Hessischer AfD-Chef Münch
Früher Republikaner, heute AfD

Der hessische AfD-Landeschef Peter Münch war früher bei den rechtsextremen Republikanern. In der Partei will er keine Funktion ausgeübt haben. Nun kommt heraus, dass er etliche Ämter bekleidete.
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DüsseldorfCDU, Republikaner, Freie Bürger Union und Alternative für Deutschland (AfD): Peter Münch, der neue Landesvorsitzende der hessischen AfD, ist in der Politik weit herum gekommen. Offenbar war ihm seine bunte politische Vita aber selbst so peinlich, dass er die AfD über seine Vergangenheit bei den rechtsextremen Republikanern in Teilen falsch informierte. Darüber berichtete die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Demnach war Münch länger Mitglied der rechtsextremen Partei als angegeben. Münch hatte im Januar 2014 in einem parteiinternen Bewerbungsbogen angegeben „von 1989 – 1991 bei den REP“ aktiv gewesen zu sein. In den Folgejahren habe er sich dann bis 1995 in der rechtsliberalen Freien Bürger Union engagiert. Medienberichte bestätigen jedoch, dass Münch erst am 29. Juni 1993 bei den Republikanern ausstieg. Der hessische Co-Landesvorsitzende Konrad Adam sagte der FAZ, der Vorwurf, Münch habe damals mit Absicht falsche Angaben gemacht, sei „nicht ganz von der Hand zu weisen“.

Der Grund für Münchs Falschangaben könnte in dem Umstand liegen, dass die Republikaner erst im Dezember 1992 vom hessischen Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft wurden. Anders als von ihm dargestellt war er zu diesem Zeitpunkt noch Mitglied der Partei.

Doch Münch war nicht nur Mitglied, sondern aktiver Politiker und bekleidete in dieser Zeit verschiedene Ämter: Er war laut FAZ Fraktionsvorsitzender der Republikaner in der Stadtverordnetenversammlung von Bad Homburg und im Kreistag des Hochtaunuskreises, Beisitzer im Landesvorstand, Kreisvorsitzender im Hochtaunuskreis und Spitzenkandidat bei der Kreistagswahl. Im Juni 1993 kandidierte er sogar für den Landesvorsitz, scheitert aber.

Münch selbst will davon nichts mehr wissen und argumentiert mit Erinnerungslücken. Er sei nicht sicher, ob er jemals Fraktionsvorsitzender der Republikaner gewesen sei. Zeitungsberichte aus dem Jahr 1993 sprechen jedoch eine klare Sprache.

Offenbar hat im Fall Münch die so genannte „Einzelfallprüfung“ beim hessischen Landesvorsitzenden nicht korrekt funktioniert. Die Bundessatzung sieht vor, mit dieser Prozedur Personen zu erfassen, die in ihrer Vergangenheit Mitglied einer Organisation waren, die zu diesem Zeitpunkt durch deutsche Sicherheitsorgane als extremistisch eingestuft wurde. Münch hätte also vor seiner Aufnahme in die AfD eine genaue Prüfung seiner politischen Vergangenheit über sich ergehen lassen müssen. Dass er sich diesem Verfahren nicht stellte, bezeichnete der hessische Parteivize Adam in der FAZ als „bedauerlich“.

Der Sprecher der Bundespartei, Bernd Lucke, versucht, rechte Umtriebe in der Partei zurückzudrängen. Regelmäßig beteuert Lucke, dass seine Partei in ihren eigenen Reihen keine rechtsextremen Tendenzen dulde. „Wir haben eine Handvoll Mitglieder, die in ihrer politischen Überzeugung nicht in die AfD hineingehören“, sagte er kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Gegen solche Mitglieder gehen wir mit Parteiordnungsmaßnahmen bis hin zum Ausschluss vor.“ Dies sei aber „kein Massen-Phänomen“, sondern ein „Phänomen von einzelnen Personen“.

Kommentare zu " Hessischer AfD-Chef Münch: Früher Republikaner, heute AfD"

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  • "...einer völlig unbedeutenden Republikaner-Splitterpartei..."
    Eben! Die waren nie auch nur einen Tag in irgendeiner Regierungsverantwortung- ganz im Gegensatz zu diesem Verbrecherregime, das ein ganzes Land zugrundegerichtet hat.

  • Das ist doch überhaupt nichts im Vergleich zur Partei "Die Linke". Dort sitzen nicht irgendwelche Splitterparteiler, nein, der leibhaftige letzte Vorsitzende der DDR-SED, die auf Flüchtlinge an Mauer und Stacheldraht schießen ließ, der Herr Gysi, ist dort amtierender Bundestags-Fraktionsvorsitzender. Und in Thüringen ist ein leibhaftiges Stasi-Spitzel im Landtag. Die Stasi lieferte in der DDR die Ausspionierten ans Messer. Das alles ist die Spitze eines Eisberges der Partei.
    Aber wohl keiner grossen Erwähnung wert. Wenn jedoch ein AfD-Mensch vor einem Vierteljahrhundert einer völlig unbedeutenden Republikaner-Splitterpartei, die nichts geschafft hat, angehörte - ja, dann ist der grosse Zeitungsartikel fällig.

    Die Konklusion zur Objektivität der Berichterstattung erspare ich mir zu schreiben.

  • Das ist natürlich sch.... wenn jemand seine Herkunft zumindest zum Teil verschweigt. Aber dafür kann ja die AfD als Partei nichts wenn auch sich die Medien nach solch aufgebauschten Skandalen sehnen.

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