erstarken der hessischen Liberalen. Jetzt soll Koch das CDU-Wirtschaftsprofil im Bund schärfen.

BERLIN. Kompetenz und Stabilität - die beiden Schlagwörter, mit denen er punkten wollte, stehen in schmalen Lettern auf der Leinwand hinter ihm. Roland Koch tritt vor seine Anhänger - und dankt der FDP. "Die hessische CDU hat in den vergangenen Jahren mehrere Male von der Verlässlichkeit der FDP profitiert", sagt er. "Wir haben in guten und schlechten Zeiten zusammengehalten."

Es klingt wie ein Eheversprechen, und zum Bündnis mit der FDP soll es jetzt ja auch kommen. Roland Koch ist Sieger in Hessen, aber nicht aus eigener Kraft. Seine Gegner sind so schwach wie nie, seine Freunde so stark wie selten - beides hat ihm den Sieg ermöglicht. Roland Koch ist zurück, aber die politische Wiederauferstehung gelingt längst nicht so kraftvoll wie erwartet. Er bleibt Ministerpräsident, doch seine Union holt mit knapp 37 Prozent weit weniger Stimmen als die Umfragen erwarten ließen. Im Vergleich zum vergangenen Januar, als seine CDU das schlechteste Ergebnis seit 40 Jahren einfuhr, konnte Roland Koch gestern nicht zulegen.

Die CDU beschwört dennoch die guten Nachrichten. Wie schon in Niedersachsen vor einem Jahr zeigt das Ergebnis in Hessen, dass eine bürgerliche Mehrheit mit der FDP auch im Fünf-Parteien-System möglich ist. Der Auftakt in ein Superwahljahr im Zeichen der Wirtschaftskrise sei gelungen - und das im Bündnis mit dem Wunschkoalitionspartner auch für den Bund, der FDP. Die Chancen von Kanzlerin Angela Merkel in der Bundestagswahl seien "fühlbar gestiegen", sagt der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). "Was wir in Hessen präsentieren können, ist: Es gibt eine gute Chance für eine bürgerliche Mehrheit auch im Bund", so Koch selbst.

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses ist der klare Regierungsauftrag für Koch ein in mehrfacher Hinsicht glücklicher Umstand für die CDU. In der Wirtschaftspolitik gilt Koch als einer der profiliertesten Köpfe der Partei. Mögen seine persönlichen Popularitätswerte auch im Keller liegen, seine Kompetenz ist unbestritten. Gerade im von der Wirtschaftskrise geprägten Wahljahr 2009 macht ihn das unverzichtbar. Auch in Abgrenzung zu CSU-Chef Horst Seehofer etwa oder NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers wird es seine Aufgabe, das wirtschaftspolitische Profil der CDU zu schärfen.

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