Hessen
Warum die CDU mobilisieren muss

Im hessischen Wahlkampf setzt Roland Koch auf Harmonie und zeigt sich aufgeschlossen für neue Wahlkampf-Methoden. Doch auch der Favorit muss feststellen, dass sich für ihn vieles verändert hat.

FROSCHHAUSEN. Es ist nur eine kleine Begebenheit - doch sie zeigt, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Im Offenbacher Gewerbegebiet, irgendwo zwischen Hyundai-Händler und Praktiker-Baumarkt lässt Roland Koch seinen Wahlkampfbus im Feierabendverkehr halten, um sich schnell mit Burger und Pommes zu stärken. Stopps bei McDonald?s gehören zu Kochs Wahlkampftouren wie einst deftige Töne.

Beim Reingehen spricht ihn eine Frau mit Kopftuch an, später setzt er sich neben sie. Die beiden plaudern, die türkischstämmige Immobilienmaklerin und der hessische Ministerpräsident, den vor einem Jahr ein als ausländerfeindlich wahrgenommener Wahlkampf fast das Amt kostete. Seine Parolen damals hätten sie "sehr geschmerzt", sagt die junge Frau, sie mag Anfang 30 sein: "Aber es ist gut, aufeinander zuzugehen." Koch nickt, erkundigt sich, wie die Geschäfte gehen, dann zieht er weiter. Und alles ist ganz normal.

Eine kleine Szene freilich, aber eine, die deutlich macht, wie sehr sich der kurze Winterwahlkampf 2009 von dem in 2008 unterscheidet. Damals suchte Koch mit Gewalt nach einem Thema, um die Mindestlohnkampagne Andrea Ypsilantis zu kontern und endete bei kriminellen Ausländern. Heute heißt es auf den Plakaten schlicht: "In Zeiten wie diesen..."

Koch gibt sich staatstragend, setzt auf Kompetenz. Nur selten blitzt der Polarisierer durch. Wenn Koch keine Fehler macht, ist ihm die Mehrheit mit der FDP sicher. Mit der Wirtschaftskrise ergibt sich der Schwerpunkt des Wahlkampfes von selbst. Scharfe Kanten, griffige Themen über die Krise hinaus muss Koch nicht anpacken. Seine Gegner lässt das verzweifeln. Als "weich gespült beschreibt ihn ein frustrierter SPD-Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel. "Er versucht alles, um einfach nichts zu machen", sagt Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir.

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